Nel ASA vor dem Praxistest: Trägt der Auftragsschub bis zum nächsten Quartal?
Nel verzeichnet starken Auftragseingang, kämpft aber mit Umsatzrückgang und negativem EBITDA. Die kommenden Quartale entscheiden über den Turnaround.

- Umsatzrückgang um zwölf Prozent
- Auftragseingang steigt um 224 Prozent
- PEM-Segment wächst, Alkali-Geschäft schrumpft
- Aktie notiert nahe 52-Wochen-Tief
Ausgangslage
Nel ASA steckt in einer Phase, in der zwei gegensätzliche Signale aufeinandertreffen. Die Zahlen zum zweiten Quartal, die der norwegische Wasserstoffspezialist am 15. Juli veröffentlichte, zeigten einen Umsatzrückgang um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 153 Millionen Kronen sowie ein negatives EBITDA von 155 Millionen Kronen, belastet durch eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen im Streit mit Iwatani.
Zugleich sprang der Auftragseingang um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen, der Auftragsbestand kletterte zum Quartalsende auf 1.213 Millionen Kronen. Seither ist es um das Unternehmen ruhig geworden: Zwischen Anfang und Mitte August meldete Nel keine neuen Order oder Geschäftszahlen.
Genau diese Stille macht die kommenden Wochen zum Prüfstein – die Aktie notiert aktuell bei 0,2070 Euro und damit rund 43 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, das im Mai markiert wurde. Der Markt hat die Erholungsfantasie aus dem Frühjahr also bereits deutlich eingepreist zurückgenommen.
Die entscheidende Frage
Der zentrale Faktor für die kommenden Monate ist simpel benannt, aber schwer zu beantworten: Übersetzt sich der massive Auftragsschub aus dem PEM-Elektrolyseur-Geschäft in tatsächlichen Umsatz und Ergebnisverbesserung – oder bleibt er ein Bestandszuwachs auf dem Papier, der sich erst verzögert auszahlt?
Im zweiten Quartal stieg der PEM-Umsatz bereits um 31 Prozent gegenüber dem Vorquartal, während das EBITDA in diesem Segment sich um 12 Millionen Kronen verbesserte, aber weiterhin bei minus 35 Millionen Kronen verharrte.
Das Alkali-Geschäft dagegen schrumpfte im Jahresvergleich um 14 Prozent. Ob der Auftragsbestand von gut 1,2 Milliarden Kronen in den nächsten zwei bis drei Quartalen in Umsatz und Marge münzbar ist, entscheidet, ob Nel den Turnaround schafft oder in der Verlustzone verharrt.
Bullisches Szenario
Für Optimisten spricht die Dynamik im Auftragseingang, die sich nicht auf einen Einzelfall stützt. Im April erhielt die US-Tochter Nel Hydrogen US einen Auftrag über rund 7 Millionen US-Dollar für PEM-Elektrolyseur-Equipment eines öffentlichen Versorgers, wenige Tage zuvor eine zweite Bestellung von Mesure Process über ebenfalls etwa 7 Millionen US-Dollar für ein europäisches Projekt.
Solche wiederkehrenden Kundenbeziehungen deuten auf echte Nachfrage hin, nicht auf Einmaleffekte. Hinzu kommt der im Mai eingeführte Nachfolger der druckbeaufschlagten Alkali-Elektrolyseur-Baureihe PA-Series, der das Produktportfolio verbreitern soll.
Auch ein internes Signal fällt ins Gewicht: Verwaltungsratsvorsitzender Arvid Moss kaufte im April 100.000 Nel-Aktien zu einem Durchschnittskurs von 2,2547 Kronen – ein Bekenntnis aus der Führungsetage, das Anleger als Vertrauenssignal werten können.
Bestätigt sich der Trend aus dem PEM-Segment mit weiter steigenden Quartalsumsätzen, dürfte sich die Bewertung nahe dem 52-Wochen-Tief von 0,1731 Euro als überzogen pessimistisch erweisen.
Bärisches Szenario
Die Kehrseite lässt sich an denselben Zahlen ablesen. Trotz des Auftragsbooms schrumpfte der Gesamtumsatz, und das EBITDA blieb tief im Minus – auch ohne die Iwatani-Sondereffekte wäre das operative Geschäft defizitär gewesen.
Ein Auftragsbestand ist kein Umsatz: Verzögert sich die Auslieferung der bestellten Anlagen, etwa wegen Lieferkettenproblemen oder Projektverschiebungen bei Kunden, bleibt die Ergebnisverbesserung aus. Das schrumpfende Alkali-Geschäft zeigt zudem, dass nicht alle Segmente von der Nachfragebelebung profitieren – eine einseitige Abhängigkeit vom PEM-Bereich birgt Konzentrationsrisiko.
Charttechnisch notiert die Aktie mit 0,2070 Euro nur knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2137 Euro entfernt, ein Rückfall unter diese Marke würde das fragile Aufwärtsmomentum der vergangenen Wochen infrage stellen. Bleibt der nächste Quartalsbericht ohne sichtbaren Umsatzsprung im PEM-Segment, dürfte die Skepsis der vergangenen Monate neue Nahrung erhalten.
Ausblick
Solange der Auftragsbestand weiter wächst und sich das PEM-Segment sequenziell verbessert, bleibt das Turnaround-Szenario intakt – auch wenn der Weg zur schwarzen Zahl noch weit ist. Kippt hingegen die Umsetzung in Umsatz, etwa durch ausbleibende Auslieferungen oder neue Sondereffekte wie im Fall Iwatani, dürfte die Aktie ihre jüngste Stabilisierung wieder verlieren.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht zum dritten Quartal 2026, der zeigen muss, ob sich der Auftragsschub aus dem Frühjahr endlich in den Umsatzzahlen niederschlägt. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob Nel den Sprung vom Auftragsbuch in die Bilanz schafft.
Nel ASA-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nel ASA-Analyse vom 13. August liefert die Antwort:
Die neusten Nel ASA-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nel ASA-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nel ASA: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




