Nikkei 225: 68.000 Punkte halten nicht
Der japanische Leitindex gibt einen Großteil seiner Tagesgewinne ab und schließt unter der 68.000er-Marke. Halbleiterwerte treiben, während Autobauer schwächeln.

- Index schließt unter psychologischer Marke
- Gewinnmitnahmen bremsen die Rally
- Halbleiterwerte dominieren Gewinnerliste
- Yen-Schwäche belastet Exportkonzerne
Über 1.600 Punkte ging es am Donnerstagmorgen nach oben. Am Ende blieb davon deutlich weniger übrig. Der Nikkei 225 zeigt, wie schnell Euphorie an der Tokioter Börse verpuffen kann.
Der japanische Leitindex eröffnete am Donnerstag bei 67.046,37 Punkten und kletterte im Vormittagshandel bis auf 68.447,89 Zähler. Zum Handelsschluss stand ein Plus von 924,80 Punkten oder 1,38 Prozent zu Buche, der Index schloss bei 67.743,85 Punkten. Die psychologisch wichtige Marke von 68.000 Punkten hielt damit nicht.
Ein Rally, die nur an der Oberfläche breit wirkt
Der Auslöser kam aus Übersee. Der technologielastige Nasdaq hatte sich in den USA robust gehalten, Halbleiterwerte legten zu. Feste US-Futures im nachbörslichen Handel gaben zusätzlich Rückenwind und trieben den Nikkei am Vormittag um bis zu 1.628 Punkte nach oben.
Am Nachmittag setzte dann Gewinnmitnahme ein. Anleger sorgten sich über das Tempo des Anstiegs und eine kurzfristige Überhitzung. Der breitere TOPIX-Index legte nur moderat zu, fallende Werte übertrafen die Gewinner zahlenmäßig deutlich. Diese Kluft zeigt: Die Rally stützte sich auf wenige Schwergewichte, nicht auf eine breite Markterholung.
Bemerkenswert war auch die Enttäuschung im Detail. Nach zwei Handelstagen mit vierstelligen Verlusten hatten viele Marktteilnehmer auf einen ebenso kräftigen Gegenschlag gehofft. Diesen lieferte der Index letztlich nicht.
Chips gefragt, Autobauer und Reifenhersteller schwach
Halbleiterwerte dominierten erneut die Gewinnerliste. Kioxia Holdings und Advantest zogen Käufer an, während Toyota und Reifenhersteller schwächelten. Für Aufsehen sorgte der Raumfahrtsektor: Die Mondfahrt-Firma ispace erreichte ihr Tageslimit, nachdem sie eine Partnerschaft mit SpaceX für einen Mond-Transportdienst bekanntgegeben hatte.
Der Blick nach Südkorea bestätigte das Chip-Thema. Der KOSPI-Index schloss um 0,62 Prozent im Plus, nachdem er zeitweise fast vier Prozent zugelegt hatte. SK Hynix sprang zeitweise um mehr als acht Prozent und schloss noch 5,3 Prozent höher. Samsung Electronics legte dagegen nur moderat um 0,18 Prozent zu.
Yen nahe Mehrjahrzehnt-Tief, Index unter altem Rekord
Der Yen bleibt ein Belastungsfaktor für exportlastige Konzerne im Index. Die japanische Währung notierte bei rund 162,32 Yen je Dollar und bewegt sich damit nahe eines 40-Jahres-Tiefs. Der erneute Konflikt zwischen den USA und dem Iran trieb die Ölpreise nach oben — für Japans ölabhängige Wirtschaft ein zusätzlicher Belastungsfaktor.
Trotz des starken Tagesgewinns bleibt der Index weit von seinem Rekord entfernt. Der Donnerstagsschluss liegt fast sieben Prozent unter dem Allzeithoch von 72.831,73 Punkten vom 22. Juni. Über die vergangene Woche steht dennoch ein Minus von 2,87 Prozent zu Buche, während der Index auf Monatssicht um 5,55 Prozent zulegte. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz beeindruckend: ein Plus von 70,87 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.
Der Index notiert derzeit rund 2,8 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 65.894,78 Punkten und mehr als 21 Prozent über der 200-Tage-Linie. Der RSI von 49 signalisiert dabei keine akute Überhitzung, die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 35,4 Prozent deutet aber auf ein weiterhin nervöses Marktumfeld hin.
Was den Freitag bewegen dürfte
Für den Handel am Freitag rechnen Marktbeobachter mit Gegenwind durch ETF-bedingte Verkäufe und geopolitische Risiken. Entscheidend wird sein, ob der Index die Unterstützung bei 66.819 Punkten hält — dem Tief vom Beginn der Woche.
Zusätzliche Spannung bringt das Nasdaq-Debüt von SK Hynix am Freitag. Der Börsengang gilt als wichtiger Stimmungstest für den gesamten Speicherchip- und Halbleitersektor. Ein starker Start könnte eine weitere Rally bei asiatisch-pazifischen Halbleiterwerten auslösen, einschließlich in Tokio. Eine enttäuschende Aufnahme dagegen könnte die Bewertungssorgen neu entfachen, die zuletzt für Volatilität gesorgt haben.
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