Nel ASA Aktie: 4-GW-Anlage in Michigan
US-Importabgaben treffen Nel ASA zum ungünstigen Zeitpunkt. Quartalszahlen zeigen Auftragsplus bei rückläufigen Umsätzen, während die CEO-Nachfolge offen ist.

- US-Zölle erschweren Nel-Markteintritt
- Auftragseingang steigt deutlich
- Umsatz und Erlöse sinken
- CEO-Wechsel ohne Nachfolger
Neue US-Importzölle treffen Nel ASA in einer Phase, in der der Wasserstoff-Konzern ohnehin an mehreren Fronten kämpft. Seit Freitag gelten für wichtige Handelspartner der USA, darunter die Europäische Union, Abgaben zwischen 10 und 12,5 Prozent. Für Nel ist das ein Problem mit direktem Bezug zum eigenen Wachstumsplan.
Das norwegische Unternehmen sieht Nordamerika als zentralen Baustein seiner Strategie. Genau dort baut Nel derzeit eine Fertigungsanlage in Michigan auf, mit einer geplanten Kapazität von 4 Gigawatt. Rund 125 Millionen Dollar an staatlicher und bundesstaatlicher Förderung hat sich das Unternehmen dafür bereits gesichert.
Das Timing der Zölle könnte kaum ungünstiger sein. Bis die Produktion in Michigan vollständig anläuft, muss Nel den US-Markt weiter mit Komponenten aus Europa beliefern. Genau diese Lieferungen verteuern sich durch die neuen Handelsbarrieren spürbar.
Auftragsplus, Umsatzminus
Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 zeigen ein zwiespältiges Bild. Der Auftragseingang stieg um 224 Prozent auf 230 Millionen Norwegische Kronen — ein kräftiges Signal für künftige Nachfrage. Der aktuelle Umsatz aus Kundenverträgen sank dagegen um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen.
Rechnet man sonstige Betriebserträge mit ein, fielen die Gesamterlöse sogar um 15,6 Prozent auf 182 Millionen Kronen. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 189 Millionen Kronen. Ein Teil davon geht auf eine Einmalbelastung von 70 Millionen Kronen zurück, die aus einem Rechtsvergleich mit der Iwatani Corporation of America stammt.
Immerhin: Die Kassenlage bleibt solide. Zum Quartalsende verfügte Nel über liquide Mittel von 1,328 Milliarden Kronen.
Führungswechsel ohne Nachfolger
Zur wirtschaftlichen Unsicherheit kommt eine offene Führungsfrage hinzu. CEO Håkon Volldal verlässt das Unternehmen und wechselt spätestens im Januar 2027 zum Verpackungskonzern Elopak. Volldal hatte die Abspaltung des Betankungsgeschäfts Cavendish Hydrogen begleitet und die neue Druck-Alkali-Plattform „PA-Series“ auf den Markt gebracht.
Der Aufsichtsrat sucht derzeit nach einem Nachfolger. Investoren beobachten die Situation genau — schließlich muss Nel die neue Technologieplattform gerade jetzt hochskalieren, während sich die internationalen Handelsbedingungen verschärfen.
Charttechnik unter Druck
Die Aktie notiert am Freitag bei 0,1968 Euro, nach einem Tagesverlust von 2,09 Prozent. Damit liegt der Kurs 46 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro aus dem Mai. Der RSI von 36,5 nähert sich der überverkauften Zone, ohne sie bereits erreicht zu haben.
Mehrere große Institutionen halten aktuell an „Verkaufen“- oder „Neutral“-Einstufungen fest. Sie warten auf Klarheit zur neuen CEO-Besetzung und zu den Auswirkungen der US-Handelspolitik auf die Geschäftsjahre 2026 und 2027. Bis der Aufsichtsrat einen Nachfolger benennt und sich die Zoll-Situation klärt, dürfte diese abwartende Haltung bestehen bleiben.
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