Nokia Aktie: 105 Prozent Wachstum bei KI-Kunden

Nokia-Aktie erholt sich nach deutlichem Kursrückgang. KI-Cloud-Umsätze verdoppeln sich, Rekordaufträge und angehobene Prognose stützen die Erholung.

Die Kernpunkte:
  • Kurserholung nach 41-Prozent-Rückgang
  • KI-Cloud-Umsätze verdoppeln sich
  • Rekordaufträge von 2,8 Milliarden Euro
  • Nvidia-Partnerschaft für AI-RAN-Plattform

Minus 41 Prozent zum Jahreshoch, aber plus 18,6 Prozent in nur sieben Tagen. Diese Zahlen passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Für mich ergeben sie aber ein klares Bild: Der Markt korrigiert gerade eine übertriebene Euphorie – und findet dabei einen fairen Boden für eine Aktie, deren Geschäft sich fundamental verändert.

Nokia notiert aktuell bei 8,79 Euro. Im Juni lag die Aktie noch bei 14,97 Euro, dem 52-Wochen-Hoch. Der Rückgang ist brutal, keine Frage. Aber er sagt mehr über die Erwartungshaltung der Anleger im Frühsommer aus als über die tatsächliche Substanz des Unternehmens.

Technische Reparatur, fundamentaler Fortschritt

Der Kurs bewegt sich derzeit rund 19 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 10,90 Euro. Das zeigt: Die kurzfristige Erholung ist noch fragil. Entscheidender finde ich den Blick auf den langfristigen Trend. Die Aktie liegt gut 10 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 7,99 Euro – ein Wert, der die Grundrichtung seit Monaten stützt.

Der RSI steht bei 44. Weder überkauft noch überverkauft. Das spricht dafür, dass die jüngste Rally kein spekulativer Ausreißer ist, sondern eine nüchterne Neubewertung.

Mehr als nur Telekomausrüster

Am Mittwoch wurde Nokia als Finalist für die Network X Awards nominiert, unter anderem in den Kategorien „Leading Data Centre Networks Solution“ und „Best All-Round Optical Transport Vendor“. Eine Randnotiz, könnte man meinen. Für mich ist sie ein weiteres Indiz dafür, dass sich Nokia erfolgreich vom klassischen, zyklischen Telekomgeschäft löst.

Während Konkurrent Ericsson zuletzt mit rückläufigen Umsätzen kämpfte, zeigte Nokias jüngstes Quartal die gegenteilige Dynamik. Die Umsätze mit KI- und Cloud-Kunden verdoppelten sich nahezu – ein Plus von 105 Prozent im Jahresvergleich. Getragen wird dieses Wachstum von der Übernahme des optischen Netzwerkspezialisten Infinera, mit der Nokia Berichten zufolge rund 30 Prozent Marktanteil im globalen Optik-Geschäft erobert hat.

Der Auftragsbestand als Sicherheitsnetz

Mein Argument für eine vorsichtig positive Einschätzung stützt sich vor allem auf die schiere Menge bestätigter Aufträge. Nokia meldete zuletzt neue KI- und Cloud-Aufträge im Volumen von 2,8 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Das Management hob zudem die Gewinnprognose für das Gesamtjahr leicht an, auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro operativem Ergebnis.

Das sind keine vagen Zukunftsversprechen. Das sind Verträge, die bereits durch die Bücher laufen.

Hinzu kommt die Partnerschaft mit Nvidia zum Aufbau einer kommerziellen AI-RAN-Plattform. Damit verschiebt sich Nokias Geschäftsmodell von reinem Hardware-Verkauf hin zu margenstarken Software-Lizenzen. Genau dieser Wandel könnte das Ausführungsrisiko adressieren, das die Bewertung des Konzerns jahrelang belastet hat.

Mein Fazit: Qualität zum reduzierten Preis

Der Abstand von 41 Prozent zum Jahreshoch wirkt beängstigend. Für fundamental orientierte Anleger ist er aus meiner Sicht aber eher eine notwendige Abkühlung überzogener Erwartungen. Bei 14,97 Euro war die Aktie auf Perfektion gepreist. Bei 8,79 Euro ist sie auf einen Übergang gepreist, der bereits sichtbar im Gange ist.

Die Quartalsdividende von 0,04 Euro je Aktie (Ex-Tag: 27. Juli 2026) liefert einen kleinen Einkommensbaustein, während der Konzern kräftig in seine Chipproduktion in Arizona und in 5G-Advanced-Technologie investiert. Solange sich der Kurs über dem 200-Tage-Durchschnitt hält, spricht für mich mehr für eine fortgesetzte Bodenbildung als für einen erneuten Einbruch – getragen von wachsendem Marktvertrauen in Nokias Rolle als Rückgrat der KI-Infrastruktur.

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