Nel ASA Aktie: 47,41 Prozent unter Hoch
Nel-Aktie fällt weiter, da Anleger Zweifel an der Profitabilitätsschwelle und dem Geschäftsmodell haben.

- RSI nahe 30 signalisiert überverkauft
- Umsatzrückgang und wachsender Verlust
- Neue Alkali-Plattform als Hoffnungsträger
- Auftragseingang steigt, Kasse gut gefüllt
Ein RSI von 30 signalisiert überverkauft. Trotzdem kauft bei Nel ASA kaum jemand. Das sagt mehr über die Zweifel am Geschäftsmodell aus als jede Chartlinie.
Die Aktie des norwegischen Wasserstoff-Herstellers schloss am Freitag bei 0,1922 Euro, ein Minus von 1,94 Prozent an einem einzigen Tag. Über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 15,33 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch aus Ende Mai trennen die Aktie mittlerweile 47,41 Prozent – fast eine Halbierung in weniger als zwei Monaten.
Eine Zahl erklärt den ganzen Kurssturz
Was den aktuellen Fall von Nel interessanter macht als einen gewöhnlichen Ausverkauf, steckt in einem Nebensatz aus dem eigenen Zahlenwerk. Zum zweiten Quartal 2026, veröffentlicht am 15. Juli, machte das Management eine konkrete Ansage: Profitabel wird Nel erst bei alkalischen Volumina von mehreren Hundert Megawatt pro Jahr. Zusätzlich muss die PEM-Sparte eine Kapazitätsauslastung von 20 bis 24 Prozent erreichen.
Das ist keine vage Zukunftsvision. Es ist eine harte Schwelle – und sie zeigt exakt, wie groß die Lücke zwischen heutigem Geschäft und Wirtschaftlichkeit tatsächlich ist.
Nel versucht, diese Lücke mit neuer Technik zu schließen. Die neue druckbeaufschlagte Alkali-Plattform verkleinert den Flächenbedarf um 80 Prozent und senkt die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent. Erste Bestellungen erwartet das Management in den kommenden Monaten, nach dem Marktstart im Mai. Parallel baut Nel Kapazität auf: 500 Megawatt bis Ende 2026, ein Gigawatt im Jahr darauf. Die EU fördert die neue PA-Series-Linie mit 135 Millionen Euro.
Genau das ist der Kern der Nel-Geschichte gerade jetzt: eine Technologiewette, die die Unit Economics retten soll, auf einem Zeitplan, dem der Markt sichtlich nicht mehr blind vertraut. Dass die Aktie 24,54 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt notiert, deutet darauf hin, dass Anleger eher Ausführungsrisiko einpreisen als die EU-geförderte Kapazitätsausweitung.
Umsatz schrumpft, Verlust wächst
Das Quartal selbst gab dem Markt wenig Anlass, über die Technologie-Roadmap hinwegzusehen. Nel meldete einen Umsatz von 182 Millionen norwegischen Kronen – ein deutlicher Rückgang gegenüber 215 Millionen im Vorjahresquartal. Das EBITDA fiel negativ auf minus 155 Millionen Kronen, darin enthalten eine Iwatani-Vergleichszahlung über 70 Millionen Kronen.
Immerhin: Der Auftragseingang stieg auf 230 Millionen Kronen, nach schwachen Vorquartalen. Der Auftragsbestand liegt bei 1,2 Milliarden Kronen, die Kasse bei 1,3 Milliarden Kronen. Das nimmt zumindest kurzfristig Druck von der Finanzierung.
Aber schrumpfender Umsatz bei gleichzeitig wachsendem Verlust ist genau die Kombination, die eine Aktie unter sämtlichen gleitenden Durchschnitten hält. Nel notiert derzeit 10,73 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,2153 Euro – eine Marke, die seit dem Bruch nach unten Anfang des Jahres von Unterstützung zu Widerstand mutiert ist.
Was die nächsten Wochen zeigen müssen
Seit Jahresbeginn steht Nel noch mit 1,80 Prozent im Plus. Das relativiert den Absturz der vergangenen Monate: Er hat vor allem Gewinne aus dem frühen Jahr wieder aufgezehrt, keine neuen Tiefs relativ zum Jahresstart geschaffen. Der Blick über zwölf Monate erzählt die nüchternere Geschichte – ein Minus von 13,97 Prozent, das Ergebnis eines Jahres, in dem sich Finanzierungs- und Nachfrageannahmen der gesamten Wasserstoffbranche wiederholt nach unten korrigiert haben.
Bei einer Marktkapitalisierung von aktuell rund 362 Millionen Euro ist die Bewertung so weit zusammengeschrumpft, dass die druckbeaufschlagte Alkali-Plattform samt EU-Förderung den klarsten kurzfristigen Hoffnungsschimmer darstellt, der noch auf dem Tisch liegt. Ein RSI nahe 30 markiert technisch überverkauftes Terrain – eine Zone, die in früheren Zyklen gelegentlich kurzfristige Erholungen eingeleitet hat. Überverkauft repariert aber keine Gewinn- und Verlustrechnung.
Die eigentliche Bewährungsprobe für die Aktie ist keine einzelne Schlagzeile. Es geht darum, ob der Auftragsschwung der neuen Plattform sich in den Zahlen zeigt, bevor der laufende Abwärtstrend das 52-Wochen-Tief bei 0,1731 Euro erneut testet.
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