Nel ASA Aktie: Auftragseingang springt um 224 Prozent
Nel verzeichnet starken Auftragseingang, aber sinkende Erlöse. Der CEO-Abgang und ein Rechtsvergleich belasten zusätzlich die Aktie des Wasserstoffkonzerns.

- Auftragseingang steigt um 224 Prozent
- Umsatz sinkt um zwölf Prozent
- CEO Håkon Volldal kündigt Abgang an
- JPMorgan senkt Kursziel deutlich
Nel ASA steckt in einer Phase widersprüchlicher Signale. Während der Auftragseingang im zweiten Quartal 2026 kräftig zulegte, schrumpfte der Umsatz gleichzeitig deutlich – ein Spannungsfeld, das die Aktie des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten seit Wochen belastet.
Die Zahlen aus dem Quartalsbericht, den Nel vor über einem Monat vorlegte, zeigen das Dilemma deutlich: Der Umsatz aus Kundenverträgen fiel im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen, das EBITDA lag bei minus 155 Millionen Kronen.
Belastet wurde das Ergebnis zusätzlich durch einen Vergleich im Rechtsstreit mit dem japanischen Partner Iwatani, der die Bilanz mit 70 Millionen Kronen drückte – eine Einigung, die bereits vor rund elf Wochen verkündet wurde und die Aktie seither um 0,9 Prozent nach unten gezogen hat.
Auftragsbestand wächst, Kasse bleibt gefüllt
Auf der anderen Seite steht ein Auftragseingang, der im zweiten Quartal um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen sprang. Der Auftragsbestand summierte sich damit auf rund 1,2 Milliarden Kronen. Für ein Unternehmen, das seit Jahren mit der Kommerzialisierung von Elektrolyseur-Technologie kämpft, ist das ein Hoffnungszeichen – auch wenn der Weg von Bestellungen zu profitablem Umsatz erfahrungsgemäß lang ist.
Finanziell verfügt Nel über eine gewisse Reserve: Zum Berichtszeitpunkt lagen die liquiden Mittel bei knapp 1,3 Milliarden Kronen. Das verschafft dem Management Zeit, ohne unmittelbaren Kapitalbedarf am Markt auftreten zu müssen – ein Punkt, der angesichts der volatilen Wasserstoffbranche nicht zu unterschätzen ist.
Führungswechsel und gedämpfte Analystenmeinung
Zur operativen Unsicherheit kommt ein personeller Umbruch: Vorstandschef Håkon Volldal verlässt Nel nach vier Jahren an der Spitze und bleibt bis zum Jahresende im Amt. Die Nachfolgefrage bleibt damit vorerst offen, was Anlegern zusätzlich Zurückhaltung nahelegt, solange keine Klarheit über die künftige strategische Ausrichtung besteht.
Vor gut zwei Wochen hatte zudem JPMorgan sein Kursziel für Nel von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen gesenkt und die Einstufung Neutral beibehalten – eine Reaktion auf die schwachen Umsatzzahlen und die Ergebnisbelastung durch den Iwatani-Vergleich.
Diese Einschätzung liegt inzwischen mehrere Wochen zurück und lässt sich nicht als aktuelle Stimmungslage der Analysten werten, zeigt aber, wie die Marktteilnehmer die Gemengelage aus schwachem Umsatz und starkem Auftragseingang zum Zeitpunkt der Quartalszahlen gewichteten.
Kursbild spiegelt die Unsicherheit
Der Aktienkurs bewegt sich entsprechend seitwärts bis leicht abwärts. Am Freitag schloss das Papier bei 0,1960 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von 3,5 Prozent zu Buche, und der Kurs notiert damit unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2049 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, erreicht im Mai, klafft weiterhin eine erhebliche Lücke.
Für Anleger bleibt die Gemengelage schwer aufzulösen: Der wachsende Auftragsbestand belegt, dass Nachfrage nach Nels Technologie besteht. Solange sich das aber nicht in steigenden Umsätzen und einer Verbesserung der Profitabilität niederschlägt, dürfte die Aktie unter dem Eindruck der Führungsunsicherheit und der jüngsten Ergebnisbelastungen volatil bleiben.
Die kommenden Quartalsberichte werden zeigen müssen, ob der Auftragsschub tatsächlich in Umsatz übersetzt werden kann – und wer das Unternehmen nach Volldals Abgang künftig führt.
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