Nemetschek Aktie: 52,80 Euro trotz 17% Wachstum
Nemetschek verzeichnet trotz Rekordumsatz und steigendem EBITDA ein neues Jahrestief. Branchenweite Sorgen um KI-Investitionen belasten den Kurs.

- Umsatzplus von 17 Prozent im ersten Quartal
- Aktie fällt auf 52-Wochen-Tief von 52,80 Euro
- Oracle-Kurs drückt auf europäische Softwarewerte
- Milliardenschwere HCSS-Übernahme geplant
Starke Zahlen, schwacher Kurs. Nemetschek lieferte im ersten Quartal 2026 ein Umsatzwachstum von 17 Prozent auf 313,1 Millionen Euro — und trotzdem fiel die Aktie am Montag auf ein neues 52-Wochen-Tief von 52,80 Euro. Seit Jahresanfang hat das Papier rund 41 Prozent verloren.
Operative Stärke, die der Markt ignoriert
Das Quartalsergebnis war klar positiv. Das EBITDA stieg um 22 Prozent auf 98,4 Millionen Euro. Über 92 Prozent der Erlöse sind wiederkehrend — ein Zeichen für ein stabiles Geschäftsmodell. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand ein Umsatzwachstum von 14 bis 15 Prozent an, bei einer EBITDA-Marge von rund 33 Prozent.
Der Markt quittiert das mit Verkäufen. Kein Wunder, dass Anleger nervös sind — denn der Druck kommt nicht aus dem Unternehmen selbst.
Der Oracle-Schock trifft europäische Softwarewerte
Der Auslöser für die branchenweite Neubewertung kam aus den USA. Oracle meldete zwar Rekordumsätze im Cloud-Geschäft, kündigte aber milliardenschwere KI-Investitionen an. Investoren sorgen sich seither um schrumpfende Cashflows im gesamten Softwaresektor. Europäische Anbieter wie Nemetschek geraten dabei in den Sog — unabhängig von ihrer eigenen Entwicklung.
Der RSI liegt bei 33,1, was eine überverkaufte Lage signalisiert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 137,90 Euro ist die Aktie inzwischen mehr als 61 Prozent entfernt.
Milliarden-Übernahme erhöht den Einsatz
Parallel zur Kursschwäche treibt Nemetschek die größte Akquisition seiner Geschichte voran. Das Unternehmen kauft den US-Anbieter HCSS für rund 2,4 Milliarden US-Dollar. HCSS ist auf Software für den Tiefbau spezialisiert. Nemetschek übernimmt 72 Prozent der Anteile, Finanzinvestor Thoma Bravo behält die restlichen 28 Prozent. Der Abschluss ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.
Der Deal hat seinen Preis: Die Nettoverschuldung steigt um rund 450 Millionen Euro. Analysten bleiben dennoch mehrheitlich optimistisch und bestätigen ihre Kaufempfehlungen — auch wenn einige ihre Kursziele gesenkt haben.
Am 30. Juli 2026 legt Nemetschek die Halbjahreszahlen vor. Dann wird sich zeigen, wie der Konzern die HCSS-Integration in seinen Ausblick einpreist — und ob das den anhaltenden Abgabedruck bricht.
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