Nikkei 225: Halbleiter-Schwung vorbei?

Der japanische Leitindex verlor 0,9 Prozent; steigende Tokioer Kerninflation und uneinheitliche Konjunkturdaten prägten die Marktlage.

Die Kernpunkte:
  • Nikkei schloss 0,9 Prozent niedriger
  • Industrieindex stieg auf plus 24
  • Dienstleistungsindex fiel auf plus 35
  • Tokioer Kerninflation erreichte 2,7 Prozent

Nach einem kräftigen Kurssprung zur Wochenmitte hat der japanische Leitindex das Handelsgeschehen am Freitag mit leichten Abgaben beendet. Anleger nutzten das gestiegene Kursniveau vor dem Wochenende für Gewinnmitnahmen, während gemischte Konjunktursignale und die geldpolitische Debatte für Zurückhaltung sorgten. Der Nikkei 225 schloss am Freitag mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 68.309,46 Punkten.

Gewinnmitnahmen bremsen Halbleiter-Schwung

Der Rücksetzer folgte auf eine dynamische Erholung am Donnerstag. Zu Beginn des Monats hatte der Index noch um 3,30 Prozent auf 68.956,72 Zähler zugelegt. Getrieben wurde diese Aufwärtsbewegung vor allem von japanischen Halbleiter- und KI-Werten, nachdem ein optimistischer Geschäftsausblick des US-Konzerns Micron Technology das Vertrauen in die weltweite Chipnachfrage gestärkt hatte.

Am Freitag setzte jedoch eine Gegenbewegung ein. Neben geopolitischen Risiken veranlassten Zins- und Inflationssorgen Marktteilnehmer dazu, aufgelaufene Kursgewinne abzusichern. Zu den größten Verlierern im japanischen Leitindex zählten vor dem Wochenende die Papiere der SoftBank Group, des Autobauers Nissan Motor sowie des Medizintechnikunternehmens Terumo.

Zugleich lieferte die Bank of Japan am Donnerstag mit ihrer vierteljährlichen Tankan-Umfrage für September ein uneinheitliches Stimmungsbild der heimischen Wirtschaft. Der Stimmungsindex für die großen Industrieunternehmen verbesserte sich von plus 22 Punkten im Juni auf plus 24 Zähler.

Dagegen trübte sich die Zuversicht im Dienstleistungssektor leicht ein: Der entsprechende Index für große Nicht-Industrieunternehmen sank von plus 37 auf plus 35 Punkte.

Zinsdebatte und Notenbank-Ausblick im Fokus

Für anhaltende Aufmerksamkeit sorgt der geldpolitische Kurs der Notenbank. Wie Reuters unter Berufung auf offizielle Daten berichtete, zog die Kerninflation für den Großraum Tokio im September auf 2,7 Prozent im Jahresvergleich an, nach 1,8 Prozent im August. Analysten hatten im Mittel lediglich mit 2,4 Prozent gerechnet. Die Kennziffer ohne frische Lebensmittel und Energie erreichte eine Teuerungsrate von 3,0 Prozent.

Die Beschleunigung der Teuerung verleiht den Erwartungen weiterer Zinsschritte der Währungshüter zusätzliches Gewicht. Laut Reuters geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Zusammenfassung der Meinungen der Bank of Japan zur September-Sitzung hervor, dass sich einzelne Ratsmitglieder für eine Beschleunigung von Zinserhöhungen aussprachen, um den Leitzins zügig näher an das angestrebte Zielniveau heranzuführen.

Klarheit über die weitere Ausrichtung verspricht die nächste Zinsentscheidung der Notenbank, die für den 29. und 30. Oktober terminiert ist und mit aktualisierten vierteljährlichen Wirtschaftsprognosen einhergeht.

Abseits der geldpolitischen Faktoren gab es unter der Woche eine vorübergehende technische Anpassung im Index. Medienberichten zufolge wurde Kurasasuke Chemical am Tag des Börsengangs infolge der Abspaltung von Resonac Holdings kurzzeitig in den Nikkei 225 aufgenommen und am Mittwoch planmäßig wieder aus dem Auswahlbarometer gestrichen. Trotz des jüngsten Rücksetzers verzeichnet der Leitindex seit Jahresbeginn ein Plus von 36 Prozent.

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