Nel ASA Aktie: Auftragseingang bricht um 73 Prozent ein

Nel ASA verzeichnet vor Q2-Bericht keine einzige Kaufempfehlung mehr. Analysten sehen Verkaufs- oder Halte-Signale bei der Wasserstoffaktie.

Die Kernpunkte:
  • Keine Kaufempfehlung unter 13 Analysten
  • Aktie fällt auf 0,20 Euro zurück
  • Thyssenkrupp Nucera wird neuer Rivale
  • Auftragseingang brach um 73 Prozent ein

Nel ASA steuert auf einen kritischen Termin zu. Der norwegische Hersteller von Wasserstoff-Technologie legt in Kürze seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Unter den 13 Analystenhäusern, die die Aktie beobachten, findet sich derzeit keine einzige Kaufempfehlung mehr.

Sieben Häuser raten zum Verkauf, sechs zu Halten. Das ist ein deutlicher Stimmungswechsel gegenüber dem Frühjahr, als sich die Aktie von ihrem Februar-Tief noch nahezu verdoppelt hatte. Einen Großteil dieses Gewinns hat Nel inzwischen wieder abgegeben.

Der Kurs spiegelt den Vertrauensverlust

Die Aktie schloss am Dienstag bei 0,20 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,37 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sind es 16,11 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 0,37 Euro Ende Mai trennen die Aktie mittlerweile 45,14 Prozent.

Zum 52-Wochen-Tief von 0,17 Euro aus dem Februar sind es dagegen nur noch 15,83 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt Nel damit zwar noch mit 4,59 Prozent im Plus. Auf Zwölfmonatssicht steht allerdings ein Minus von 12,83 Prozent.

Der 14-Tage-RSI liegt bei 33,4 und signalisiert überverkauftes Terrain. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei fast 63 Prozent — ein Wert, der die Nervosität rund um den Titel unterstreicht.

Ein neuer Rivale drängt in Nels Kernmarkt

Zur schwachen Kursentwicklung gesellt sich frischer Wettbewerbsdruck. Am 7. Juli besiegelte Thyssenkrupp Nucera eine Partnerschaft mit dem indischen Staatskonzern Bharat Heavy Electricals Limited (BHEL). Gemeinsam wollen beide Unternehmen alkalische Elektrolyseure auf dem Subkontinent fertigen.

Die Allianz verlagert die Modulproduktion nach Indien. Sie zielt dabei exakt auf jene Technologie, auf die auch Nel setzt. Das dürfte die Preismacht der Norweger in einem der am schnellsten wachsenden Wasserstoffmärkte der Welt spürbar einschränken.

Erschwerend kommt hinzu: Nel geht ohne festen Vorstandschef in die Berichtssaison. CEO Håkon Volldal kündigte Mitte Juni seinen Abschied an. Er bleibt zwar für eine Übergangsphase im Amt, doch die Nachfolgefrage bleibt ausgerechnet in diesem wichtigen Berichtsfenster ungeklärt.

Der Auftragseingang wird zum Prüfstein

Die Ausgangslage aus dem ersten Quartal war bereits ernüchternd. Der Auftragsbestand schrumpfte um 24 Prozent auf 1,113 Milliarden norwegische Kronen, der Umsatz fiel um knapp 5 Prozent auf 148,1 Millionen Kronen. Unterm Strich stand ein Verlust von 0,08 Kronen je Aktie.

Noch dramatischer brach der Auftragseingang ein: Er sackte im Jahresvergleich um 73 Prozent ab. Marktbeobachter sehen genau diese Kennzahl als wichtigsten Gradmesser für die kommenden Zahlen.

Nel setzt strategisch auf kleinere, schneller lieferbare Projekte. Containerisierte PEM-Einheiten, die sich in unter zwölf Monaten ausliefern lassen, sollen künftig das Wachstum tragen. Erste Erfolge gibt es bereits: Im April ging ein Wiederholungsauftrag über 7 Millionen Dollar ein, kurz darauf folgte ein Vertrag über rund 70 Millionen Kronen.

Auf der Kostenseite hat das Management bereits gehandelt. Der Personalbestand sank gegenüber dem Höchststand um 26 Prozent, was die Personalkosten spürbar senkt. Ob diese Disziplin zusammen mit ersten Anzeichen einer Auftragserholung reicht, um die durchweg negative Analystenstimmung zu drehen, dürfte sich erst mit den Zahlen und dem begleitenden Management-Kommentar zeigen.

Ausblick

Technische Unterstützung findet die Aktie nahe ihrem 200-Tage-Durchschnitt bei 0,22 Euro. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 0,26 Euro klafft dagegen eine Lücke von 22,56 Prozent. Der bevorstehende Bericht trägt damit überproportionales Gewicht für die kurzfristige Kursrichtung.

Bestätigt sich eine Stabilisierung beim Auftragseingang, könnte das der überverkauften Aktie Raum für eine technische Erholung geben — zusätzliche Klarheit bei der Nachfolgefrage würde diesen Effekt verstärken. Setzt sich der Auftragsschwund aus dem ersten Quartal dagegen fort, dürfte das den bearishen Analystenkonsens weiter festigen. Ein aggressiver werdender Rivale wie Thyssenkrupp Nucera würde die Aktie dann in der Nähe ihrer Jahrestiefs verankert halten.

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