Nemetschek: Nach Aktiensplit im Aufwind

In den gestrigen Handelstag startete der Aktienkurs des Software-Unternehmens Nemetschek bei rund 28 Euro. Noch zum Handelsschluss zuvor war das Papier mehr als 110 Euro wert. Ein Verlust von fast 75% über Nacht? Anteilseigner der Nemetschek, die sich nicht über die jüngsten Kapitalmaßnahmen informiert hatten, dürften kurzfristig in Panik geraten sein. Das jedoch umsonst – denn der Kursrückgang war lediglich auf einen angekündigten Aktiensplit im Verhältnis 1:4 zurückzuführen.

 

© Nemetschek
© Nemetschek

Für jeweils eine Aktie des Softwareentwicklers bekamen Anleger also drei zusätzliche Aktien geschenkt. Der Wert eines Anteilscheins wurde geviertelt, der Gesamtwert der Aktionäre blieb jedoch gleich. Aktiensplits sind nicht selten Impulse für eine positive Kursbewegung. So auch bei der Nemetschek AG: Bereits gestern war der Titel deutlich im Plus und auch am heutigen Vormittag ist er mit mehr als 6 Prozent Zuwachs an der Spitze des TecDAX.

 

Warum Aktiensplit? Nemetschek will Wachstumsimpulse setzen

Auf den ersten Blick erscheint ein Aktiensplit nicht besonders sinnvoll. Warum sollte man den Wert einer Aktie vierteln, wenn der Gesamtwert für die Anteilseigner gleich bleibt? Viele Unternehmen, die in der Vergangenheit deutliche Kurszuwächse zu verzeichnen hatten, wollen das Papier optisch billiger machen um neue Aktionäre oder Nachkäufer anzulocken. Das liegt an einem psychologischen Effekt: Anleger sind eher bereit 30 Euro für eine Aktie auszugeben als 120 Euro. Rational begründbar ist das natürlich nicht.

Auch bei dem Spezialsoftwareanbieter (für Bauindustrie, Architekten und Ingenieure) Nemetschek war eine optische Verbilligung der Aktie wohl ein sinnvoller Schritt. Denn in den letzten 3 Jahren hatte sich der Kurs des Papiers etwa vervierfacht. Nun hofft der TecDAX-Konzern auf ein verstärktes Handeln der Aktie. Nicht immer bringt ein Aktiensplit automatsch neue Kursimpulse mit sich – im Fall von Nemetschek hat die Strategie bislang jedoch funktioniert.

 

Nemetschek bald Aktiengesellschaft nach EU-Recht

Wie lange der positive Aktiensplit-Effekt bei Nemetschek anhält, ist unklar. Auch kurzfristig können Anleger noch auf weitere Zuwächse hoffen, der volatile Gesamtmarkt sollte jedoch nicht aus den Augen verloren werden.

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Langfristig gesehen ist Nemetschek gut aufgestellt, in 2014 konnte man den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent steigern und in 2015 sollen erneut rund 20 Prozent Umsatzwachstum erreicht werden.

Neben dem Aktiensplit kündigte Nemetschek vor wenigen Monaten auch die Umwandlung in eine S.E. – Europäische Gesellschaft – an. Bei etwa 65 Prozent im Ausland beschäftigter Mitarbeiter sieht die Konzernspitze die Umwandlung in eine Gesellschaft nach EU-Recht als konsequenten Schritt an.

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