Netflix Aktie: BMO sieht 135-Dollar-Ziel

Trotz deutlicher Kursverluste bleibt das Analystenlager bei Netflix überwiegend optimistisch und sieht Kurspotenzial von fast 100 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Starker Kursrückgang auf Wochensicht
  • Mehrheit der Analysten rät zum Kauf
  • Werbegeschäft als zentraler Wachstumstreiber
  • Keine großen Übernahmen geplant

Netflix-Aktien fallen weiter, doch an der Wall Street mehren sich die Stimmen, die genau jetzt zum Einstieg raten. Die Aktie notiert bei 59,99 Euro, ein Minus von 0,33 Prozent am Tag und 6,64 Prozent auf Wochensicht. Der RSI von 33,2 signalisiert eine überverkaufte Aktie – ein Bereich, in dem viele Investoren normalerweise Erholungspotenzial wittern.

Auf Jahressicht hat Netflix 44,1 Prozent verloren. Der stärkste Einbruch kam nach den Zahlen zum zweiten Quartal 2026: Innerhalb einer Stunde brach die Aktie um 7,8 Prozent ein – trotz eines Gewinns über den Erwartungen. Der Umsatz von 12,56 Milliarden Dollar verfehlte die Konsensschätzung von 12,58 Milliarden Dollar nur knapp, der Gewinn je Aktie von 0,80 Dollar lag klar über den erwarteten 0,7883 Dollar.

Kaum ein Analyst wird bärisch

Trotz des Kurseinbruchs bleibt das Analystenlager bemerkenswert optimistisch. Von 50 Analysten, die Netflix abdecken, vergeben acht ein „Strong Buy“, 29 ein „Buy“ und 13 ein „Hold“. Keiner rät zum Verkauf.

Jessica Reif Ehrlich von Bank of America hält an ihrem Kaufrating fest, senkte aber ihr Kursziel auf 105 Dollar. Sie bezeichnet den Ausverkauf als Überreaktion und verweist auf das Rekord-Aktienrückkaufprogramm des Managements als Signal für die eigene Einschätzung des fairen Werts.

Am optimistischsten zeigt sich BMO Capital Markets mit einem Kursziel von 135 Dollar – das würde den Aktienkurs praktisch verdoppeln, ein Kurspotenzial von fast 100 Prozent. Auch Phillip Securities hat die Aktie zuletzt hochgestuft. Nicht alle folgen dieser Linie: Pivotal Research senkte sein Kursziel in diesem Monat auf gerade einmal 70 Dollar. Die Spanne der Einschätzungen könnte kaum größer sein.

Werbung als Wachstumshebel

Der Optimismus vieler Analysten stützt sich vor allem auf das Werbegeschäft. Co-CEO Greg Peters beschreibt die Lücke zwischen dem werbefinanzierten Abo-Tier und dem Standard-ARM als „im Kern unrealisiertes, kurzfristiges Umsatzwachstum“. Das Management rechnet damit, die Werbeerlöse 2026 auf rund 3 Milliarden Dollar zu verdoppeln.

Weitere Wachstumstreiber kommen hinzu. Die monatlichen Spieler bei Cloud-Games sind seit Oktober 2025 um das Elffache gestiegen. Live-Events haben in den vergangenen fünf Jahren sechs der zehn stärksten Neuanmeldetage befeuert. Dazu kommt eine Rückkaufermächtigung über 27,1 Milliarden Dollar, die dem operativen Geschäft zusätzlichen Rückenwind gibt.

Auf dem Papier bleibt das Fundament stark: Die operative Marge liegt bei 33,4 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei 49,5 Prozent. Die Lücke zwischen diesen Kennzahlen und dem Aktienkurs gehört zu den größten im gesamten Mediensektor. Netflix‘ Konsens-Abschlag von 44,8 Prozent übertrifft den von Disney mit 32 Prozent und den von Warner mit 15 Prozent deutlich – BMOs Kursziel von 135 Dollar würde die Aktie in eine eigene Liga heben.

Sarandos bremst Übernahme-Spekulationen

Nach dem gescheiterten Deal mit Warner Bros. Discovery Anfang des Jahres hielten sich Gerüchte um eine große Übernahme durch Netflix hartnäckig. Co-CEO Ted Sarandos dämpft diese Erwartungen nun deutlich.

Auf der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen stellte er klar: „Wir sind in erster Linie Bauer, nicht Käufer.“ Für großes M&A-Geschäft setze Netflix eine „sehr hohe Hürde“ an, so Sarandos.

Die Lücke zwischen Netflix‘ aktueller Bewertung und den Kurszielen der Wall Street zählt damit zu den größten im gesamten Mega-Cap-Mediensektor. Ob die Werbesparte und die laufenden Rückkäufe diese Lücke schließen können, hängt maßgeblich davon ab, wie belastbar sich die Prognose für das dritte Quartal in den kommenden Monaten zeigt – zumal das Management weiter auf organisches Wachstum statt auf große Übernahmen setzt.

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