Nemetschek Aktie: 2,4-Milliarden-Deal mit HCSS

Trotz Rekordumsatz und milliardenschwerem Zukauf verliert die Nemetschek-Aktie massiv an Wert. Analysten sehen großes Potenzial.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert über 40 Prozent seit Jahresbeginn
  • Größte Übernahme der Firmengeschichte geplant
  • Umsatz im ersten Quartal um 17 Prozent gestiegen
  • Dreiviertel der Analysten raten zum Kauf

Starke Wachstumszahlen, ein milliardenschwerer Zukauf und optimistische Analysten. Eigentlich läuft bei Nemetschek alles nach Plan. An der Börse erlebt der Softwarekonzern aktuell einen brutalen Ausverkauf. Die Schere zwischen operativer Realität und Aktienkurs öffnet sich immer weiter.

Am Freitag schloss das Papier bei 53,55 Euro. Damit notiert der Wert nur knapp über dem jüngsten 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat die Aktie über 40 Prozent an Wert verloren.

Der Abstand zur 200-Tage-Linie bei rund 80 Euro verdeutlicht den massiven Abwärtstrend. Ein RSI von 33,3 signalisiert eine stark überverkaufte Lage. Technische Gegenbewegungen blieben bisher aus.

Rekordzukauf trifft auf Skepsis

Im Hintergrund bereitet das Management die größte Übernahme der Firmengeschichte vor. Nemetschek kauft den US-Softwareanbieter HCSS für 2,4 Milliarden Dollar von der Private-Equity-Firma Thoma Bravo. Der Abschluss ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.

Der Münchner Konzern übernimmt 72 Prozent der Anteile. Thoma Bravo behält als Minderheitsaktionär die restlichen 28 Prozent. Dieser Deal erhöht die Nettoverschuldung um rund 450 Millionen Euro.

Bis 2028 erwartet das Management Synergieeffekte im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Diese sollen je zur Hälfte aus Umsatzwachstum und Kosteneinsparungen stammen.

Operativ läuft das Geschäft auf Hochtouren. Im ersten Quartal stieg der Umsatz währungsbereinigt um 17 Prozent auf 313,1 Millionen Euro. Das operative Ergebnis kletterte parallel dazu um 22 Prozent.

Ein starkes Fundament: Über 92 Prozent der Erlöse sind wiederkehrende Einnahmen. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand ein Umsatzwachstum von bis zu 15 Prozent an. Die operative Marge soll bei gut 32 Prozent liegen.

Analysten teilen den Pessimismus des Marktes nicht. Drei Viertel der Experten empfehlen die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 93,38 Euro.

Die Hauptversammlung stützte diesen Kurs im Mai. Aktionäre segneten die dreizehnte Dividendenerhöhung in Folge ab. Sie erhalten nun 0,68 Euro je Anteilsschein. Hinzu kommt eine Ermächtigung für künftige Aktienrückkäufe.

Der Blick auf die Zahlen

Bis Ende Juli fehlen dem Markt unmittelbare Impulse. Am 30. Juli präsentiert Nemetschek die Ergebnisse für das zweite Quartal. Bestätigt das Management die zweistelligen Wachstumsraten, gerät die negative Marktbewertung unter Erklärungsnot. Konkrete Fortschritte beim HCSS-Deal dürften die Schere zwischen Kurs und Fundamentaldaten dann endgültig schließen.

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