Nel ASA Aktie: Kostendurchbruch ohne Aufträge

Nel ASA präsentiert günstigere Elektrolyseure, leidet jedoch unter massivem Auftragsrückgang und Chefwechsel. Die Aktie bleibt volatil.

Die Kernpunkte:
  • Neues System senkt Produktionskosten drastisch
  • Auftragseingang bricht um 73 Prozent ein
  • CEO-Rückzug sorgt für Führungsvakuum
  • Aktienkurs nahe des 200-Tage-Durchschnitts

Ein neues Elektrolyseur-System soll grünen Wasserstoff drastisch günstiger machen. Gleichzeitig brechen die Neuaufträge bei Nel ASA um mehr als zwei Drittel ein. Diese Diskrepanz zwischen technologischem Fortschritt und operativer Realität prägt die Aktie gerade.

Ausgangslage: Neue Technik, neuer Chef gesucht

Nel ASA hat im Mai 2026 sein neues Druckalkali-Elektrolyseur-System kommerziell eingeführt. Die Zielmarke: Vollkosten unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt für eine 25-Megawatt-Anlage. Zum Vergleich: Vergleichbare Projekte kosten in der Branche häufig mehr als 3.000 US-Dollar pro Kilowatt.

Im Dezember 2025 hatte der Vorstand die endgültige Investitionsentscheidung für die Industrialisierung am Standort Herøya in Norwegen getroffen. Dort soll eine Jahreskapazität von bis zu einem Gigawatt entstehen, mit Ausbaupotenzial auf vier Gigawatt. Der EU-Innovationsfonds unterstützt das Vorhaben mit bis zu 135 Millionen Euro und deckt damit bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten.

Mitten in diese Wachstumsphase platzte im Juni 2026 eine Personalie: CEO Håkon Volldal kündigte seinen Rückzug an. Er bleibt noch sechs Monate im Amt, während die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Der Aktienkurs spiegelt die Unsicherheit wider. Am Montag schloss das Papier bei 0,21 Euro, rund 42 Prozent unter dem Jahreshoch von 0,37 Euro aus dem Mai. Auf Monatssicht verlor die Aktie fast ein Viertel an Wert, die annualisierte Volatilität liegt bei über 66 Prozent.

Die entscheidende Frage: Bestellungen statt Ankündigungen

Für den kurzfristigen Kursverlauf zählt vor allem eines: Nimmt der Markt das neue Elektrolyseur-System tatsächlich an? Nel muss die versprochenen Kostenvorteile in konkrete Großaufträge verwandeln. Genau daran hapert es bislang, denn der jüngste Auftragseingang war auffällig schwach.

Bull-Szenario: Der Kostenvorteil als Türöffner

Das neue System adressiert das zentrale Problem der Branche: hohe Produktionskosten. Die angepeilten Kosten von unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt liegen deutlich unter dem Branchendurchschnitt. Das modulare, auf Skid-Bauweise basierende Design könnte Projekte schneller und einfacher umsetzbar machen.

Der Betrieb bei 15 bar Druck reduziert zudem den Bedarf an nachgelagerter Kompression. Das steigert die Gesamteffizienz der Anlagen. Die Industrialisierung in Herøya, gestützt durch die EU-Förderung, unterstreicht den strategischen Anspruch, im wachsenden globalen Wasserstoffmarkt eine größere Rolle zu spielen. Dieser Markt soll 2026 ein Volumen von 226,1 Milliarden US-Dollar erreichen.

Erste Signale gibt es bereits: Nel sicherte sich einen Auftrag über 7 Millionen US-Dollar für PEM-Elektrolyseur-Ausrüstung eines US-Versorgers. Im April 2026 kam ein weiterer Auftrag über 7 Millionen US-Dollar für ein europäisches Projekt hinzu. Das Management rechnet für 2026 mit mehr finalen Investitionsentscheidungen als im Vorjahr und erwartet, dass sich der Schwung bis 2027 und 2028 aufbaut.

Bär-Szenario: Schwache Bücher, unklare Führung

Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 zeigen ein anderes Bild. Der Auftragseingang brach im Jahresvergleich um 73 Prozent auf 85 Millionen norwegische Kronen ein. Der Auftragsbestand sank um 24 Prozent auf 1.113 Millionen norwegische Kronen.

Das EBITDA lag bei minus 100 Millionen norwegische Kronen. Hinzu kommt der Abgang von CEO Volldal, der ausgerechnet in der kritischen Phase der Skalierung für Führungsunsicherheit sorgt. Der Wasserstoffmarkt wächst zwar, kämpft aber weiterhin mit hohen Produktionskosten und einem langsameren Infrastrukturausbau als geplant.

Bemerkenswert: Nel hat die formale Analystenkonsens-Schätzung eingestellt, weil die Beteiligung der Analysten zurückging. Das könnte auf eine schwindende Sichtbarkeit für den Markt hindeuten und Investoren fehlen dadurch externe Vergleichswerte. Auch die Skalierung in Herøya auf eine Gigawatt-Kapazität bleibt ein Risiko — sowohl bei der Fertigung als auch bei der Nachfrage.

Der Kursverlauf bestätigt die Nervosität. Der RSI von 38 signalisiert eine eher überverkaufte Situation, während der Kurs rund 20 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,27 Euro notiert. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 0,21 Euro besteht dagegen kaum Abstand — ein Hinweis darauf, dass sich der Kurs nach dem Ausverkauf der vergangenen Wochen in der Nähe seines längerfristigen Mittelwerts eingependelt hat.

Ausblick: Q2-Zahlen als nächster Prüfstein

Der Kurs schwankt seit Jahresbeginn stark, liegt aber mit einem Plus von 10,59 Prozent noch im positiven Bereich. Das zeigt: Die Story ist nicht entschieden, sie ist offen.

Sollte Nel in den kommenden Monaten belastbare Aufträge für die neue Technologie vorweisen, könnte sich das Vertrauen der Anleger stabilisieren. Bleibt der Auftragseingang dagegen schwach, dürfte der Kurs unter Druck bleiben — zumal die Suche nach einem neuen CEO parallel läuft. Der Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026, angekündigt für den Zeitraum vom 15. bis 20. Juli, wird zeigen, ob sich der Auftragstrend gedreht hat oder die Schwäche aus dem ersten Quartal anhält.

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