NIO: Wird der Tesla-Herausforderer zur Enttäuschung?

Als der chinesische Elektroauto-Hersteller NIO seinen Börsengang ankündigte, glaubten viele Anleger, dass hier nun ein ernsthafter Konkurrent von Tesla nicht nur im operativen Geschäft, sondern letztlich auch an der Börse auf den Plan tritt.

Allerdings kam sehr schnell die Ernüchterung. Denn statt einer erhofften 20-Milliarden-Dollar-Bewertung wurde NIO beim Börsengang nur mit 6,4 Milliarden Dollar bewertet. Immerhin:

Hohe Volatilität

In den ersten Handelstagen konnte die Aktie dann doch deutlich zugewinnen und brachte frühen Investoren eine mehr als Verdoppelung ihrer Einsätze. Allerdings ging es dann auch wieder steil abwärts, sodass zeitweise sogar der Handel ausgesetzt werden musste. Bei einem Wert wie NIO sollte das allerdings nicht gänzlich überbewertet werden, da hier noch viel ins Blaue hinein spekuliert wird und auch die Vorgänge bei Tesla ihren Tribut forderten. Viel wichtiger ist, ob NIO selbst in der Lage wäre, eine eigenständige Investmentstory zu schreiben. Und daran zweifeln inzwischen nicht wenige Investoren.

Wie sind die Aussichten?

Das Problem: Wie Tesla versucht auch NIO zuerst in den Premium-Automarkt hineinzukommen. Die Frage ist allerdings, wie aufnahmefähig dieses Marktsegment überhaupt für mehrere Hersteller von Elektrofahrzeugen sein kann. Hinzu kommt, dass die weitere Finanzierung auch nach dem Börsengang alles andere als geklärt ist. Allein in China sprießen Firmen, die künftig Elektroautos bauen wollen, wie Pilze aus dem Boden. Das zersplittert mögliche Investmentvolumen.

Wie lange reicht das Geld?

NIO selbst hatte im ersten Halbjahr gut 700 Million Dollar für Investitionen und operative Kosten benötigt. Vor dem Börsengang verfügte man noch über knapp 668 Millionen Dollar an Barreserven. Da hätte man ohne Börsengang also nur noch ein halbes Jahr durchhalten können. Mit der Milliarde Dollar, die man durch den Börsengang hereingenommen hat, entspannt sich die Lage natürlich. Doch ohne signifikante Umsatzsteigerungen ist auch hier weiterer Geldbedarf absehbar.

NIO bald mit Kapitalerhöhung?

Entsprechend negativ äußerte sich zuletzt auch die amerikanische Investmentfirma Bernstein. Diese rechnet damit, dass NIO in den nächsten 12-18 Monaten das nächste Mal den Kapitalmarkt anzapfen muss, um weitermachen zu können. Die Prognose mit der wohl größten Tragweite: Bernstein rechnet damit, dass NIO erst ab 2025 schwarze Zahlen schreiben kann. Alles also Informationen, die das Interesse der Anleger an der Aktie deutlich dämpfen könnte.

%d Bloggern gefällt das: