Nel ASA Aktie: Warten auf den operativen Wendepunkt

Nel ASA verbrauchte im zweiten Quartal mehr Mittel und weitete den Verlust aus, während PEM-Aufträge und neue Elektrolyseure Chancen eröffnen.

Die Kernpunkte:
  • CEO Volldal führt Übergang weiter
  • Kassenbestand binnen Jahresfrist gesunken
  • PEM-Sparte treibt Auftragseingang
  • Iwatani-Einigung belastet Quartalsergebnis

Eine Phase des strategischen Übergangs

Die Aktie von Nel ASA notiert an den Börsen bei 0,1922 Euro und spiegelt die anhaltende Zurückhaltung der Investoren wider. Vor über einem Monat gab CEO Håkon Volldal seine Entscheidung bekannt, das Unternehmen zu verlassen. Er strebt eine andere berufliche Aufgabe an, verfügt über eine sechsmonatige Kündigungsfrist und führt die Geschäfte weiter, während die Suche nach einer Nachfolge läuft.

Dieser personelle Übergang trifft das norwegische Wasserstoffunternehmen in einer anspruchsvollen Phase. Neben der Neubesetzung der Konzernspitze verlangt der Kapitalmarkt nach Fortschritten bei der operativen Sanierung. Da die jüngsten Quartalszahlen vor rund einem Monat vorgelegt wurden, richten sich die Blicke auf die kommenden Meilensteine. Anleger stehen vor der Frage, ob Nel die Brücke zu einer nachhaltigen Erholung schlagen kann.

Barmittelbestand und Auftragslage als Kernmetriken

Die entscheidende Frage für die künftige Entwicklung betrifft das Tempo des Liquiditätsverbrauchs im Verhältnis zum Auftragseingang. Nel wies zum Ende des zweiten Quartals einen Kassenbestand von 1.328 Millionen NOK aus. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte dieser Wert noch bei 1.928 Millionen NOK gelegen.

Dieser Mittelabfluss erhöht den Handlungsdruck auf das Management spürbar. Entscheidend für eine Wende ist, wie effizient das Unternehmen den Auftragsbestand monetarisieren kann. Zum Ende des zweiten Quartals lag das Orderbuch bei 1.213 Millionen NOK. Der Auftragseingang belief sich im selben Vierteljahr auf 230 Millionen NOK, was einem Zuwachs von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprach.

Der Gesamtumsatz einschließlich sonstiger Erträge sank im zweiten Quartal auf 182 Millionen NOK, nach 215 Millionen NOK im Vorjahr. Anleger beobachten deshalb genau, ob das Unternehmen in der Lage ist, den Barmittelverbrauch ohne zusätzliche Kapitalmaßnahmen zu stabilisieren.

Chancen durch PEM-Wachstum und neue Technologie

Im optimistischen Szenario gelingt es dem Konzern, die positive Entwicklung in der PEM-Sparte zu verstetigen. Dieses Segment erwies sich im zweiten Quartal als wesentlicher Treiber und zeichnete für 96 Prozent des gesamten Auftragseingangs verantwortlich. Der Auftragsbestand der PEM-Sparte stieg dadurch um 147 Millionen NOK auf 990 Millionen NOK an.

Gleichzeitig legten die Erlöse mit PEM-Elektrolyseuren im Vergleich zum Vorquartal um 31 Prozent auf 97 Millionen NOK zu. Die treibende Kraft waren hierbei kleinere Anlagen für industrielle Anwendungen. Das operative Spartenergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verbesserte sich parallel dazu um 12 Millionen NOK auf minus 35 Millionen NOK, gestützt durch bessere Produktmargen.

Ein weiterer Impulsgeber könnte die Plattform für druckbeaufschlagte alkalische Elektrolyseure sein. Nel startete diese Technologie am 6. Mai kommerziell mit Kunden und Partnern. Sollten die laufenden Prototypentests zu größeren Folgeaufträgen führen, könnte dies das alkalische Segment wiederbeleben, dessen Umsatz im zweiten Quartal um 14 Prozent nachgab.

Auf Vorstandsebene setzte Verwaltungsratschef Arvid Moss am 24. April ein Signal, indem er 100.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 2,2547 NOK erwarb.

Belastungen durch Sonderkosten und Margendruck

Das Risiko einer weiteren Verzögerung des Turnarounds bleibt jedoch akut. Im zweiten Quartal summierte sich der Nettoverlust auf minus 189 Millionen NOK, nach minus 131 Millionen NOK im Vorjahreszeitraum. Verantwortlich dafür waren nicht nur geringere Umsatzerlöse aus Kundenverträgen, die um 12 Prozent auf 153 Millionen NOK sanken.

Zusätzlich drückte eine Einigung im Rechtsstreit mit Iwatani das operative Ergebnis mit 70 Millionen NOK ins Minus. Das EBITDA fiel dadurch im zweiten Quartal auf minus 155 Millionen NOK zurück, während es im Vorjahresquartal bei minus 86 Millionen NOK gelegen hatte. Solche Sonderbelastungen zeigen, wie anfällig die Bilanz in Phasen schwacher Nachfrage ist.

Sollte sich die Neubesetzung des Vorstandsvorsitzes verzögern, droht eine strategische Hängepartie. Wenn Kunden bei großvolumigen Investitionsentscheidungen zögern, gerät der geplante Hochlauf der neuen Plattform ins Stocken. Das Unternehmen müsste in diesem Szenario seine Kostenbasis noch drastischer anpassen, um den Kapitalverzehr einzudämmen.

Katalysatoren vor den nächsten Zwischenberichten

Für den weiteren Kursverlauf kommt es auf die Verteidigung der charttechnischen Marken an. Solange der Kurs über dem 52-Wochen-Tief von 0,1731 Euro notiert, bleibt das Abwärtsrisiko begrenzt. Gelingt es den Notierungen nicht, sich von diesem Niveau abzusetzen, rückt das bisherige Jahrestief erneut in den Fokus. Nach oben begrenzt das 52-Wochen-Hoch bei 0,3655 Euro das langfristige Erholungspotenzial.

Der nächste fundamentale Termin ist die Präsentation der Ergebnisse für das dritte Quartal 2026, die für Oktober erwartet wird. Investoren werden diesen Bericht auf zwei zentrale Aspekte abklopfen: das Tempo des Barmittelverbrauchs und Fortschritte bei Großaufträgen für die neue Generation alkalischer Elektrolyseure. Eine zeitnahe Benennung der neuen Unternehmensführung könnte dem Markt zudem die notwendige Orientierung für die strategische Ausrichtung geben.

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