Nel ASA Aktie: US-Zölle von 10 bis 12,5 Prozent
Nel kämpft mit neuen US-Importzöllen auf Elektrolyseure und der Suche nach einem neuen CEO. Die Aktie notiert deutlich unter ihren Durchschnittswerten.

- Neue US-Zölle auf Elektrolyseure
- CEO Håkon Volldal kündigt Rücktritt an
- Auftragsboom im PEM-Segment
- Neue Alkaline-Plattform vorgestellt
Nel ASA kämpft an zwei Fronten. Neue US-Zölle auf Elektrolyseure treffen den norwegischen Wasserstoff-Spezialisten in seinem wichtigsten Wachstumsmarkt. Parallel sucht der Konzern einen neuen Chef, nachdem CEO Håkon Volldal seinen Wechsel zum Verpackungshersteller Elopak bekanntgegeben hat.
Die Aktie schloss am Montag bei 0,1990 Euro, ein Plus von 1,12 Prozent. Die kurze Erholung ändert wenig am großen Bild: Der Kurs liegt 18,48 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2441 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, erreicht am 25. Mai 2026, fehlen 45,55 Prozent.
Neue US-Zölle treffen Kerngeschäft
Die USA haben Importzölle zwischen 10 und 12,5 Prozent auf Elektrolyseure eingeführt. Für Nel ist das ein Problem. Der Konzern setzt stark auf den nordamerikanischen Markt und konkurriert dort mit heimischen Herstellern.
Die neuen Zölle treffen einen Bereich, der zuletzt eigentlich stark performte. Im zweiten Quartal 2026 meldete Nel einen Auftragseingang-Sprung von 224 Prozent, getrieben vor allem vom PEM-Segment (Proton Exchange Membrane). Die Zölle drohen nun genau die Margen zu drücken, die dieses Wachstum eigentlich absichern sollten.
Chefwechsel mitten im Umbruch
Håkon Volldal kündigte seinen Rücktritt am 15. Juni 2026 an. Er wechselt als neuer Firmenchef zum Karton-Verpackungskonzern Elopak. Noch führt er Nel durch eine sechsmonatige Übergangsfrist, während der Aufsichtsrat einen Nachfolger sucht.
Der Zeitpunkt ist heikel. Nel steht gerade am Übergang von der Entwicklungsphase seiner nächsten Technologie-Generation zur industriellen Großserie. Ein Führungswechsel in dieser Phase bringt zusätzliche Unsicherheit.
Neue Elektrolyse-Plattform als Gegengewicht
Immerhin gibt es einen Lichtblick. Am 6. Mai 2026 brachte Nel eine neue druckbeaufschlagte Alkaline-Plattform auf den Markt. Sie soll die Kosten für grünen Wasserstoff senken, indem sie das Projektengineering vereinfacht und die nötigen Anfangsinvestitionen reduziert.
Der Konzern hat bereits eine finale Investitionsentscheidung getroffen: Am Standort Herøya in Norwegen soll eine Produktionskapazität von bis zu 1 Gigawatt entstehen. Der EU-Innovationsfonds unterstützt das Projekt. Die Idee dahinter: Die Effizienz der Alkaline-Technologie im Industriemaßstab soll den Preisdruck in anderen Geschäftsbereichen abfedern.
Charttechnik zeigt Unsicherheit
Der 14-Tage-RSI liegt bei 38,7 – eine neutrale bis schwache Zone, die sich der überverkauften Marke nähert. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 32,43 Prozent bleibt der Handel mit der Aktie riskant.
Die Gemengelage bleibt widersprüchlich: Ein Auftragsboom im PEM-Segment steht neuen Handelsbarrieren in den USA gegenüber, während der Konzern zugleich ohne feste Führung durch die Industrialisierungsphase seiner neuen Alkaline-Technologie navigiert. Wie schnell der Aufsichtsrat einen Nachfolger für Volldal präsentiert, dürfte mitentscheiden, wie der Markt die kommenden Monate bewertet.
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