Nel ASA Aktie: Auslastung entscheidet über Trendwende

Nel ASA steht vor entscheidenden Quartalen: Die Auslastung neuer Fabriken entscheidet über die Trendwende. Der Auftragseingang steigt, doch die Verluste bleiben hoch.

Die Kernpunkte:
  • Neue PA-Series-Plattform offiziell gestartet
  • Auftragseingang steigt um 171 Prozent
  • Operativer Verlust bleibt trotz Einmaleffekt hoch
  • Kapitalreserve von 1,3 Mrd. Kronen vorhanden

Nel ASA testet gerade, ob eine neue Elektrolyseur-Generation eine chronisch verlustreiche Wasserstoffsparte in profitables Fahrwasser bringen kann. Die Aktie notiert bei 0,1988 Euro, fast 46 Prozent unter dem Jahreshoch von 0,3655 Euro aus dem Mai. Die entscheidende Frage für die kommenden Quartale: Reichen die Auftragseingänge aus, um die neuen Fabrikkapazitäten auszulasten?

Vom Prototyp zur Serienfertigung

Am 6. Mai brachte Nel seine neue druckbeaufschlagte alkalische Elektrolyseur-Plattform, die PA-Series, offiziell auf den Markt. Erste Tests mit Partnern und Kunden verliefen vielversprechend. Das Management hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: 500 Megawatt Fertigungskapazität bis Ende 2026, ein Gigawatt bis 2027.

Die EU unterstützt den Ausbau der PA-Series-Linie mit 135 Millionen Euro. Das Management ist dabei, den Marktstart in eine tatsächliche Fabrikkapazität umzumünzen. Bislang bleibt das ein laufender Prozess, kein abgeschlossenes Projekt.

Die Schlüsselgröße heißt Auslastung

Nel braucht nach eigenen Angaben alkalische Volumina von mehreren hundert Megawatt pro Jahr, dazu eine PEM-Auslastung von 20 bis 24 Prozent, um profitabel zu werden. Der Auftragsbestand lag Ende des zweiten Quartals bei rund 1,2 Milliarden norwegischen Kronen. Das sind neun Prozent mehr als im Vorquartal, aber drei Prozent weniger als vor einem Jahr.

Zwischen diesem Bestand und den Volumina, die für eine wirtschaftliche Auslastung nötig wären, klafft weiterhin eine Lücke. Ob neue Bestellungen für die PA-Series und containerisierte PEM-Einheiten diese Lücke in den kommenden Quartalen schließen, dürfte darüber entscheiden, ob sich der aktuelle Kurs stabilisiert oder weiter absackt.

Bullen-Szenario: Momentum und Kapitalpolster

Für Optimisten spricht die Dynamik im zweiten Quartal. Der gesamte Auftragseingang stieg auf 230 Millionen norwegische Kronen — ein Plus von 171 Prozent zum Vorquartal und 224 Prozent zum Vorjahresquartal. PEM-Produkte machten davon 96 Prozent aus.

Das Management sprach von „ermutigender kommerzieller Dynamik“, verwies dabei auf zwei bedeutende Kaufaufträge und den erfolgreichen PA-Series-Launch. Nel verfügt zudem über eine komfortable Liquiditätsreserve: Die Kasse wies zum Quartalsende 1.328 Millionen norwegische Kronen aus. Das verschafft dem Unternehmen Zeit, den Kapazitätsaufbau ohne frisches Eigenkapital zu finanzieren.

Setzt sich der Auftragstrend fort und landet die PA-Series erste Großaufträge, würde sich das bullische Szenario deutlich verstärken. Der Kurs liegt derzeit fast 16 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt — ein Abstand, der sich bei anhaltendem Momentum verringern könnte.

Bären-Szenario: Schrumpfender Umsatz, strukturelle Verluste

Die Gegenseite der Medaille: Der Umsatz aus Kundenverträgen sank im zweiten Quartal auf 153 Millionen norwegische Kronen, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der operative Verlust belief sich auf 205 Millionen Kronen, unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von 189 Millionen Kronen.

Ein Teil der EBITDA-Belastung war ein Einmaleffekt: 70 Millionen Kronen entfielen auf die Beilegung des Iwatani-Rechtsstreits. Rechnet man diesen Effekt heraus, bleibt das Kerngeschäft trotzdem weit von der Gewinnschwelle entfernt.

Wie schnell sich die Lage drehen kann, zeigte bereits das erste Quartal 2026. Damals brach der Auftragseingang ein, der Bestand schrumpfte deutlich. Bleiben neue Bestellungen für die PA-Series hinter dem Tempo zurück, das für die geplanten 500 Megawatt und später ein Gigawatt nötig wäre, drückt die Fixkostenlast aus dem Kapazitätsaufbau zusätzlich auf die Margen. Der Kurs liegt bereits gut sieben Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt — von dort aus wäre der Weg zum Jahrestief bei 0,1731 Euro nicht mehr weit.

Ausblick: Der nächste Test kommt im vierten Quartal

Solange der Auftragseingang von seinem jüngsten Tiefpunkt aus weiter anzieht und die Kassenlage stabil bleibt, spricht einiges für eine Bodenbildung oberhalb des Jahrestiefs. Stockt das Bestandswachstum dagegen, während der Kapazitätsaufbau der PA-Series unbeirrt weiterläuft, wächst das Missverhältnis zwischen installierter Kapazität und tatsächlich gebuchtem Volumen — und damit der Druck auf die Aktie.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 30 Prozent deutet darauf hin, dass der Markt genau dieses Risiko bereits einpreist. Der nächste konkrete Prüfstein ist der Bericht zum dritten Quartal, der für das vierte Quartal 2026 erwartet wird. Dann zeigt sich, ob die PA-Series-Aufträge tatsächlich in einen Auftragsbestand münden, der groß genug ist, um die vom Management genannten Auslastungsschwellen zu erreichen.

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