Nestle Aktie: Vier Säulen, ein Aderlass

Nestlé verzeichnet einen deutlichen Gewinnrückgang, treibt aber den Konzernumbau mit Fokus auf vier Kernbereiche voran.

Die Kernpunkte:
  • Nettogewinn sinkt um fast ein Drittel
  • Fokus auf Kaffee, Tiernahrung, Ernährung und Süßwaren
  • Wassergeschäft wird in Joint Venture ausgegliedert
  • Organisches Wachstum beschleunigt sich im zweiten Quartal

Nestlé zieht die Axt an – aber nicht am Geschäft, sondern am eigenen Portfolio. Der Nettogewinn brach im ersten Halbjahr um fast ein Drittel ein, während das operative Geschäft gleichzeitig an Fahrt gewann. Wer nur auf die Gewinnzahl schaut, verpasst die eigentliche Geschichte.

Zahlen mit zwei Gesichtern

Der Umsatz sank im ersten Halbjahr auf 43,1 Milliarden Franken, ein Rückgang von 2,5 Prozent – vor allem eine Folge des starken Frankens, der die Erlöse um 6,2 Prozent belastete. Das organische Wachstum lag dagegen bei 3,6 Prozent, und das reale interne Wachstum (RIG), also Volumen ohne Preiseffekte, verbesserte sich von 1,2 Prozent im ersten Quartal auf 1,8 Prozent im zweiten. Genau diese Beschleunigung wollte CEO Philipp Navratil sehen, seit er das Ruder übernommen hat.

Der Nettogewinn brach um 31,4 Prozent auf 3,5 Milliarden Franken ein. Verantwortlich dafür sind höhere Restrukturierungskosten und eine Abschreibung von 1,3 Milliarden Franken auf Geschäftsbereiche, die nun zum Verkauf stehen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie fiel dagegen nur um 2,4 Prozent auf 2,22 Franken. Der freie Cashflow stieg um 46,3 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken – ein Hinweis darauf, dass operativ mehr Substanz vorhanden ist, als die Gewinnzahl vermuten lässt.

Der große Portfolio-Umbau

Den größten strategischen Schritt kündigte Nestlé zusammen mit den Zahlen an: Gemeinsam mit Platinum Equity soll ein Gemeinschaftsunternehmen namens Peranel entstehen, das Wassermarken wie San Pellegrino, Perrier und Acqua Panna sowie das Premium-Getränkegeschäft bündelt. Das Joint Venture wird paritätisch zu je 50 Prozent gehalten und mit einem Unternehmenswert von 4,9 Milliarden Euro angesetzt. Nestlé rechnet bei Abschluss mit Nettoerlösen von rund 3,0 Milliarden Euro. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und Konsultationsprozessen mit den Arbeitnehmervertretern; der Abschluss ist für die erste Jahreshälfte 2027 geplant.

Parallel dazu hat der Konzern seine Vitamin- und Nahrungsergänzungssparte sowie das Eiscreme-Geschäft offiziell als „zur Veräußerung gehalten“ eingestuft – ein klares Signal, dass sich Nestlé künftig auf vier Kernbereiche konzentrieren will: Kaffee, Heimtiernahrung, Ernährung und Süßwaren. Im Kaffeegeschäft, angetrieben von Nescafé, legte der Umsatz organisch um 7,5 Prozent zu und war damit der stärkste Wachstumstreiber im Konzern. Kleinere Bausteine des Umbaus: die vollständige Übernahme der Marke yfood und der Verkauf von Blue Bottle Coffee an Centurium Capital.

Für das laufende Jahr bestätigt Nestlé die Zielspanne von 3 bis 4 Prozent organischem Wachstum und erwartet einen freien Cashflow von über 9 Milliarden Franken. Die operative Marge im zweiten Halbjahr soll demnach ähnlich hoch ausfallen wie im ersten – gestützt durch sinkende Kaffee- und Kakaopreise, aber gebremst durch höhere Transport- und Energiekosten infolge der Lage im Nahen Osten.

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