Netflix Aktie: Übernahme-Risiko

Netflix legt ein Barangebot von 82,7 Milliarden Dollar für Warner-Bros.-Assets vor, was regulatorische Bedenken auslöst und Aktienrückkäufe stoppt. Solide Quartalszahlen werden von der Unsicherheit überschattet.

Die Kernpunkte:
  • Milliardenangebot für Warner-Bros.-Sparte inklusive HBO
  • Aktienrückkäufe für Übernahmefinanzierung ausgesetzt
  • Regulierungsbehörden äußern kartellrechtliche Bedenken
  • Solide Quartalszahlen, aber moderateres Wachstum 2026

Netflix hat die Handelswoche mit einer spürbaren Erholung beendet. Der Kurs legte heute um gut 3 % auf 86,12 US-Dollar zu, bleibt aber deutlich unter dem Allzeithoch aus dem Vorjahr. Im Mittelpunkt steht weniger das laufende Geschäft als der aggressive Vorstoß zur Übernahme zentraler Teile von Warner Bros. Discovery.

Eskalierende WBD-Offerte

Der wichtigste Treiber der aktuellen Schwankungen ist die geplante Akquisition der Studio- und Streaming-Sparte von Warner Bros. Discovery (WBD). Netflix hat ein reines Barangebot über 82,7 Milliarden US-Dollar für den Bereich „Warner Bros.“ auf den Tisch gelegt, inklusive HBO und DC. Die linearen TV-Sender von WBD sollen nach den Plänen abgespalten werden.

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Die Lage hat sich heute weiter zugespitzt. Co-CEO Greg Peters griff öffentlich das konkurrierende Angebot von Paramount/Skydance an, das WBD insgesamt mit 108,4 Milliarden US-Dollar (30 US-Dollar je Aktie) bewertet. Er bezeichnete die mit dem Paramount-Gebot verbundenen Schulden als „verrückt“ und stellte klar, dass Netflix im Erfolgsfall das bestehende HBO-Führungsteam um Casey Bloys halten will.

Für Aktionäre hat die Übernahmeoffensive unmittelbare Folgen: Netflix hat das laufende Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt, um Liquidität für die mögliche Transaktion zu sichern.

Regulatorische Risiken rücken in den Fokus

Parallel wächst der Widerstand der Aufsichtsbehörden. Heute äußerte FCC-Chef Brendan Carr ausdrücklich wettbewerbsrechtliche Bedenken gegen einen Zusammenschluss von Netflix und Warner. Die Kombination von 325 Millionen Netflix-Abonnenten mit der HBO-Bibliothek könnte eine marktbeherrschende Stellung schaffen, die Kartellbehörden in den USA und der EU kritisch prüfen dürften.

Diese regulatorische Unsicherheit belastet die Bewertung zusätzlich, da sich ein Prüfverfahren über Monate hinziehen und Auflagen oder sogar ein Veto nach sich ziehen könnte.

Starke Q4-Zahlen, langsameres Wachstum

Operativ zeigt Netflix trotz Übernahmethema solide Fortschritte. Im vierten Quartal 2025 übertraf der Konzern die Markterwartungen leicht:

  • Umsatz: 12,05 Mrd. US-Dollar (+18 % gegenüber Vorjahr, Konsens: 11,97 Mrd. US-Dollar)
  • Gewinn je Aktie (EPS): 0,56 US-Dollar (Erwartung: 0,55 US-Dollar)
  • Abonnenten: Schwelle von 325 Mio. zahlenden Nutzern überschritten
  • Ausblick 2026: Umsatzprognose 51,2 Mrd. US-Dollar (+13 %), freier Cashflow rund 11 Mrd. US-Dollar

Die neue Jahresprognose signalisiert jedoch eine Abkühlung des Wachstums im Vergleich zu den 16 % Umsatzplus im Jahr 2025. In Kombination mit dem kapitalintensiven WBD-Gebot sorgt das für verhaltene Reaktionen institutioneller Investoren.

Analysten senken Kursziele

Nach Vorlage der Quartalszahlen und Bestätigung der WBD-Offerte haben mehrere große Häuser heute ihre Kursziele gesenkt und vor allem auf Transaktionsrisiken und den Stopp der Aktienrückkäufe verwiesen:

  • Argus: Ziel von 141 auf 110 US-Dollar reduziert (Einstufung: Buy)
  • Baird: Ziel von 150 auf 120 US-Dollar gesenkt
  • UBS: Ziel von 150 auf 130 US-Dollar gekürzt
  • Bernstein Research: Einstufung „Outperform“ mit Ziel 115 US-Dollar bekräftigt und langfristig sinkende Content-Kosten durch KI-Einsatz hervorgehoben

Damit spiegeln die neuen Kursziele die erhöhte Unsicherheit rund um Finanzierung, Integration und Regulierung wider.

Wichtige Kennzahlen im Überblick

  • Aktueller Kurs: 86,12 US-Dollar
  • Marktkapitalisierung: 393,52 Mrd. US-Dollar
  • KGV: 34,04
  • 52-Wochen-Spanne: 81,93 – 134,12 US-Dollar
  • Kurzfristige technische Unterstützung: 80,00 US-Dollar
  • Gebot für WBD-Assets: 82,7 Mrd. US-Dollar in bar

Fazit: Kurs an Übernahme geknüpft

Die kurzfristige Entwicklung der Netflix-Aktie hängt derzeit weniger an klassischen Kennzahlen wie Nutzerwachstum oder Quartalsergebnissen, sondern vor allem am Ausgang des Bieterkampfs um Warner Bros. Discovery. Das Kerngeschäft generiert weiterhin hohen freien Cashflow, gleichzeitig erhöhen ausgesetzte Aktienrückkäufe und mögliche Auseinandersetzungen mit der FCC das Risiko.

Der Markt bewertet aktuell die Wahrscheinlichkeit, dass Netflix die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte durchzieht, ohne den Aktionärswert durch hohe Verschuldung oder weitreichende Zugeständnisse an die Aufsicht spürbar zu verwässern.

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