Netflix Aktie: Rekordmarge, Kursminus

Netflix übertrifft Gewinnerwartungen, enttäuscht aber mit dem Umsatzausblick. Die Aktie fällt deutlich.

Die Kernpunkte:
  • Operative Marge übertrifft eigene Prognose
  • Umsatzausblick bleibt hinter Erwartungen zurück
  • Aktie verliert nachbörslich über sieben Prozent
  • Werbegeschäft soll Wachstumsschub liefern

Netflix liefert Zahlen, die eigentlich nach Entwarnung aussehen — und trotzdem rutscht die Aktie im nachbörslichen Handel deutlich ab. Der Streaming-Konzern steigerte Umsatz und Gewinn im vergangenen Quartal spürbar, verpasste aber ausgerechnet dort, wo Anleger zuletzt am empfindlichsten reagierten: beim Ausblick.

Der Quartalsumsatz kletterte um 13 Prozent auf 12,56 Milliarden Dollar, der Gewinn wuchs um 8,8 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie lag mit 0,80 Dollar sogar einen Cent über den Erwartungen. Auch die operative Marge überzeugte: Mit 33,2 Prozent übertraf sie die eigene Zielmarke von 32,6 Prozent klar.

Trotzdem reagierte der Markt mit Kursverlusten von über sieben Prozent — die Aktie fiel auf etwa 70 Dollar. Der Grund liegt im Ausblick: Für das dritte Quartal stellt Netflix 12,86 Milliarden Dollar in Aussicht, rund 150 Millionen Dollar weniger als der Konsens erwartet hatte. Die Jahresprognose engt der Konzern auf 51,0 bis 51,4 Milliarden Dollar ein, ohne den bisherigen Mittelpunkt anzuheben.

Werbung und Preiserhöhungen reichen nicht

Der Abschlag zielt auf das Wachstumstempo. Hohe Profitabilität allein überzeugt die Anleger offenbar nicht mehr, solange Werbeeinnahmen und Preiserhöhungen den nachlassenden Schub aus dem früheren Vorgehen gegen geteilte Konten nicht sichtbar ersetzen. Für 2026 peilt Netflix einen Werbeumsatz von rund drei Milliarden Dollar an — dieser müsste sich stärker im Gesamtumsatz niederschlagen, um die Wachstumssorgen zu zerstreuen.

Hinzu kommt ein strategischer Rückschlag: Bei der Übernahme von Warner Bros Discovery zog Netflix gegen Rivale Paramount Skydance den Kürzeren. Immerhin brachte die ausgelöste Vertragsstrafe im Februar 2,8 Milliarden Dollar ein, was im aktuellen Quartal allerdings auch die Steuerzahlungen erhöhte. Manche Marktbeobachter werteten den Übernahmeversuch selbst schon als Reaktion auf Sorgen um sinkende Zuschauerzahlen bei Folgestaffeln populärer Serien.

Netflix reduziert künftig zudem die Transparenz bei Nutzungsdaten: Popularitätszahlen zu Filmen und Serien will der Konzern nur noch einmal jährlich statt zweimal veröffentlichen.

Die Aktie hat seit Jahresbeginn bereits mehr als 20 Prozent verloren, über die vergangenen Monate summiert sich das Minus auf über 40 Prozent. Ob die aktuellen Zahlen einen Boden markieren, hängt davon ab, wie schnell sich das Werbegeschäft im Umsatzwachstum niederschlägt — solange der Umsatzpfad unter den Schätzungen bleibt, dürfte die hohe Marge den Gewinn zwar stützen, aber keine höhere Bewertung rechtfertigen.

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