Nel ASA Aktie: 224 Prozent Auftragssprung überrascht

Nel ASA verzeichnet durch einen Vergleich hohe Sonderkosten, während ein Auftragssprung von 224 Prozent die positive Nachfrage im PEM-Geschäft unterstreicht.

Die Kernpunkte:
  • Vergleich belastet Bilanz mit 70 Millionen Kronen
  • Auftragseingang steigt um 224 Prozent
  • PEM-Elektrolyseure dominieren neue Bestellungen
  • Neues Alkali-System soll Wende bringen

Ein Vergleich mit einem japanischen Industriegasekonzern reißt bei Nel ASA ein tiefes Loch in die Bilanz. Gleichzeitig meldet der norwegische Wasserstoff-Spezialist einen Auftragssprung, der die Verluste fast vergessen macht. Zwei Nachrichten, die kaum unterschiedlicher ausfallen könnten.

Der operative Verlust des Elektrolyseur-Herstellers weitete sich im zweiten Quartal 2026 auf 205 Millionen norwegische Kronen aus. Der Nettoverlust stieg auf 189 Millionen Kronen, nach 131 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Hauptgrund ist ein Vergleich mit der Iwatani Corporation of America. Der japanische Industriegasekonzern hatte Nel wegen Vereinbarungen zu Wasserstoff-Tankausrüstung verklagt. Die Einigung kostete Nel allein 70 Millionen Kronen.

Auftragseingang schnellt nach oben

Während die Klage die Ergebniszeile belastet, liefert der Auftragseingang die eigentliche Überraschung des Quartals. Nel meldet neue Bestellungen im Wert von 230 Millionen Kronen. Das entspricht einem Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und 171 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die Sparte für PEM-Elektrolyseure trägt 96 Prozent dieser neuen Aufträge. Treiber sind vor allem Verkäufe kleiner Wasserstoff-Elektrolyseure. Der Auftragsbestand lag Ende Juni bei 1,213 Milliarden Kronen.

Beim Umsatz zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Gesamterlöse sanken auf 182 Millionen Kronen, nach 215 Millionen Kronen im Vorjahr. Der Umsatz aus Kundenverträgen fiel um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen.

Die PEM-Sparte verzeichnete einen Rückgang von 10 Prozent im Jahresvergleich. Im Quartalsvergleich stieg der Umsatz jedoch um 31 Prozent, der EBITDA-Verlust verringerte sich. Die Alkali-Elektrolyseur-Sparte musste dagegen ein Umsatzminus von 14 Prozent hinnehmen, das EBITDA blieb weitgehend stabil.

Neue Technologie soll Wende bringen

Im Mai brachte Nel sein neues Alkali-Elektrolyseur-System mit Druckverfahren auf den Markt. Über acht Jahre Entwicklungszeit und erfolgreiche Prototypentests am norwegischen Standort Herøya gingen dieser Markteinführung voraus. Die neue Plattform soll Wasserstoffprojekte einfacher, günstiger und besser skalierbar machen.

Finanziell bleibt Nel vorerst gut aufgestellt. Der Konzern verfügt über eine Kassenposition von 1,328 Milliarden Kronen. Das Management sieht sich mit dieser Liquidität, laufenden Kostensenkungen und angepasster Kapazitätsauslastung in der Lage, Betrieb und Technologieentwicklung weiter zu finanzieren.

An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit der letzten Monate deutlich wider. Die Aktie notiert bei 0,1982 Euro und liegt damit 45,77 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro vom 25. Mai. Der RSI von 35,8 signalisiert eine Aktie im überverkauften Bereich, was auf nachlassenden Verkaufsdruck hindeuten könnte.

Der Auftragsschub im PEM-Geschäft zeigt, dass die Nachfrage nach kleineren Elektrolyseur-Lösungen anzieht. Ob sich dieser Trend in den kommenden Quartalen in höheren Umsätzen niederschlägt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich der Auftragsbestand von 1,213 Milliarden Kronen in ausgelieferte Projekte verwandelt.

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