Nestlé Aktie: Kulturwandel

Nestlé führt ein verschärftes Vergütungssystem ein und treibt mit Stellenabbau und Portfolioanpassungen einen umfassenden Konzernumbau voran, um Kosten zu senken und das Wachstum zu steigern.

Die Kernpunkte:
  • Neues Bonussystem mit sechs Leistungsstufen
  • Strategische Fokussierung auf vier Kernbereiche
  • Geplanter Abbau von 16.000 Stellen bis 2027
  • Kostensenkungsprogramm spart Milliarden ein

Nestlé zieht die Daumenschrauben bei Leistung an – und koppelt das nun deutlich härter an Boni. Hinter dem neuen Vergütungssystem steckt mehr als HR-Kosmetik: CEO Philipp Navratil treibt seit Herbst einen breiten Umbau voran, der Kosten senken und den Konzern fokussieren soll. Kann dieser Mix aus Leistungskultur, Portfolio-Aufräumen und Sparprogramm die angepeilte Wachstumsbeschleunigung liefern?

Neues Bonussystem: Top-Performer profitieren

Wie Reuters am 25. Februar berichtete, hat Nestlé sein internes Performance-Management-System neu aufgesetzt. Statt drei gibt es künftig sechs Leistungsstufen. Wer die höchste Kategorie („exemplary“) erreicht, kann bis zu 150% des Bonusziels bekommen. Am anderen Ende der Skala wird es ungemütlich: Bei „unsatisfactory“ gibt es 0% bis 50% der Zielvergütung.

Nestlé begründet den Schritt laut Reuters damit, dass das System Leistungsbewertung, Entwicklungsplanung und Feedback vereinfachen soll. Die Bonusziele unterscheiden sich dabei je nach Team und Bereich.

Navratils Umbauplan: Fokus, Jobs, Verkäufe

Das neue Vergütungsmodell ist eingebettet in die Transformation, die Navratil seit seiner Ernennung im September 2025 vorantreibt. Der Konzern richtet sich strategisch stärker auf vier Felder aus: Coffee, Petcare, Nutrition sowie Food & Snacks. Diese Bereiche stehen laut der Jahresergebnis-Präsentation vom 19. Februar für rund 70% des Umsatzes.

Parallel laufen weitere Maßnahmen, die die Organisation spürbar verändern dürften: Bis 2027 sollen 16.000 Stellen abgebaut werden (Ankündigung aus Oktober 2025). Zudem arbeitet Nestlé am Portfolio: Das verbleibende Eiscremegeschäft befindet sich laut Jahresergebnis-Mitteilung in fortgeschrittenen Verkaufsverhandlungen mit Froneri. In der Wassersparte läuft ein formaler Partnerschaftsprozess; Nestlé rechnet mit einer Entkonsolidierung ab 2027. Außerdem wird Nestlé Health Science in das Nutrition-Geschäft integriert – die bisherige Chefin Anna Mohl verlässt das Unternehmen laut Mitteilung zum 28. Februar 2026.

Zahlen, Ausblick – und ein Rückruf als Bremsklotz

Die Geschäftszahlen für 2025 liefern den Rahmen für den Umbau: Nestlé meldete CHF 89,5 Mrd. Umsatz und 3,5% organisches Wachstum (davon 2,8% Preiseffekte und 0,8% reales internes Wachstum). Die UTOP-Marge lag bei 16,1%, der Free Cashflow bei CHF 9,2 Mrd. Vorgeschlagen ist eine Dividende von CHF 3,10 je Aktie (Vorjahr: CHF 3,05). Gleichzeitig wird ein Nettogewinn von CHF 9,0 Mrd. genannt – laut Food Ingredients First 17% weniger als im Vorjahr.

Wichtig für die operative Story ist auch das Kostensenkungsprogramm „Fuel for Growth“: 2025 brachte es CHF 1,1 Mrd. Einsparungen und lag damit laut Investorenpräsentation deutlich über dem ursprünglichen Ziel von CHF 0,7 Mrd. Für 2026 sollen die jährlichen Einsparungen laut Präsentation auf CHF 2,0 Mrd. steigen (zuvor geplant: CHF 1,4 Mrd.); das Gesamtziel liegt bei CHF 3,0 Mrd. bis Ende 2027.

Belastungsfaktor bleibt ein globaler Rückruf von Säuglingsnahrung (Cereulid-Kontamination über einen Drittanbieter-Zulieferer). Für 2025 werden dafür CHF 185 Mio. beziffert. Nestlé erwartet zudem, dass der Rückruf 2026 das organische Wachstum und das reale interne Wachstum dämpft – mit einem Effekt von rund minus 20 Basispunkten auf das organische Wachstum.

Für 2026 stellt der Konzern 3% bis 4% organisches Wachstum in Aussicht. Das reale interne Wachstum soll sich gegenüber 2025 beschleunigen, die UTOP-Marge sich verbessern – mit stärkerer Dynamik in der zweiten Jahreshälfte. Der Free Cashflow wird über CHF 9 Mrd. erwartet.

Am Markt wirkt das Paket bislang eher konstruktiv: Der Schlusskurs lag am Donnerstag bei 90,43 Euro, rund 4,7% unter dem 52‑Wochen-Hoch – bei gleichzeitig +14,82% in 30 Tagen. Das passt zur Lage: viel Umbau, aber auch klare Ziele für Wachstum, Marge und Cashflow.

Entscheidend wird, ob Nestlé den Spagat schafft: Die verschärfte Leistungskultur soll Ergebnisse verbessern, während Rückruf-Folgen und tiefgreifende Portfolio-Schritte das Jahr 2026 operativ mitprägen. Klar ist: Mit dem neuen System setzt der Konzern intern ein Signal, das im Zweifel schneller auf Zahlen einzahlen soll als jede Hochglanzstrategie.

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