Netflix Aktie: Großdeal belastet

Trotz solider Quartalsergebnisse verliert die Netflix-Aktie deutlich, da die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery und ein vorsichtiger Ausblick für 2026 die Anleger belasten.

Die Kernpunkte:
  • Starke operative Zahlen im vierten Quartal 2025
  • Übernahme von Warner Bros. Discovery wird rein bar finanziert
  • Aktienrückkäufe werden zur Finanzierung ausgesetzt
  • Mehrere Analysten senken ihre Kursziele für Netflix

Starke Quartalszahlen, Rekordabonnenten – und dennoch Druck auf den Kurs: Nach den jüngsten Geschäftszahlen und der deutlichen Anpassung der Warner-Bros.-Discovery-Übernahme gerät Netflix an der Börse ins Minus. Im vorbörslichen Handel verliert die Aktie heute rund 5 % und notiert in der Nähe des 52‑Wochen-Tiefs. Auslöser sind vor allem ein verhaltener Ausblick für 2026 und die Entscheidung, Aktienrückkäufe auszusetzen, um die nun vollständig in bar geplante Übernahme zu stemmen.

Q4 2025: Starkes Geschäft, vorsichtiger Ausblick

Netflix legte gestern nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Operativ lief es deutlich besser als befürchtet, gleichzeitig dämpft der Ausblick die Erwartungen.

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Wichtige Kennzahlen für Q4 2025:

  • Ergebnis je Aktie: 0,56 US‑Dollar (Konsens: 0,55 US‑Dollar), +30 % zum Vorjahr
  • Umsatz: 12,05 Mrd. US‑Dollar (Konsens: 11,97 Mrd. US‑Dollar), +17,6 % zum Vorjahr
  • Bezahlte Abos: Über 325 Mio. weltweit
  • Operative Marge: 24,5 % (Vorjahr: 22,2 %)

Trotz dieser soliden Entwicklung sorgte vor allem die Aktualisierung der Warner-Bros.-Discovery-Transaktion für Zurückhaltung. Netflix hat die Vereinbarung am 20. Januar auf ein reines Barangebot von 27,75 US‑Dollar je WBD-Aktie umgestellt. Das Transaktionsvolumen liegt damit bei rund 83 Mrd. US‑Dollar (Enterprise Value).

Zur Finanzierung setzt das Unternehmen sein Aktienrückkaufprogramm aus. Damit entfällt ein wichtiger stützender Faktor für den Kurs in der kommenden Zeit.

Beim Ausblick bleibt Netflix hinter den Markterwartungen zurück:

  • Prognose Q1 2026: Ergebnis je Aktie 0,76 US‑Dollar (Konsens: 0,81 US‑Dollar)
  • Prognose Umsatzwachstum 2026: 11–13 % (währungsbereinigt), nach 17 % Wachstum im Jahr 2025

Die Kombination aus Kostenseite durch den Deal, gebremstem Wachstum und aussetzenden Rückkäufen erklärt den deutlichen Kursdruck.

Marktreaktion und Analystenkommentare

Die Börse reagierte rasch und negativ. Nach einem Schlusskurs von 87,26 US‑Dollar gestern rutschte die Aktie im nachbörslichen Handel um mehr als 4 US‑Dollar ab und näherte sich dem 52‑Wochen-Tief bei 82,11 US‑Dollar.

Mehrere Analystenhäuser haben ihre Modelle an die erwartete höhere Verschuldung und das schwächere organische Wachstum angepasst:

  • Goldman Sachs belässt die Einstufung auf „Neutral“, senkt das Kursziel jedoch von 130 auf 112 US‑Dollar.
  • CFRA stuft von „Buy“ auf „Hold“ ab und reduziert das Kursziel von 130 auf 100 US‑Dollar; ausschlaggebend sind die Risiken der hohen Verschuldung für die Finanzierung der WBD-Übernahme.
  • Jefferies bleibt bei „Buy“ mit einem Kursziel von 134 US‑Dollar und stellt die langfristige Perspektive des kombinierten Konzerns in den Vordergrund.

Der Wechsel auf einen reinen Bargeld-Deal vermeidet zwar eine Verwässerung bestehender Anteilseigner, erhöht aber den Leverage der Bilanz deutlich. Der Abschluss der Transaktion wird innerhalb von 12 bis 18 Monaten erwartet und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen sowie einer WBD-Aktionärsabstimmung, die für April 2026 angepeilt ist.

Wachstum verlangsamt sich, Werbung legt deutlich zu

Der Kursrückgang spiegelt auch eine Neubewertung der Wachstumsphase von Netflix wider. 2025 kamen 23 Mio. neue Abonnenten hinzu, nach 41 Mio. im Jahr 2024. Das Wachstum bleibt hoch, verlangsamt sich aber klar.

Parallel dazu treibt Netflix die Monetarisierung über neue Einnahmequellen voran:

  • Werbeumsatz 2025: rund 1,5 Mrd. US‑Dollar, etwa das 2,5‑Fache von 2024
  • Ziel 2026: erneute Verdoppelung des Werbeumsatzes

Das werbefinanzierte Abo-Modell entwickelt sich damit zu einem zentralen Wachstumstreiber. Die Erlöse pro Nutzer liegen dort zwar noch unter den Standardabos, das Management sieht aber erhebliche weitere Hebel.

Die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery soll die Inhaltebasis deutlich ausbauen – inklusive HBO und der Warner-Bros.-Studios – und die Position gegenüber großen Tech- und Medienkonkurrenten wie YouTube und Disney stärken. Gleichzeitig warnt etwa Bloomberg-Intelligence-Analystin Geetha Ranganathan vor einem „harten, langen Weg“ bei der Integration, was an der Börse für zusätzliche Skepsis sorgt.

Ausblick: Große Integration, technische Hürden

In den kommenden Monaten richtet sich der Blick vor allem auf zwei Themenblöcke: die regulatorische und gesellschaftsrechtliche Umsetzung der WBD-Übernahme sowie die konkrete Ausgestaltung der angekündigten Preiserhöhungen 2026. Zu Regionen und Zeitplan der höheren Abo-Preise hat Netflix bisher keine Details genannt.

Charttechnisch testet die Aktie derzeit wichtige Unterstützungszonen. Ein Bruch des 52‑Wochen-Tiefs bei 82,11 US‑Dollar könnte weiteren technischen Verkaufsdruck auslösen. Ohne laufende Aktienrückkäufe rückt die operative Entwicklung noch stärker in den Vordergrund.

Für 2026 stellt Netflix Umsätze zwischen 50,7 und 51,7 Mrd. US‑Dollar in Aussicht. Diese Spanne basiert im Wesentlichen auf der erwarteten Verdoppelung der Werbeerlöse und weiterem, wenn auch gebremstem Abozuwachs sowie auf den ersten, noch begrenzten Beiträgen aus der Integration von Warner Bros. Discovery.

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