Nokia Aktie: 1 Gigawatt KI-Infrastruktur in Südostasien

Nokia expandiert mit KI-Partnerschaft in Südostasien und 5G-Deal in Taiwan. Trotz starker Quartalszahlen verliert die Aktie an Wert.

Die Kernpunkte:
  • KI-Plattform mit Gigawatt-Kapazität geplant
  • 5G-Ausbau in Taiwan vereinbart
  • Aktie verliert trotz guter Zahlen
  • Analysten streiten über Kursziel

Nokia baut sein Geschäft mit Rechenzentren und Mobilfunknetzen in Asien in dieser Woche gleich zweifach aus. Am Donnerstag kündigte der finnische Netzwerkausrüster gemeinsam mit weiteren Technologiekonzernen eine Partnerschaft an, mit der eine der größten KI-Infrastrukturplattformen Südostasiens entstehen soll. Ziel ist es, gemeinsam eine Kapazität von einem Gigawatt für NVIDIA-DSX-AI-Factory-Systeme aufzubauen, wie Nokia mitteilte.

Neuer 5G-Vertrag mit Taiwan Mobile

Nur wenige Tage zuvor hatte Nokia eine Vereinbarung mit Taiwan Mobile bekanntgegeben. Der Ausrüster liefert für den Ausbau des taiwanischen 5G-Netzes sein AirScale-Portfolio, darunter neue Basisbandtechnik und Funklösungen samt zugehöriger Software für KI-fähige Mobilfunknetze. Beide Vereinbarungen fügen sich in eine Strategie, mit der Nokia sein klassisches Netzwerkgeschäft zunehmend mit dem KI- und Cloud-Boom verzahnt.

Aktienkurs bleibt unter Druck

An der Börse kommt die Nachrichtenflut bislang nur bedingt an. Am Freitag schloss die Nokia-Aktie bei 8,15 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von 45,80 Prozent, doch allein in den vergangenen 30 Tagen hat das Papier 21,97 Prozent verloren. Die Diskrepanz zwischen operativen Fortschritten und Kursverlauf dürfte Anleger vor allem deshalb irritieren, weil Nokia zuletzt mit soliden Geschäftszahlen aufwarten konnte.

Analysten uneins über das Kursziel

Bei den Analysten zeigt sich ein gespaltenes Bild. Oliver Wong von Bank of America Securities hob sein Kursziel für Nokia am 3. August auf 18,50 US-Dollar von zuvor 18 US-Dollar an und bestätigte seine Kaufempfehlung. Er begründete den Schritt mit dem nach seiner Einschätzung überdurchschnittlich gefüllten KI-Auftragsbuch sowie dem Wachstum im Optik- und Hyperscaler-Geschäft. Deutlich vorsichtiger positionierte sich dagegen die Deutsche Bank: Sie senkte ihr Kursziel am 27. Juli von 13,50 Euro auf 11,50 Euro, hielt an der Kaufempfehlung jedoch fest.

Starke Zahlen als Fundament

Der Optimismus der Analysten stützt sich auf das Ende Juli vorgelegte Quartalsergebnis. Für das zum 30. Juni beendete zweite Quartal 2026 meldete Nokia einen Nettoumsatz von 4,82 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent zum Vorjahr auf Basis konstanter Wechselkurse. Der Auftragseingang im Bereich KI und Cloud verdoppelte sich mehr als, auf 2,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie auf vergleichbarer Basis kletterte auf 0,07 Euro von 0,04 Euro im Vorjahresquartal, die operative Marge legte um 70 Basispunkte auf 9 Prozent zu.

Für das dritte Quartal stellte Nokia ein Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal bei stabilem Gewinn in Aussicht. Für das Gesamtjahr 2026 hob der Konzern die Prognose für den vergleichbaren operativen Gewinn auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an und senkte gleichzeitig die Investitionsausgaben auf 800 bis 900 Millionen Euro. Parallel beschleunigt Nokia seinen Konzernumbau: Die Integration der China-Aktivitäten soll nun binnen zwei statt drei Jahren abgeschlossen sein, wofür bis Ende 2026 Integrationskosten von 350 Millionen Euro anfallen. Zusätzlich fielen im zweiten Quartal Restrukturierungskosten von 390 Millionen Euro an, für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit rund 800 Millionen Euro – bei einem angepeilten Bruttoeinsparungsvolumen von 800 Millionen bis 1,2 Milliarden Euro bis Jahresende.

Die Kombination aus wachsendem KI-Auftragsbestand, neuen Partnerschaften in Asien und einem strafferen Sparprogramm liefert damit reichlich Argumente für die zuversichtlichen Analystenstimmen – während der jüngste Kursrückgang zeigt, dass der Markt diese Fortschritte noch nicht vollständig honoriert.

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