Netlist Aktie: Micron-Streit endet mit Patentvernichtung

Ein US-Berufungsgericht bestätigt fünf ungültige Netlist-Patente. Die Aktie verliert 23 Prozent, während Roth Capital am Kaufziel festhält.

Die Kernpunkte:
  • Fünf Netlist-Patente bleiben ungültig
  • Micron setzt sich vor Gericht durch
  • Netlist-Aktie verliert 23 Prozent
  • Roth Capital bestätigt Kaufempfehlung

Netlist musste am gestrigen Mittwoch eine empfindliche Niederlage im juristischen Streit um geistiges Eigentum hinnehmen. Das zuständige US-Berufungsgericht bestätigte eine Entscheidung des Patent Trial and Appeal Board (PTAB), nach der fünf Patente des Unternehmens für Speicherchip-Konfigurationen ungültig sind.

Das Gericht folgte damit der Argumentation des Halbleiterherstellers Micron, wonach die beanspruchten Innovationen angesichts des Stands der Technik als naheliegend zu betrachten seien.

Berufungsgericht bestätigt Ungültigkeit von fünf Patenten

In dem Verfahren, das sich auf technische Spezifikationen für Hochleistungsspeicher konzentrierte, wurde die Aufhebung sämtlicher Ansprüche des Patents 10.949.339 sowie vier weiterer Schutzrechte untermauert.

Während sich Samsung bereits zuvor durch einen Vergleich aus dem Rechtsstreit zurückgezogen hatte, blieb Micron als einziger Berufungsbeklagter aktiv. Die Entscheidung des Bundesberufungsgerichts entzieht Netlist damit die Grundlage für weitere Entschädigungsforderungen gegen den US-Chipriesen in diesen spezifischen Fällen.

Die betroffenen Patente wurden als offensichtlich eingestuft, was im US-Patentrecht bedeutet, dass die technische Lösung zum Zeitpunkt der Anmeldung für einen Fachmann der Branche nicht über den gewöhnlichen Fortschritt hinausging. Für Netlist ist dies ein herber Rückschlag, da das Geschäftsmodell des Unternehmens maßgeblich auf der Verwertung und dem Schutz seines Patentportfolios in der Halbleiterindustrie basiert.

Massive Kursverluste nach Gerichtsurteil

Die Reaktion an der Börse fiel am gestrigen Mittwoch entsprechend deutlich aus. Die Aktie von Netlist brach nach Bekanntwerden der Gerichtsentscheidung um 23 Prozent ein und beendete den Handel bei einem Schlusskurs von 5,15 USD. Damit verzeichnete das Papier den schwächsten Handelstag seit Oktober des vergangenen Jahres.

Marktteilnehmer reagierten besorgt auf die Schwächung der rechtlichen Position des Unternehmens gegenüber einem der weltweit führenden Speicherhersteller.

Trotz dieses massiven Rücksetzers verbleibt die Aktie in der langfristigen Betrachtung auf einem hohen Niveau. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus für Anleger weiterhin auf 479 Prozent. Diese enorme Wertsteigerung war in den vergangenen Monaten vor allem durch die Hoffnung auf erfolgreiche Klagen und Lizenzabschlüsse im Bereich der KI-Speichertechnologien getrieben worden.

Analysten halten trotz Rückschlag an Kaufempfehlung fest

Ungeachtet der gerichtlichen Niederlage äußern sich Analysten weiterhin optimistisch für die langfristige Entwicklung. Die Experten von Roth Capital bekräftigten nach der Entscheidung ihre Kaufempfehlung für Netlist.

Das Analysehaus sieht das Kursziel unverändert bei 15 USD. Sie verweisen darauf, dass das Unternehmen trotz der verlorenen Patente weiterhin über ein breites Portfolio verfügt, welches für die aktuelle Entwicklung im Halbleitermarkt relevant bleibt.

Die rechtliche Auseinandersetzung ist Teil einer umfassenderen Strategie von Netlist, Lizenzgebühren von den großen Akteuren des Marktes einzufordern. Erst vor rund einem Monat hatte eine Lizenzvereinbarung mit Samsung die Märkte bewegt, was die Aktie zu diesem Zeitpunkt stützte.

Die nun bestätigte Ungültigkeit der fünf Patente gegen Micron stellt jedoch eine Zäsur dar, da sie die Verhandlungsposition in künftigen Verfahren schwächen könnte. Anleger müssen sich nun darauf einstellen, dass der Weg zu weiteren Milliardenzahlungen durch Konkurrenten steiniger geworden ist.

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