Nel ASA und ITM Power im Aufwind — EcoGraf, SunHydrogen und HEP auf Bewährungskurs

Nel ASA und ITM Power glänzen mit konkreten Fortschritten, während SunHydrogen und HEP vor großen Hürden stehen. Der Mai wird richtungsweisend.

Die Kernpunkte:
  • Nel-Chef kauft Aktien vor Produktlaunch
  • ITM Power profitiert von Verteidigungsdeal
  • EcoGraf schließt MOU mit Mitsubishi
  • HEP kämpft um Anleihe-Verlängerung

Fünf Unternehmen, fünf völlig unterschiedliche Reifegrade — und ein Monat, der die Kluft zwischen ihnen vertieft hat. Während ITM Power mit einem Verteidigungsdeal und Staatsgeld die Kurse befeuert, kämpft hep global gegen eine tickende Anleihe-Uhr. Nel ASA steht vor einem Produktlaunch, der über die Richtung des Jahres entscheiden könnte. April 2026 zeigt die Wasserstoff-Branche in voller Bandbreite.

Sektorklima: Execution statt Versprechen

Die Nachricht, dass Cummins im Februar 2026 den Rückzug aus dem kommerziellen Elektrolyseur-Geschäft ankündigte, wirkt bis heute nach. Wer liefert, wird belohnt. Wer nur Potenzial zeigt, bleibt unter Druck. Reine Elektrolyseur-Hersteller profitieren aktuell von konkreten Aufträgen und staatlicher Rückendeckung — kleinere Namen hängen dagegen zwischen Laborerfolgen und den Anforderungen des Kapitalmarkts fest.

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Die zentralen Trennlinien im Sektor lassen sich so zusammenfassen:

  • Auftragsgetriebene Player (ITM Power, Nel ASA): Institutionelles Kapital fließt dorthin, wo Umsatz und Staatsförderung zusammentreffen.
  • Batterie-Zulieferer als Querschläger (EcoGraf): Nicht Wasserstoff im engeren Sinne, aber Teil derselben Wertschöpfungskette — und mit eigenem Momentum.
  • Pre-Revenue und Refinanzierung (SunHydrogen, HEP): Strukturelle Engpässe dominieren das Bild, unabhängig von Sektorrückenwind.

Nel ASA: Der Chairman kauft — und am 6. Mai wird es ernst

Arvid Moss, Verwaltungsratschef von Nel ASA, hat 100.000 Aktien zum Durchschnittskurs von 2,2547 NOK erworben. Es ist seine erste offengelegte Beteiligung am Unternehmen. Die Transaktion fällt unter die EU-Marktmissbrauchsverordnung und folgt unmittelbar auf die Quartalszahlen.

Diese Zahlen zeichnen ein gemischtes Bild. Der Umsatz aus Kundenverträgen sank im ersten Quartal 2026 um 5 % auf 148 Millionen NOK. Das alkalische Elektrolyseur-Segment legte allerdings um 6 % zu, und das EBITDA verbesserte sich um 35 Millionen NOK gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Auftragsbestand liegt bei über einer Milliarde NOK.

Am 6. Mai will Nel seine neue druckbetriebene alkalische Plattform vorstellen — eine Technologie, die Kapitalkosten für grüne Wasserstoffprojekte deutlich senken soll. Die kommerzielle Massenproduktion ist für 2027 geplant. Die EU hat bis zu 135 Millionen Euro an Förderung zugesagt, wovon 11 Millionen Euro in den kommenden Monaten fließen sollen.

Bemerkenswert ist auch der Umbau der Vorstandsvergütung: Nel hat das bisherige Aktienoptionsprogramm durch Performance Share Units ersetzt, die an operative Ziele gekoppelt sind. CEO Håkon Volldal tauschte seine 1,5 Millionen Optionen freiwillig gegen rund 3,4 Millionen dieser neuen Einheiten. Ein Signal, das auf Alignment mit Aktionären setzt.

Die Analystengemeinde bleibt skeptisch. Berenberg senkte das Kursziel im März auf 2,30 NOK. Das durchschnittliche Zwölf-Monats-Ziel liegt bei 2,14 NOK — kein einziger Analyst empfiehlt den Kauf, sieben raten zum Verkauf. Die liquiden Mittel von 1,4 Milliarden NOK sollen den Betrieb durch 2026 finanzieren. Die Aktie notiert aktuell bei 0,22 Euro und hat im laufenden Monat rund 15 % zugelegt.

ITM Power: Vom Elektrolyseur-Bauer zum Verteidigungslieferanten

Kein anderer Wert im Wasserstoff-Universum hat in den vergangenen Wochen eine solche Dynamik gezeigt. ITM Powers Kurs hat sich von seinen Tiefs mehr als verdoppelt und liegt deutlich über den 50- und 200-Tage-Durchschnitten. Auf der Frankfurter XETRA-Börse schoss die Aktie in einer einzelnen Sitzung um 34,9 % auf 1,47 Euro — bei einem Handelsvolumen von 1,65 Millionen Stücken, fast zehnmal so hoch wie üblich.

Die Treiber sind klar identifizierbar. Am 9. April sicherte sich ITM Power ein Paket von 86,5 Millionen Pfund aus öffentlichen Quellen: 40 Millionen Pfund als Eigenkapitalinvestment von Great British Energy und 46,5 Millionen Pfund als Zuschuss. Die Cash-Prognose zum Jahresende wurde daraufhin massiv angehoben — auf 210 bis 215 Millionen Pfund, zuvor lagen die Erwartungen bei 170 bis 175 Millionen.

Die Halbjahreszahlen untermauern den Schwung. Mit 18 Millionen Pfund Umsatz meldete ITM Power die höchste Halbjahreszahl seiner Geschichte. Ausrüstungsverkäufe trugen 15,5 Millionen Pfund bei. Entscheidend für die mittelfristige Bewertung: Im vollständig kontrahierten Auftragsbestand von 152 Millionen Pfund machen profitable Verträge inzwischen 71 % aus — vor einem Jahr waren es noch 60 %. Die verlustreichen Altverträge werden systematisch abgearbeitet.

Dieser Schwenk in den Verteidigungsbereich verändert die Wahrnehmung des Unternehmens grundlegend. ITM Power steht nun an der Schnittstelle zwischen Cleantech und europäischer Aufrüstung — zwei politisch aufgeladenen Sektoren, die gleichzeitig Kapital anziehen. Berenberg hob das Kursziel im April auf 110 GBp an. CEO Dennis Schulz erhielt am 15. April eine Sonderzuteilung von 1,3 Millionen Aktien, deren Vesting an die Performance der Hydropulse- und Chronos-Projekte geknüpft ist. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 956 Millionen Euro.

SunHydrogen: Pilotdaten aus Austin — vielversprechend, aber noch nicht reif

Mit einem Kurs von rund 0,02 US-Dollar und einer Marktkapitalisierung von etwa 121 Millionen Dollar bewegt sich SunHydrogen in einer gänzlich anderen Liga. Kein einziger Analyst deckt den Wert ab. Das Unternehmen ist im Vorkommerziellen Stadium — und kommuniziert das offen.

Ein Aktionärsbrief lieferte diese Woche ein nüchternes Update zur Pilotanlage in Austin, Texas. Alle vier initialen Panels erzeugten Wasserstoff unter realen Sonnenlichtbedingungen. Die Systemeffizienz sei die höchste, die jemals mit kommerziell gefertigten Solarmaterialien in einem integrierten Außensystem erzielt wurde. Gleichzeitig räumte das Unternehmen ein, dass die Leistung hinter den zuvor in Iowa erreichten Werten zurückblieb. Die Ursache: ein Spannungsabfall in den Solarsubstraten und eine Beschichtungsdegradation, die Wasser in die Halbleiterschicht eindringen ließ.

Für die Industrialisierung hat SunHydrogen im Februar 2026 eine Vereinbarung mit CTF Solar geschlossen, einer Tochter des chinesischen CNBM-Konzerns. Nächstes Etappenziel: die Produktion von 1.000 Modulen im Vollformat mit jeweils 1,92 Quadratmetern. Der Dreistufenplan sieht zunächst die Validierung im Mehrpanelbetrieb vor, dann einen kontrollierten Fertigungsworkflow im 100-Quadratmeter-Maßstab und schließlich erste Abnahmeverträge. Umsätze generiert SunHydrogen bislang kaum — weniger als eine Million Dollar stehen in den Büchern.

EcoGraf: Mitsubishi-MOU als Türöffner zur Batterie-Lieferkette

EcoGraf fällt aus dem Raster der klassischen Wasserstoff-Aktien. Das australische Unternehmen zielt auf den Markt für Batterie-Anodenmaterialien — aber genau diese Lieferkette ist für die grüne Energieinfrastruktur unverzichtbar.

Die Schlüsselmeldung im April: Am 20. April unterzeichnete EcoGraf ein unverbindliches Memorandum of Understanding mit Mitsubishi Chemical Corporation, einem der weltweit führenden Anbieter von Batterie-Anodenmaterialien. Das MOU schafft einen Rahmen für die Zusammenarbeit bei Lieferung, Qualifizierung und potenzieller Langzeitvermarktung von Naturflocken-Graphit sowie gereinigtem und ungereinigtem sphärischem Graphit.

Die Größenordnung ist beachtlich: Mitsubishi Chemical prüft eine Langzeitabnahme von 10.000 Tonnen sphärischem Graphit pro Jahr — das entspricht rund 16.500 Tonnen natürlichem Flockengraphit. Mitsubishi baut gerade seine Anodenproduktion im japanischen Kagawa auf 11.000 Tonnen pro Jahr aus, was die Partnerschaft industriell unterfüttert.

An der Frankfurter Börse notiert EcoGraf bei 0,24 Euro. Im Jahresvergleich legte der ASX-Kurs um über 400 % zu. Das Analysten-Kursziel liegt allerdings bei nur 0,23 Australischen Dollar — deutlich unter dem letzten Schlusskurs von 0,46 AUD. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 178 Millionen AUD, bei einem Nettoverlust von 3,86 Millionen AUD in den vergangenen zwölf Monaten. Die technische Qualifizierungsphase mit Mitsubishi muss erst abgeschlossen sein, bevor ein verbindlicher Vertrag entstehen kann.

HEP: Wettlauf gegen die Anleihe-Fälligkeit am 18. Mai

Hinter dem Kürzel HEP verbirgt sich keine Wasserstoff-Aktie im klassischen Sinne, sondern die grüne Anleihe 2021/2026 der hep global GmbH — eines Solarparkentwicklers aus dem baden-württembergischen Güglingen. Das Unternehmen entwickelt, baut und betreibt Solarparks in den USA, Japan, Deutschland und Kanada.

Die Anleihe wird am 18. Mai 2026 fällig. Eine umfassende Refinanzierungslösung steht noch aus. HEP verhandelt mit potenziellen Kreditgebern und hat in den USA einen möglichen Investor identifiziert, mit dem finale Gespräche laufen. Die erste Gläubigerabstimmung ohne Versammlung scheiterte trotz einer überdurchschnittlichen Beteiligungsquote von 44,18 % am erforderlichen 50-Prozent-Quorum. Am 5. Mai findet nun eine physische Gläubigerversammlung in Heilbronn statt.

Der Plan: Verlängerung der Laufzeit um 18 Monate bis November 2027, verbunden mit einer Zinserhöhung von 6,5 % auf 8,0 % — sofern die Anleihe nicht innerhalb von sechs Monaten nach dem ursprünglichen Fälligkeitstermin vollständig zurückgezahlt wird. HEP selbst strebt eine komplette Tilgung vor November 2026 an.

Operativ baut das Unternehmen weiter. In Bayern entsteht ein 4,1-MWp-Solarpark mit integriertem Batteriespeicher, der jährlich rund 4,7 GWh klimafreundlichen Strom erzeugen soll. Der Kurs der Anleihe fiel am Freitag um 5,3 % auf 66,75 Euro und liegt damit deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 19 signalisiert eine stark überverkaufte Situation.

Fünf Namen, drei Geschwindigkeiten — und ein entscheidender Mai

Die Divergenz innerhalb dieser fünf Werte war selten so deutlich. ITM Power profitiert vom seltenen Doppelrückenwind aus Verteidigungsausgaben und Wasserstoffförderung — eine Kombination, die institutionelles Kapital anzieht. Nel ASA hat mit der Plattformvorstellung am 6. Mai seinen wichtigsten Katalysator des Jahres vor sich. Die Kluft zwischen explodierendem Auftragseingang und rückläufigem Umsatz bleibt dabei das zentrale Spannungsfeld.

EcoGraf bewegt sich in einer eigenen Spur. Die Mitsubishi-Partnerschaft könnte das Unternehmen als ernsthaften Lieferanten in der Batterie-Wertschöpfungskette etablieren — wenn die technische Qualifizierung gelingt. SunHydrogen muss den Weg vom Pilotprojekt zur validierten 100-Quadratmeter-Demonstration schaffen, ein Schritt, den kein Sektorrückenwind allein beschleunigen kann. Und für die Anleihegläubiger von hep global ist der 5. Mai in Heilbronn der unmittelbare Fixpunkt: Hier entscheidet sich, ob die Laufzeitverlängerung das nötige Quorum erreicht.

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