Nokia Aktie: 18,37-Prozent-Sturz in sieben Tagen

Nokia-Aktie fällt nach Gewinnmitnahmen und Branchenschwäche. Analysten bleiben optimistisch, Quartalszahlen am 23. Juli im Fokus.

Die Kernpunkte:
  • Kursverlust von über zwei Prozent
  • Branchenweiter Ausverkauf bei Technologiewerten
  • Neue AI-RAN-Plattform mit Nvidia vorgestellt
  • Analysten bestätigen positive Bewertung

Am Freitag schloss das Papier bei 8,89 Euro und damit 2,11 Prozent niedriger. Der Relative-Stärke-Index von 31,5 signalisiert eine überverkaufte Situation – ein deutlicher Kontrast zu den vorangegangenen Monaten, in denen der Kurs von einer regelrechten Rally getragen wurde. Berichten zufolge steuert das Papier auf die schwächste Woche seit fünf Jahren zu, nachdem Anleger nach dem starken KI-getriebenen Anstieg der vergangenen zwölf Monate Gewinne mitnehmen.

Chip-Sektor im Ausverkauf, Ericsson belastet zusätzlich

Auslöser der jüngsten Schwäche ist ein branchenweiter Ausverkauf bei Technologiewerten. Das chinesische Unternehmen Moonshot AI hatte am 17. Juli sein neues KI-Modell Kimi K3 mit 2,8 Billionen Parametern vorgestellt, das nach Einschätzung von Marktbeobachtern mit Modellen von OpenAI und Anthropic konkurrieren kann und zu deutlich günstigeren Konditionen angeboten wird. Die Nachricht schürte Zweifel an der Nachhaltigkeit der milliardenschweren KI-Investitionen und schickte den Philadelphia Semiconductor Index in einen Bärenmarkt – der Index lag rund 20 Prozent unter seinem Rekordhoch von Ende Juni. Zusätzlich belastete Nokia, dass Wettbewerber Ericsson mit schwachen Quartalszahlen und Warnungen zu steigenden Kosten für KI-Infrastruktur enttäuschte. Beide Faktoren zusammen drückten die gesamte Telekomausrüster- und Chipbranche nach unten.

AI-RAN-Plattform mit Nvidia als Hoffnungsträger

Inhaltlich bleibt Nokia jedoch im Zentrum der KI-Erzählung in der Telekombranche. Am 15. Juli hat das Unternehmen gemeinsam mit Nvidia die nach eigenen Angaben erste kommerziell verfügbare AI-RAN-Plattform vorgestellt. Die Technologie soll die spektrale Effizienz von Mobilfunknetzen um mehr als 20 Prozent steigern, mit dem Ziel, bis 2027 eine Verbesserung von 50 Prozent und bis 2028 von über 100 Prozent zu erreichen. Die Ankündigung gilt als strategisch wichtiger Schritt, um Netzbetreiber für den Ausbau KI-fähiger Infrastruktur zu gewinnen – auch wenn sie den kurzfristigen Ausverkauf bei Technologiewerten nicht aufhalten konnte.

Analysten bleiben trotz Kursrücksetzer optimistisch

Trotz der schwachen Handelswoche zeigen sich mehrere Analysehäuser weiterhin zuversichtlich. JPMorgan hob sein Kursziel zuletzt auf 21 US-Dollar an, Argus stufte die Aktie auf Buy mit einem Kursziel von 15 US-Dollar hoch, und Morgan Stanley nahm die Coverage mit einem Overweight-Rating und einem Ziel von 8 US-Dollar auf. Auch SEB Equities zeigte sich zuversichtlich und hob die Einstufung auf Buy mit einem Kursziel von 12 Euro an, was umgerechnet 13,7 US-Dollar entspricht. Der Analystenkonsens lautet weiterhin Buy, im Schnitt liegt das Kursziel bei 14,67 US-Dollar. An der Börse wird die Aktie derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 65 bewertet – ein Ausdruck der hohen Erwartungen, die der Markt an das Wachstum durch KI-Netzinfrastruktur stellt.

Quartalszahlen am 23. Juli im Fokus

Der nächste wichtige Termin für Anleger ist der 23. Juli, wenn Nokia seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt. Der Analystenkonsens rechnet mit einem Gewinn pro Aktie von 0,07 US-Dollar nach 0,04 US-Dollar sowie einem Umsatz von 5,59 Milliarden US-Dollar nach 5,15 Milliarden US-Dollar. Sollte Nokia diese Erwartungen erfüllen oder übertreffen, könnte dies dem angeschlagenen Kurs neue Impulse geben. Charttechnisch bleibt die Ausgangslage gemischt: Zwar liegt die Aktie noch immer gut 15 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt, was den langfristigen Aufwärtstrend unterstreicht. Der kurzfristige Rückschlag der vergangenen Woche – ein Minus von 18,37 Prozent auf Sicht von sieben Tagen – zeigt jedoch, wie nervös der Markt auf die Bewertungsdiskussion rund um KI-Infrastrukturwerte reagiert. Die kommenden Geschäftszahlen dürften darüber entscheiden, ob Nokia den Rücksetzer als Konsolidierung nach einer starken Rally abhaken kann oder ob die Sorgen um überzogene KI-Bewertungen die Aktie weiter belasten.

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