Nike Aktie: 37 Prozent Minus seit Jahresbeginn

UBS bewertet Nikes Probleme als unternehmensspezifisch, während Salomon und Asics wachsen. Neue Produkte sollen die Erholung unterstützen.

Die Kernpunkte:
  • UBS sieht Nike nicht mehr als Branchenindikator
  • Salomon und Asics wachsen deutlich
  • Jordan bringt neues Basketballmodell heraus
  • Margenanstieg ab Geschäftsjahr 2027 erwartet

Der US-Sportartikelriese Nike steht vor einer kritischen Neuausrichtung, während die Konkurrenz am globalen Markt vorbeizieht. Laut einer Analyse von UBS gilt das Unternehmen nicht mehr als der entscheidende Indikator für die allgemeine Verfassung der Sportbranche.

Während Nike mit internen Herausforderungen kämpft, zeigen Daten für das erste Halbjahr 2026, dass der breitere Markt für Performance-Schuhe weiterhin gesund ist. So verzeichneten Marken wie Salomon mit 35 Prozent und Asics mit knapp 23 Prozent im zweiten Quartal deutliche Wachstumsraten, während Nike für das abgelaufene Geschäftsjahr einen leichten Umsatzrückgang hinnehmen musste.

Unternehmensspezifische Schwäche bremst den Kurs

Jay Sole, Analyst bei UBS, ordnet die aktuellen Probleme von Nike als unternehmensspezifisch ein. Die Branche an sich präsentiere sich robust, was zweistellige Zuwachsraten im Laufschuh-Segment in den USA und Europa unterstreichen.

Nike hingegen leidet unter den Folgen einer Strategie, die sich zu stark auf den Direktvertrieb konzentriert und dabei die Innovationskraft sowie die Präsenz im Großhandel vernachlässigt hat. Gestern schloss die Aktie im deutschen Handel bei 32,99 Euro.

Das Papier hat seit Beginn des Jahres massiv an Boden verloren und weist eine Performance von minus 37 Prozent seit Jahresbeginn auf. Mit einem aktuellen Kursniveau, das lediglich 0,7 Prozent über dem 52-Wochen-Tief notiert, spiegelt die Bewertung die Skepsis der Anleger wider.

Experten verweisen darauf, dass die Aktie inzwischen rund 78 Prozent unter ihrem Allzeithoch aus dem Jahr 2021 liegt. Trotz eines schwierigen Umfelds konnte Nike im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Gewinn pro Aktie von 0,72 US-Dollar ausweisen und damit die Erwartungen übertreffen, auch wenn der Gesamtumsatz im Jahresvergleich um etwa ein Prozent auf 46 Milliarden US-Dollar sank.

Fokus auf Innovation und die Marke Jordan

Um die Marktanteile zu verteidigen, setzt das Management verstärkt auf neue Produkte. Im Zentrum steht dabei die Marke Jordan, die am Mittwoch ein neues Flaggschiff-Modell für den Basketballbereich vorstellte.

Der Schuh verfügt über ein technisches Mesh-Obermaterial, das im 3D-Druckverfahren hergestellt wird, sowie eine mehrschichtige Dämpfung und ein Stabilisierungselement aus Carbonfaser. Neben dem Basketball-Segment will Nike auch im Trailrunning und mit neuen nachhaltigen Textilien, wie der „Aero-FIT“-Kollektion aus recycelten Materialien, wieder punkten.

Die Bemühungen um Produkterneuerung werden von strukturellen Maßnahmen flankiert. Das Management erwartet ab dem ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres 2027 eine Expansion der Bruttomargen.

Im vierten Quartal 2026 lag die Bruttomarge bei 49,2 Prozent, wobei dieser Wert durch einmalige Effekte wie Tarifrückerstattungen positiv beeinflusst wurde; bereinigt lag sie bei 40,2 Prozent. Analysten beobachten nun genau, ob die Rückkehr zu verstärkten Innovationen ausreicht, um den Abwärtstrend zu stoppen.

Herausforderungen durch Fälschungen und Personalwechsel

Zusätzlich zu den operativen Problemen bleibt der Markenschutz eine Daueraufgabe für den Konzern. Medienberichten zufolge beschlagnahmten Behörden in Kalifornien erst in der vergangenen Woche gefälschte Waren im Wert von rund 10 Millionen US-Dollar, darunter fast 26.000 Artikel der Marken Nike und Adidas. Solche Vorfälle belasten das Markenimage in einem Umfeld, in dem die Konkurrenz durch kleinere, spezialisierte Marken wie On oder Hoka stetig wächst.

Auch personell gibt es Bewegungen im Sektor: Heidi O’Neill, eine langjährige Nike-Managerin, übernimmt am 8. September den Chefposten beim Konkurrenten Lululemon.

Anleger warten nun gespannt auf die Veröffentlichung der nächsten Quartalszahlen Anfang Oktober, die Aufschluss darüber geben werden, ob die angekündigte Erholung der Margen und die Neuausrichtung des Sortiments bereits erste Früchte tragen. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt derzeit bei etwa 50 US-Dollar, was die Hoffnung auf ein moderates Erholungspotenzial widerspiegelt, sofern die operative Wende gelingt.

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