Nokia Aktie: 2,8 Milliarden Euro KI-Aufträge

Nach dem Kurssturz zeigen sich Banken uneins: Kursziele zwischen 11,50 und 18,50 Euro, während das KI-Auftragsbuch wächst.

Die Kernpunkte:
  • Kurserholung nach heftigem Ausverkauf
  • Banken mit widersprüchlichen Kurszielen
  • KI-Aufträge treiben Wachstumsfantasie
  • Volatilität bleibt auf hohem Niveau

Nokia-Aktionäre erleben gerade ein Wechselbad. Die Aktie legte am Montag um 3,23 Prozent zu und schloss bei 8,19 Euro. Das ist eine Erholung nach dem heftigen Ausverkauf, der auf die jüngsten Quartalszahlen folgte.

Der Kurs hatte sich zuletzt der 200-Tage-Linie angenähert, ein Bereich, den Chartanalysten oft als wichtige Unterstützung werten. Trotz der Erholung liegt die Aktie noch immer rund 45 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni. Diese Spanne zeigt, wie stark sich die Stimmung seit dem Sommerhoch gedreht hat.

Analysten zeigen ein gespaltenes Bild

Mehrere Banken meldeten sich am Montag mit neuen Einschätzungen zu Wort — und die Botschaften widersprechen sich teils deutlich.

Bank of America hob ihr Kursziel auf 18,50 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Begründung: das ungewöhnlich große Auftragsbuch im KI-Geschäft, selbst wenn die kurzfristige Prognose vorsichtig bleibt. SEB Equities stufte Nokia auf Kaufen hoch, mit einem Kursziel von 12 Euro. Die schwedische Bank erwartet, dass KI- und Cloud-Nachfrage das Wachstum beschleunigen und die Bewertung der Aktie neu prägen.

Deutsche Bank schlug einen anderen Ton an. Die Bank senkte ihr Kursziel von 13,50 auf 11,50 Euro, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Drei Häuser, drei unterschiedliche Signale — genau diese Uneinigkeit spiegelt die Unsicherheit wider, mit der der Markt Nokias Umbau Richtung KI-Netzwerktechnik bewertet.

KI-Auftragsbuch trifft auf vorsichtige Prognose

Der Kursverlauf der vergangenen Wochen war alles andere als ruhig. Mitte Juli sprang die Aktie über die 12-Euro-Marke, rutschte danach aber stetig in Richtung 8 bis 9 Euro ab. Ein deutlicher Rückschlag nach dem Hype rund um Quartalszahlen und KI-Fantasie — aber kein Bruch der Grundstory.

Das Management hob die Gewinnprognose für 2026 leicht an und kürzte gleichzeitig die Investitionspläne. Das signalisiert bessere langfristige Profitabilität bei strafferer Kapitaldisziplin.

Der Optimismus rund um die Aktie stützt sich weiter auf die Auftragspipeline im KI- und Cloud-Geschäft. Im zweiten Quartal stieg der Gewinn je Aktie von 0,04 auf 0,07 Euro, der Umsatz kletterte auf 4,82 Milliarden Euro. Treiber waren KI- und Cloud-Aufträge im Wert von 2,8 Milliarden Euro — mehr als eine Verdopplung im Jahresvergleich. Eine neue AI-RAN-Plattform, entwickelt mit Nvidias Aerial-Technologie, positioniert Nokia zusätzlich für 6G und margenstärkere Software.

Die Prognose macht das Gewinnprofil unruhig

Trotz der verbesserten Gewinnaussicht kündigte Nokia einen holprigeren Verlauf für den Rest des Jahres an. Für das dritte Quartal erwartet der Konzern nur ein Umsatzplus von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, bei stagnierendem Gewinn. Der größere Gewinnsprung soll erst im vierten Quartal kommen.

Dieses gestaffelte Muster dürfte um jeden Quartalsbericht herum für Kursschwankungen sorgen, während der Markt kurzfristige Schwäche gegen das KI-Auftragsbuch und die 2026er-Ziele abwägt.

Die Zahlen hinter der bestätigten Jahresprognose erklären die Vorsicht. Das aktualisierte Ziel für das vergleichbare operative Ergebnis liegt bei 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr kam Nokia erst auf 735 Millionen Euro — die zweite Jahreshälfte muss also eine erhebliche Beschleunigung liefern.

Volatilität bleibt das prägende Merkmal

Ruhig war der Handel in den vergangenen Wochen nie. Die Volatilität der Aktie liegt derzeit bei knapp 69 Prozent auf Jahresbasis — ein Wert, der die Nervosität rund um jede neue Nachricht unterstreicht.

Das Tauziehen zwischen KI-getriebenem Optimismus und vorsichtiger Kurzfristprognose dürfte den Kursverlauf weiter bestimmen. Während eine Bank ihr Kursziel Richtung mittlerer zweistelliger Dollar-Bereich anhebt und eine andere ihr Euro-Ziel kappt, bleibt die Kaufempfehlung bei allen dreien bestehen. Marktbeobachter werten die jüngsten Ausschläge eher als Neubewertung der Wachstumsstory denn als endgültigen Bruch mit dem bisherigen Aufwärtstrend.

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