Nel ASA Aktie: 80 Prozent Plus seit Jahresbeginn
Nel-Aktie steigt 80 Prozent, während Auftragseingang einbricht. Analysten sehen Abwärtspotenzial und erwarten Halbjahreszahlen.

- Kursplus von 80 Prozent seit Jahresbeginn
- Auftragseingang bricht um 73 Prozent ein
- Neues Elektrolyseur-System vorgestellt
- Keine Analysten-Kaufempfehlung für Nel
Ein Kursanstieg von gut 80 Prozent seit Jahresbeginn — und null Kaufempfehlungen von Analysten. Bei Nel ASA klaffen Marktbewertung und operative Realität so weit auseinander wie selten. Der nächste Lackmustest ist bereits terminiert: Am 15. Juli legt das norwegische Wasserstoffunternehmen seinen Halbjahresbericht vor.
Sentiment treibt, Fundamentaldaten bremsen
Der jüngste Kursschub kam nicht aus dem Unternehmen selbst. Ein Kommentar von Sunfire-CEO Nils Aldag, der die deutsche Elektrolysekapazität innerhalb von fünf Jahren auf fünf Gigawatt wachsen sieht, reichte aus, um Nel-Aktien in einer einzigen Sitzung um fast 14 Prozent nach oben zu katapultieren. Die Aktie notiert aktuell bei 0,35 Euro — knapp zwei Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 25. Mai.
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Das operative Bild erzählt eine andere Geschichte. Im ersten Quartal 2026 brach der Auftragseingang um 73 Prozent ein, der Auftragsbestand schrumpfte um 24 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Norwegische Kronen. Der Umsatz fiel auf 152 Millionen Kronen, das EBITDA lag bei minus 100 Millionen Kronen. Nel verbrennt Geld — gestützt wird das Unternehmen derzeit vor allem durch eine Kassenreserve von 1,4 Milliarden Kronen.
Neue Plattform, noch keine Aufträge
Im Mai brachte Nel nach mehr als acht Jahren Entwicklung ein neues Druckalkalyse-Elektrolyseur-System auf den Markt. Die Plattform soll die Investitionskosten gegenüber bestehenden Lösungen um 40 bis 60 Prozent senken und Projektlaufzeiten verkürzen. Die Industrialisierung läuft am Standort Herøya in Norwegen, wo eine Produktionskapazität von zunächst einem Gigawatt pro Jahr aufgebaut wird — mit einem Fahrplan bis auf vier Gigawatt jährlich. Die EU steuert bis zu 135 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds bei, was bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten abdeckt.
Auf der PEM-Seite zeigt Nel immerhin Wiederholungskundschaft: Nel Hydrogen US erhielt einen Folgeauftrag von Mesure Process, einer Tochter von Synqo Energies, über rund sieben Millionen US-Dollar für containerisierte PEM-Elektrolyseure für ein europäisches Projekt. Die Einheiten sollen Wasserstofftankstellen und Industrieanwendungen versorgen, der Betrieb ist für 2027 geplant.
Analysten sehen deutlich nach unten
Von 13 Analysten, die Nel beobachten, empfehlen sieben den Verkauf der Aktie — die restlichen sechs raten zum Halten. Kaufempfehlungen: keine einzige. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2,12 Kronen, rund 45 Prozent unter dem aktuellen Niveau.
Das Spannungsfeld ist offensichtlich: Die Technologiestory hat sich verbessert, der Auftragsbestand jedoch nicht. CEO Håkon Volldal hat angekündigt, in fortgeschrittenen Gesprächen mit potenziellen Kunden für Projekte zwischen 50 und 150 Megawatt zu sein. Ein Vertragsabschluss in dieser Größenordnung würde das Bild schlagartig verändern.
Bis dahin gilt: Ab Anfang Juli tritt Nel in die Pflichtschweigephase vor dem Halbjahresbericht ein. Zwei Wochen ohne Investorenkommunikation — und dann am 15. Juli die Antwort auf die Frage, ob die neue Plattform bereits Spuren im Auftragseingang hinterlassen hat.
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