Netflix Aktie: Mega-Deal mit WBD
Netflix gilt als bevorzugter Käufer für Warner Bros. Discovery in einem Deal im Wert von 72 Mrd. USD. Der WBD-Verwaltungsrat empfiehlt das Angebot, während Paramount Skydance aus Finanzierungsgründen scheitert.

- WBD-Board empfiehlt Netflix-Deal statt Paramount-Angebot
- Transaktion mit einem Equity-Wert von 72 Milliarden Dollar
- Netflix nimmt rund 50 Milliarden Dollar neue Schulden auf
- Zugang zu DC, Harry Potter und HBO-Bibliothek
- Regulatorische Prüfung durch US-Behörden erwartet
Netflix setzt zum größten Zukauf seiner Unternehmensgeschichte an: Der Konzern gilt nun offiziell als bevorzugter Käufer von Warner Bros. Discovery (WBD). Nach einem intensiven Bieterkampf empfiehlt der WBD-Verwaltungsrat den Aktionären, das feindliche Übernahmeangebot von Paramount Skydance abzulehnen und dem Netflix-Deal zuzustimmen.
Der Markt reagiert bislang gelassen. Die Aktie legte am Freitag leicht zu, obwohl die geplante Übernahme ein erhebliches Finanzpaket erfordert. Im Hintergrund rückten operative Themen wie die Live-Übertragung des Boxkampfs Jake Paul vs. Anthony Joshua deutlich in den Schatten.
Die Konditionen des Angebots
Im Zentrum steht eine kombinierte Bar- und Aktienofferte von Netflix:
- Equity-Wert: rund 72 Milliarden US-Dollar
- Angebot für WBD-Aktionäre: 27,75 US-Dollar je Aktie
- Enterprise Value (inkl. Schulden): 82,7 Milliarden US-Dollar
Paramount Skydance hatte zwar nominell mehr geboten – 30 US-Dollar je Aktie und einen Enterprise Value von 108,4 Milliarden US-Dollar –, scheiterte aber an einem zentralen Punkt: der Finanzierung.
Der WBD-Verwaltungsrat bezeichnete das Paramount-Angebot in seiner am 17. Dezember veröffentlichten Ablehnungsschrift und in einem Schreiben vom Samstag als „illusorisch“. Demnach fehlten verbindliche Finanzierungszusagen. Netflix dagegen hat bindende Kreditvereinbarungen für den Baranteil des Angebots vorgelegt. Ohne Rückendeckung des Boards sinkt die Erfolgschance des weiterhin bis zum 8. Januar 2026 laufenden feindlichen Paramount-Angebots deutlich.
Finanzielle Auswirkungen und Verschuldung
Für den Deal spannt Netflix ein großes Fremdkapitalpaket auf. Die Struktur im Überblick:
- Neue Schulden: rund 50 Milliarden US-Dollar an neuen Kreditlinien
- Übernommene Schulden: etwa 11 Milliarden US-Dollar bestehende Verbindlichkeiten
- Gesamtverschuldung: prognostiziert rund 77 Milliarden US-Dollar
- Verschuldungsgrad: etwa 3x EBITDA des kombinierten Unternehmens
Trotz dieser Größenordnung fällt die Marktreaktion bislang verhalten positiv aus. Hintergrund ist vor allem der starke Cashflow: In den letzten zwölf Monaten erzielte Netflix einen freien Cashflow von 9 Milliarden US-Dollar, was viele Analysten als ausreichende Basis zur Bedienung der höheren Schulden ansehen.
Die Aktie notiert aktuell um 94 US-Dollar. Das Kursniveau liegt zwar deutlich unter den Höchstständen des Vorjahres, ist aber durch einen 10-zu-1-Aktiensplit im November 2025 verzerrt. Auf bereinigter Basis handelt die Aktie rund 29 % unter dem Allzeithoch. Einige Marktbeobachter sehen hierin vor dem Hintergrund des WBD-Deals ein attraktives Bewertungsniveau.
Analystenreaktionen und Marktbild
Mit der klaren Präferenz des WBD-Boards zugunsten von Netflix hat auch die Analystenaktivität zugenommen.
- Blue Chip Portfolios stufte Netflix auf „Strong Buy“ hoch. Begründung: verbesserte Bewertungskennzahlen und ein deutlich verstärkter strategischer Burggraben durch die WBD-Assets.
- Jefferies und DZ Bank bestätigten ihre bestehenden Kaufempfehlungen und stützten damit den Kursverlauf trotz der anstehenden Verschuldungserhöhung.
Technisch betrachtet hält die Aktie aktuell eine Unterstützungszone im Bereich von 93 bis 95 US-Dollar. Für einen nachhaltigen Ausbruch über die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar dürfte zusätzliche Klarheit über den regulatorischen Zeitplan entscheidend sein.
Strategische Logik: Vom Streamer zum Medienkonzern
Mit der Übernahme vollzieht Netflix einen tiefgreifenden Strategiewechsel. Das Unternehmen, das lange Zeit auf die Umgehung klassischer Studios setzte, kauft sich nun selbst in das traditionelle Film- und TV-Geschäft ein.
Kern der Transaktion sind sogenannte „VRIN“-Assets – also Werte, die wertvoll, selten, schwer imitierbar und nicht ersetzbar sind. Konkret erhält Netflix mit WBD unter anderem Zugang zu:
- DC Comics Universe – direkter Wettbewerber zu Disneys Marvel-Welt
- Harry-Potter-Franchise – eines der umsatzstärksten Markenrechte im Entertainment-Bereich
- HBO-Bibliothek – Premium-Serien wie Game of Thrones, Succession und The Sopranos
- Lineare TV- und Live-Strukturen – inklusive Sport- und Nachrichtenangeboten (u. a. CNN, Eurosport)
Die Akquisition wird vielfach als Antwort auf das integrierte Disney-Ökosystem gesehen. Während Disney sein klassisches Mediengeschäft erfolgreich in Richtung Streaming erweitert hat, geht Netflix nun den umgekehrten Weg und öffnet sich für Kinoauswertungen, Lizenzmodelle, Merchandising und potenziell auch Themenpark-Kooperationen.
Im historischen Vergleich sprengt das Volumen frühere Mediendeals. Die Ablehnung des Paramount-Skydance-Angebots, das von der Ellison-Familie und RedBird Capital unterstützt wird, unterstreicht die Priorität des WBD-Boards für ein Modell mit stabilen, wiederkehrenden Streaming-Erlösen statt einer komplexen Fusion zweier angeschlagener Altmedien-Konzerne.
Regulierung, Zeitplan und nächste Termine
Trotz der klaren Empfehlung des WBD-Verwaltungsrats ist der Weg zum Abschluss des Deals noch lang.
Regulatorische Hürden
Die Transaktion dürfte im Zentrum der kartellrechtlichen Debatte stehen. Politiker wie Senatorin Elizabeth Warren haben bereits Bedenken wegen zunehmender Marktkonzentration im Mediensektor geäußert.
Das US-Justizministerium (DOJ) wird insbesondere die vertikale Integration eines dominanten Streaming-Anbieters mit einem großen Studio prüfen. Die Parteien haben eine Auflösungsgebühr von 5,8 Milliarden US-Dollar vereinbart – ein klares Signal, wie ernst das regulatorische Risiko genommen wird.
Wichtige anstehende Ereignisse
- 8. Januar 2026: Auslaufen des feindlichen Paramount-Skydance-Übernahmeangebots für WBD.
- 20. Januar 2026: Netflix legt die Zahlen zum vierten Quartal vor. Das Management will dann erstmals detaillierter auf Integrationspläne und Synergien eingehen.
- Spätfrühling 2026: Geplanter Zeitpunkt für die Aktionärsabstimmung über die Fusion.
Kurzfristig dürfte der Kurs vor allem auf Nachrichten rund um das Ende des Paramount-Angebots und erste Signale des DOJ reagieren. Mittelfristig hängt viel davon ab, ob die Behörden den Zusammenschluss durchwinken und Netflix den angekündigten Wandel vom reinen Streaming-Spezialisten zum breit aufgestellten Medienkonzern operativ überzeugend umsetzt.
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