Nike Aktie: Jordan-Schwäche?

Truist senkt Nikes Bewertung, während schwache Kernmarken und sinkende Prognosen die Erholung erschweren.

Die Kernpunkte:
  • Truist stuft Nike auf Verkaufen herab
  • Sportswear und Jordan über 60 Prozent
  • Fünf Neueinführungen unter Ladenpreis verkauft
  • Bruttomarge steigt auf 42,8 Prozent

Nikes Erholung hängt wesentlich davon ab, ob das Unternehmen sein Sportswear- und Jordan-Geschäft stabilisieren kann. Truist hat die Aktie gestern auf Verkaufen herabgestuft und verweist dabei auf schwache Produktverkäufe, China-Risiken und eine anspruchsvolle Bewertung. Für Anleger rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, wie belastbar Nikes Weg zurück zu Wachstum ist.

Preisdruck trifft wichtige Umsatzträger

Truist senkte die Empfehlung von Halten auf Verkaufen und bestätigte das Kursziel von 29 US-Dollar. Das Analysehaus sieht eine schleppende Erholung und zunehmende Risiken im Geschäft. Die Aktie verlor gestern -2,2%, während die skeptische Einschätzung die operative Entwicklung erneut in den Fokus rückte.

Besonders schwer wiegt aus Sicht der Analysten die Schwäche wichtiger Produktlinien. Sportswear und Jordan machen über 60 Prozent des Nike-Geschäfts aus. Fünf von sieben jüngsten Nike- und Jordan-Neueinführungen wurden nach Angaben von Truist unter Ladenpreis verkauft.

Für Nike spricht die Nachfrage in anderen Sportkategorien, sofern deren Wachstum die Rückgänge der großen Umsatzträger zunehmend auffangen kann. Running, Fußball, Tennis und Golf wuchsen im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 jeweils zweistellig. Truist sieht allerdings inzwischen Gegenwind im Running-Geschäft.

Hinzu kommt der bewusste Abbau von Angebot. Nike reduzierte im selben Quartal die geplanten Dunk-Umsätze um fast 50 Prozent. Laut Management kostete dies rund 200 Millionen US-Dollar Sportswear-Umsatz. Die Bereinigung belastet damit kurzfristig das Geschäft.

Bewertung verlangt Fortschritte beim Gewinn

Truist bewertet Nike mit dem 27-Fachen des erwarteten Gewinns im zweiten Geschäftsjahr der Prognose. Vergleichsunternehmen kommen demnach auf ungefähr das 15-Fache. Das spricht gegen die Aktie, solange sich die operative Erholung aus Sicht des Hauses nur schleppend vollzieht.

Auch die Gewinnannahmen zeigen den Vorbehalt der Analysten. Truist senkte die Schätzung für das Geschäftsjahr 2028 auf 1,30 US-Dollar je Aktie. Der im Bericht genannte Analystenkonsens liegt bei 1,50 US-Dollar.

Eine freundlichere Einschätzung vertritt Bernstein. Das Haus bestätigte am Dienstag seine überdurchschnittliche Anlageempfehlung und ein Kursziel von 45 US-Dollar. Entscheidend für diese optimistischere Sicht bleibt der Ergebnispfad: Höhere Gewinne müssten die Bewertung künftig stärker tragen.

Operativ gibt es einen positiven Ansatzpunkt bei der Profitabilität. Die zuletzt berichtete Bruttomarge erreichte 42,8 Prozent nach 42,2 Prozent im Vorjahresquartal. Dieser Fortschritt spricht für Nike, sofern das Unternehmen ihn trotz sinkender Umsätze behaupten kann.

Investorentag muss den Ergebnispfad erklären

Nikes Ausblick setzt der Erholung enge Grenzen. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet das Unternehmen einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich und einen stärkeren Rückgang des operativen Ergebnisses. Angebotskürzungen sollen den Umsatz auch im folgenden Geschäftsjahr belasten.

Beim für den 16. bis 17. November geplanten Investorentag steht deshalb der Weg zu einer stabileren Geschäftsentwicklung im Mittelpunkt. Für die Aktie sprechen die wachsenden Sportkategorien und die verbesserte Bruttomarge, sofern Nike zugleich Sportswear, Jordan und China stabilisiert. Solange dort die Trendwende aussteht, bleibt die von Truist kritisierte Bewertung der zentrale Einwand.

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