Nel ASA Aktie: Auftragseingang springt 171 Prozent
Nel-Aktie kämpft mit Kurs nahe Jahrestief, während Auftragseingang deutlich steigt. CEO-Wechsel und Ausbaupläne prägen die aktuelle Lage.

- Kurs nahe 52-Wochen-Tief
- Auftragseingang steigt um 171 Prozent
- CEO-Wechsel zu Elopak angekündigt
- Kapazitätsausbau bis 2027 geplant
Nel ASA steckt in einer technischen Zwickmühle. Der Wasserstoff-Spezialist aus Norwegen kämpft an zwei Fronten gleichzeitig: gegen fallende Kurse und gegen Zweifel am eigenen Geschäftsmodell. Ein neues Auftragsplus zeigt aber, dass operativ nicht alles schlecht läuft.
Charttechnik nahe am Jahrestief
Die Nel-Aktie schloss am Mittwoch bei 0,1926 Euro. Das liegt nur 11,27 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 0,1731 Euro, erreicht Ende Februar. Der Relative-Stärke-Index steht bei 35 und nähert sich damit der überverkauften Zone.
Zum 50-Tage-Durchschnitt von 0,2404 Euro fehlen fast 20 Prozent. Chartanalysten sehen die Marke von 0,19 Euro als entscheidend an. Rutscht der Kurs darunter, droht ein erneuter Test der Februar-Tiefs.
Überlebenskampf trifft auf Auftragsplus
Die Stimmung am Markt ist gespalten. Schlagzeilen sprechen von einem „Überlebenskampf“ reiner Wasserstoffunternehmen. Spannungen im Nahen Osten und anhaltend hohe Produktionskosten nähren diese Sorge.
Die Zahlen zum zweiten Quartal zeichnen ein gemischteres Bild. Der Umsatz aus Kundenverträgen fiel auf 153,41 Millionen norwegische Kronen, nach 173,92 Millionen im Vorjahr. Der Auftragseingang aber sprang auf 230 Millionen Kronen – ein Plus von 171 Prozent gegenüber den schwachen Vorquartalen.
Der gesamte Auftragsbestand lag Ende Juni bei rund 1,2 Milliarden Kronen. Dazu kommt eine Kassenposition von 1,3 Milliarden Kronen. Das nimmt zumindest kurzfristig etwas Druck von der Finanzierungsfrage.
Der CEO geht zu Elopak
Zur Unsicherheit trägt auch ein Wechsel an der Spitze bei. CEO Håkon Volldal hatte seinen Rücktritt bereits Mitte Juni angekündigt. Inzwischen ist klar, wohin er wechselt: an die Spitze von Elopak, dem Osloer Verpackungskonzern für Flüssigkartons.
Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Der Aufsichtsrat betont aber, die strategische Ausrichtung bleibe unverändert. Im Zentrum steht die neue druckalkalische Elektrolyseur-Plattform, die im Mai an den Start ging. Sie soll die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent senken – ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Profitabilität.
Kapazitätsausbau als nächste Bewährungsprobe
Die eigentliche Herausforderung bleibt: Nel muss den wachsenden Auftragsbestand in echte Margen verwandeln. Steigende Produktionskosten und hohe Investitionsanforderungen für den Ausbau der Fertigung bremsen diesen Weg weiterhin.
Bis Ende 2026 will das Unternehmen eine Fertigungskapazität von 500 Megawatt erreichen, 2027 soll die Kapazität auf 1 Gigawatt steigen. EU-Fördermittel in Höhe von 135 Millionen Euro unterstützen diesen Ausbau teilweise.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Bericht zum dritten Quartal, angesetzt für den 21. Oktober 2026. Bis dahin dürfte der Kurs vor allem von der technischen Marke bei 0,19 Euro und der allgemeinen Stimmung im Sektor für erneuerbare Energien abhängen.
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