Netflix: Hastings nach 29 Jahren aus Board

Netflix verliert Mitgründer Reed Hastings aus dem Verwaltungsrat und setzt auf Live-Sport und Werbung für weiteres Wachstum.

Die Kernpunkte:
  • Reed Hastings verlässt den Verwaltungsrat
  • Netflix verhandelt über NFL-Rechteausbau
  • Werbeeinnahmen sollen sich 2026 verdoppeln
  • Aktie erholt sich nach starkem Kursrückgang

Reed Hastings geht. Nach 29 Jahren verlässt der Netflix-Mitgründer den Verwaltungsrat — und hinterlässt eine Frage, die Investoren gerade mehr beschäftigt als jede Quartalszahl: Wie viel Wachstumsdynamik steckt noch im Unternehmen ohne sein prägendstes Gesicht?

Hastings hatte seine Entscheidung am 10. April intern kommuniziert. Netflix gab sie am 16. April zusammen mit den Q1-Zahlen bekannt. Er bleibt bis zur Jahreshauptversammlung Vorsitzender und Direktor. Einen Nachfolger hat der Verwaltungsrat noch nicht benannt. Rich Greenfield von LightShed Partners brachte es gegenüber CNBC auf den Punkt: Der Abgang „verunsichere Investoren“.

Operativ ändert sich wenig. Co-CEO Greg Peters und Ted Sarandos führen das Tagesgeschäft bereits seit 2023. Hastings‘ Abgang entfernt jedoch eine symbolische Figur — genau in dem Moment, in dem Anleger fragen, welcher Wachstumshebel als nächstes zieht.

NFL-Rechte als nächste Wette

Sarandos lieferte auf dem Earnings Call eine Antwort: Live-Sport. Netflix verhandelt aktiv mit der NFL über ein erweitertes Rechtepaket. Konkret geht es um einen Ausbau von zwei auf vier Spiele — darunter ein neues Thanksgiving-Eve-Spiel und ein internationales Spiel. Das aktuelle Christmas-Deal-Paket läuft nach dieser Saison aus.

Die NFL verkauft gerade ein Fünf-Spiele-Paket an mehrere Bieter. Das treibt die Rechtekosten. Netflix konkurriert dabei mit etablierten Broadcast-Partnern, die ihre eigenen Deals neu verhandeln.

Werbung macht den Sport rentabel

Hinter der Sportrechte-Strategie steckt ein klares Kalkül: das Werbegeschäft. Der günstige Abo-Tarif für 8,99 Dollar monatlich macht inzwischen über 60 Prozent aller Neuzugänge in werbefinanzierten Märkten aus. Netflix arbeitet mit über 4.000 Werbekunden — ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Unternehmen erwartet für 2026 rund drei Milliarden Dollar Werbeeinnahmen. Das wäre eine Verdopplung gegenüber 2025. Im ersten Quartal streamte Netflix über 70 Live-Events, darunter die World Baseball Classic in Japan mit 31,4 Millionen Zuschauern. Live-Inhalte sind der Treiber dieses Wachstums.

Kurs stabilisiert sich, Jahresziele bleiben

Die Aktie hatte am 17. April fast zehn Prozent verloren — der stärkste Tagesrückgang seit sechs Monaten. Auslöser war ein enttäuschender Q2-Ausblick. Seither pendelt der Kurs um die 93-Dollar-Marke.

Retail-Investoren kaufen. In den vergangenen fünf Handelstagen flossen netto 290 Millionen Dollar von Privatanlegern in die Aktie — der höchste Wert seit Dezember 2025. Ein Analyst von William Blair stuft den Kursrückgang als Überreaktion ein. Er verweist auf Margenwachstum und ein stabiles Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren Zehnprozentbereich.

Die Jahresziele stehen: Netflix hält an einem Umsatzwachstum von zwölf bis 14 Prozent und einer operativen Marge von 31,5 Prozent fest. Den Free Cashflow erwartet das Unternehmen bei rund 12,5 Milliarden Dollar — angehoben von zuvor elf Milliarden, unter anderem wegen einer Abfindungszahlung im Zusammenhang mit Warner Bros. Ob die NFL-Verhandlungen bis zur nächsten Ergebnispräsentation abgeschlossen sind, wird zeigen, wie ernst Netflix die Live-Sport-Strategie wirklich meint.

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