Nokia Aktie: 2,8 Milliarden Euro Auftragseingang
Nokia meldet starke Quartalszahlen und hebt Prognose an, doch die Aktie fällt. Analysten zeigen sich uneins über die weitere Entwicklung.

- Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert
- Prognose für operativen Gewinn angehoben
- Massive Investitionen in KI-Infrastruktur
- Aktie trotz guter Zahlen unter Druck
Nokia hat im zweiten Quartal 2026 kräftig zugelegt und die Jahresprognose angehoben – doch an der Börse zeigt sich das Papier davon bislang unbeeindruckt. Am Donnerstag schloss die Aktie bei 8,23 Euro, ein Rückgang von 1,51 Prozent gegenüber dem Vortag. Vom 52-Wochen-Hoch trennen das Papier mittlerweile 45,01 Prozent. Zwischen starken operativen Zahlen und schwacher Kursentwicklung klafft derzeit eine auffällige Lücke.
KI- und Cloud-Geschäft treibt das Wachstum
Der finnische Netzwerkausrüster steigerte den vergleichbaren Gewinn je Aktie im zweiten Quartal auf 0,07 Euro nach 0,04 Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte laut einer Unternehmensmitteilung vom 23. Juli auf 4,82 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge legte um 70 Basispunkte auf 46 Prozent zu, die operative Marge stieg ebenfalls um 70 Basispunkte auf 9 Prozent.
Besonders das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz und Cloud-Anwendungen sticht heraus: Die Erlöse in diesem Segment verdoppelten sich nahezu, der Auftragseingang erreichte 2,8 Milliarden Euro. Auch die klassische Netzwerksparte wuchs, getragen von optischen Netzwerken mit einem Plus von 20 Prozent und IP-Netzwerken mit 16 Prozent Zuwachs. Nokia hob daraufhin die Prognose für den vergleichbaren operativen Gewinn im Gesamtjahr auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an. Für das dritte Quartal stellte der Konzern ein Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal bei stabilem Gewinn in Aussicht – den stärkeren Ergebnisschub erwartet Nokia erst im vierten Quartal.
Umbau kostet Milliarden
Parallel zum Wachstum treibt Nokia einen tiefgreifenden Konzernumbau voran. Allein im zweiten Quartal fielen 390 Millionen Euro an Restrukturierungsaufwand an, für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit 800 Millionen Euro. Zusätzlich stufte Nokia die Sparten Fixed Wireless Access CPE sowie Enterprise Campus Edge als aufgegebene Geschäftsbereiche ein und vereinbarte den Verkauf des CPE-Geschäfts an Inseego.
Auch die China-Integration schreitet voran: Nach der vollständigen Übernahme von Nokia Shanghai Bell soll der Zusammenschluss binnen zwei Jahren abgeschlossen sein, bis Ende 2026 fallen dafür Integrationskosten von 350 Millionen Euro an. Der Umbau bindet kurzfristig Kapital, soll den Konzern aber schlanker machen und stärker auf Wachstumsfelder wie KI-Infrastruktur ausrichten.
Halbleiter-Offensive und neue Partnerschaften
Strategisch setzt Nokia zunehmend auf eigene Fertigungskapazitäten für optische Komponenten. Der Konzern vereinbarte mit NXP Semiconductors die Übernahme von dessen Halbleiterfabrik in Chandler, Arizona. Nokia will die Anlage ab Anfang 2027 zunächst anmieten und schrittweise auf die Produktion von Indium-Phosphid-Komponenten für optische Netzwerke umstellen; der vollständige Erwerb des Standorts soll im ersten Quartal 2029 abgeschlossen werden. Parallel läuft die Fertigung im Werk San Jose im vierten Quartal 2026 hoch, während der Standort in Pennsylvania seine Kapazitäten für Test und Verpackung ab dem dritten Quartal 2026 verzehnfachen soll.
Im Softwaregeschäft brachte Nokia zudem eine neue AI-RAN-Plattform auf den Markt, Pilotprojekte sind bis Ende 2026 geplant, die kommerzielle Verfügbarkeit für 2027. Im Verteidigungsbereich kündigte der Konzern eine Partnerschaft mit NestAI für vernetzte Anwendungen im NATO-Umfeld an, zudem vereinbarte Nokia mit Taiwan Mobile eine Modernisierung von dessen 5G-Netz auf Basis der AirScale-Plattform.
Analysten mit unterschiedlichen Signalen
Die Reaktionen der Analysten fallen gemischt aus. Am Dienstag hob Bank of America ihr Kursziel für Nokia auf 18,50 US-Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung; als Begründung nannten die Analysten den außergewöhnlich hohen Auftragsbestand im KI-Geschäft. Am 27. Juli senkte Deutsche Bank ihr Kursziel dagegen von 13,50 Euro auf 11,50 Euro, beließ die Einstufung aber ebenfalls bei Kaufen. Bereits Mitte Juli hatte ein weiteres Analysehaus das Papier von Halten auf Kaufen hochgestuft und ein Kursziel von 12 Euro ausgegeben, mit Verweis auf die erwartete Beschleunigung der Nachfrage aus dem KI- und Cloud-Geschäft.
Trotz der operativen Fortschritte bleibt die Aktie deutlich unter ihren Höchstständen vom Frühsommer. Die Diskrepanz zwischen fundamentaler Entwicklung und Kursverlauf dürfte Anleger in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.
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