Nel ASA Aktie: CEO Volldal tritt zurück

JPMorgan reduziert das Kursziel für Nel ASA deutlich und verweist auf schwache Finanzkennzahlen trotz starkem Auftragswachstum. Die Aktie notiert nahe ihrem Jahrestief.

Die Kernpunkte:
  • Kursziel von JPMorgan gesenkt
  • Auftragseingang steigt um 224 Prozent
  • CEO-Rücktritt sorgt für Unsicherheit
  • Neue Aufträge und Produktplattform vorgestellt

Der norwegische Wasserstoff-Spezialist Nel ASA gerät bei den Analysten weiter unter Druck. JPMorgan senkte gestern das Kursziel für die Aktie von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen und beließ die Einstufung bei „Hold“. Als Begründung nannte das Analystenhaus anhaltenden Druck auf die kurzfristigen Finanzkennzahlen – trotz einer sich verbessernden Auftragsdynamik. Die Aktie notiert aktuell bei 0,1966 Euro und gab am heutigen Donnerstag um 0,61 Prozent nach. Vom 52-Wochen-Hoch trennen das Papier mittlerweile 46,21 Prozent, ein deutliches Zeichen dafür, wie skeptisch der Markt die Wachstumsstory derzeit bewertet.

Auftragsplus trifft auf schwache Bilanz

Der Widerspruch, den JPMorgan adressiert, zeigte sich bereits in den Quartalszahlen, die Nel Mitte Juli vorgelegt hatte. Der Umsatz aus Kundenverträgen sank im zweiten Quartal 2026 um 12 Prozent auf 153 Millionen norwegische Kronen, das EBITDA fiel mit minus 155 Millionen Kronen deutlich negativ aus – belastet auch durch eine Einmalbelastung von 70 Millionen Kronen aus einem Rechtsstreit. Gleichzeitig kletterte der Auftragseingang im Jahresvergleich um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen. PEM-Elektrolyseure machten dabei 96 Prozent der neuen Bestellungen aus und trieben den PEM-spezifischen Auftragsbestand auf 990 Millionen Kronen, bei einem Gesamtbacklog von 1,213 Milliarden Kronen. Die Kassenposition lag zum 30. Juni bei 1,328 Milliarden Kronen. Genau diese Kluft zwischen operativer Schwäche und wachsendem Orderbuch treibt offenbar auch die vorsichtige Haltung der Analysten.

Führungswechsel an der Spitze

Zur finanziellen Unsicherheit kommt personelle Bewegung: Håkon Volldal kündigte im Juni seinen Rücktritt als President & CEO an, um sich einer anderen Aufgabe zu widmen. Er bleibt während einer sechsmonatigen Kündigungsfrist im Amt, während der Verwaltungsrat einen Nachfolger sucht. Ein neuer CEO würde damit in eine Phase eintreten, in der Nel zwar operativ wächst, aber noch keinen klaren Weg zur Profitabilität aufgezeigt hat. Verwaltungsratsvorsitzender Arvid Moss zeigte im April immerhin Vertrauen in die eigene Aktie und kaufte 100.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 2,2547 Kronen.

Neue Aufträge stützen das Backlog

Auf der Auftragsseite kann Nel weiterhin Fortschritte vorweisen. Die US-Tochter Nel Hydrogen US hatte bereits im Oktober 2025 eine Festbestellung von H2 Energy für ein containerisiertes 2,5-Megawatt-PEM-Elektrolyseursystem des Typs MC500 erhalten, das in einer schlüsselfertigen Wasserstoffproduktions- und Tankanlage im schweizerischen Buchs zum Einsatz kommen soll. Im April kam ein Auftrag der Douglas County Public Utility District in Washington im Wert von rund 7 Millionen US-Dollar für PEM-Elektrolyseurausrüstung hinzu. Ergänzt wird das Portfolio durch die im Mai vorgestellte „PA-Series“, eine neue druckalkalische Elektrolyseur-Plattform, mit der Nel für eine 25-Megawatt-Anlage einen schlüsselfertigen Gesamtkostenpunkt von unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt anstrebt.

Ausblick

Der nächste konkrete Prüfstein für die Aktie folgt am 21. Oktober, wenn Nel seinen Zwischenbericht für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht. Bis dahin dürfte der Markt genau beobachten, ob sich das starke Auftragswachstum aus dem zweiten Quartal fortsetzt – und ob es der Gesellschaft gelingt, die operative Ertragslage zu stabilisieren, bevor ein neuer CEO das Ruder übernimmt.

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