Nokia Aktie: 2,8 Milliarden Aufträge treffen auf Ausverkauf

Trotz Milliardenaufträgen im KI-Cloud-Geschäft bricht die Nokia-Aktie ein. Der Markt fokussiert sich auf negative Cashflows und anhaltende Lieferkettenrisiken.

Die Kernpunkte:
  • KI-Cloud-Aufträge verdreifacht
  • Aktie verliert über 33 Prozent
  • Freier Cashflow tief negativ
  • Charttechnisch stark überverkauft

Ein Auftragsbuch, das explodiert. Ein Aktienkurs, der einbricht. Bei Nokia widersprechen sich Fundamentaldaten und Börsenreaktion derzeit so stark wie selten – und für mich ist genau das die eigentliche Geschichte dieser Woche.

Nach dem Schlusskurs vom Freitag bei 8,06 Euro hat die Aktie innerhalb von nur 30 Tagen mehr als ein Drittel ihres Werts verloren, exakt 33,53 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, ist damit weit außer Sichtweite. Mein Eindruck: Der Markt fürchtet sich gerade mehr vor dem alten Nokia als er sich für das neue begeistert.

Milliardenauftrag trifft auf Kurssturz

Auslöser der aktuellen Talfahrt sind die Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Auf den ersten Blick liefert Nokia solide Werte: Der Nettoumsatz wächst währungsbereinigt um 9 Prozent, das Segment Netzwerkinfrastruktur – inklusive der kürzlich integrierten Infinera-Sparte – legt um 12 Prozent zu.

Die eigentliche Schlagzeile aber ist der Auftragseingang im Bereich KI und Cloud. Allein im zweiten Quartal kamen 2,8 Milliarden Euro herein, fast das Dreifache des ersten Quartals. Trotzdem brach die Aktie am Freitag um 6,32 Prozent ein.

Der Markt hakt sich an den Schattenseiten fest. Der freie Cashflow ist mit minus 732 Millionen Euro tief negativ, größtenteils wegen saisonaler Bonuszahlungen. Hinzu kommt eine Warnung von CEO Justin Hotard: Chipknappheit und Lieferengpässe könnten bis 2027 anhalten. Für mich ist das der Kern des Problems – nicht die Zahlen selbst, sondern die Unsicherheit, wie lange die Engpässe die Wachstumsstory bremsen.

Überverkauft, aber noch nicht am Boden

Technisch betrachtet schreit Nokia gerade „überverkauft“. Der 14-Tage-RSI liegt bei 29,5 – ein Niveau, das historisch antizyklische Käufer anlockt. Gleichzeitig nähert sich der Kurs rasant dem 200-Tage-Durchschnitt bei 7,84 Euro, nur noch 2,84 Prozent entfernt.

Das macht die kommende Woche zur Nagelprobe. Hält die 8,06-Euro-Marke nicht, und rutscht die Aktie unter die 200-Tage-Linie, könnte der charttechnische Schaden die langfristige Wachstumsstory überlagern. Auf der anderen Seite steht ein Plus von 116,90 Prozent auf Zwölfmonatssicht – ein Aufwärtstrend, der noch immer um sein Überleben kämpft, aber eben noch nicht gebrochen ist.

Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage ist auf 66,88 Prozent gesprungen. Das zeigt: Der Kampf zwischen Schnäppchenjägern und Gewinnmitnehmern ist alles andere als entschieden.

Sentiment gegen Fundamentaldaten

In der letzten Juliwoche muss der Markt eine Entscheidung treffen. Bewertet er Nokia als alternden Telekomausrüster – oder als Infrastrukturplayer für die KI-Ära? Die strategische Neuausrichtung des Konzerns spricht für mich klar für Letzteres: die milliardenschwere Partnerschaft mit Nvidia und der Start der KI-nativen RAN-Plattform sind keine Lippenbekenntnisse, sondern echte Weichenstellungen.

Kommende Woche lohnt sich der Blick auf drei Punkte:

  • Technische Unterstützung: Hält der Kurs die Marke von 8,06 Euro, oder wird die 200-Tage-Linie bei 7,84 Euro getestet?
  • Stimmungslage: Können stabilisierende Analystenkommentare zur Dividende von 0,04 Euro je Aktie oder zum langfristigen Wert der Infinera-Übernahme einen Boden bilden?
  • Sektorkorrelation: Nokias Kurs bleibt an die Stimmung im europäischen Tech- und Telekomsektor gekoppelt, zuletzt belastet durch Schwäche bei Ericsson.

Die Jahresperformance liegt trotz allem bei plus 44,19 Prozent, doch der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von minus 30,76 Prozent zeigt, wie schnell die Stimmung gekippt ist. Wer auf den langfristigen KI-RAN-Zyklus setzt, dem mag das aktuelle „überverkauft“ wie eine Gelegenheit erscheinen. Für mich bleibt die alte Mobilfunk-Infrastruktur trotzdem ein Klotz am Bein, den der Markt derzeit nicht ignorieren will – und das dürfte die Volatilität noch eine Weile hochhalten.

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