Nokia Aktie: 2,8 Milliarden Euro KI-Auftragsbestand

Nokias KI-Infrastruktur-Sparte verbucht Rekordbestellungen, während der Aktienkurs massiv fällt. Analysten sehen Potenzial im prallen Auftragsbuch.

Die Kernpunkte:
  • KI-Cloud-Umsätze verdoppelt
  • Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro
  • Aktie verliert 37 Prozent in 30 Tagen
  • Umbauprogramm kostet 800 Millionen Euro

Wer bei Nokia dieser Tage nur auf den Kurs schaut, sieht eine Katastrophe. Wer in die Bücher schaut, sieht einen Konzern, der gerade das lukrativste Kapitel seiner jüngeren Geschichte aufschlägt. Beides gleichzeitig wahr zu nehmen, fällt dem Markt derzeit sichtlich schwer.

Am Mittwoch schloss die Nokia-Aktie bei 7,36 Euro, nach einem Tagesverlust von 6,55 Prozent. Binnen 30 Tagen hat das Papier fast 37 Prozent verloren und liegt damit gut die Hälfte unter seinem Jahreshoch von 14,97 Euro aus dem Frühsommer. Und doch: Auf Sicht von zwölf Monaten steht immer noch ein Plus von über 100 Prozent zu Buche. Diese Diskrepanz ist der eigentliche Kern der Geschichte.

Der Umbau zur AI-Infrastruktur

Unter CEO Justin Hotard vollzieht Nokia gerade einen fundamentalen Rollenwechsel. Aus dem klassischen Mobilfunk-Ausrüster wird ein Zulieferer für die Infrastruktur der künstlichen Intelligenz — sozusagen das Rohrleitungssystem, durch das die Datenströme der KI-Rechenzentren fließen. Die jüngsten Quartalszahlen liefern dafür einen beeindruckenden Beleg.

Im zweiten Quartal 2026 wuchsen die Nettoumsätze mit KI- und Cloud-Kunden um 105 Prozent. Die großen Hyperscaler-Konzerne, die weltweit Rechenzentren aus dem Boden stampfen, kaufen bei Nokia offenbar auf Teufel komm raus optische Netzwerktechnik und IP-Routing-Ausrüstung ein. Das Ergebnis: ein Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro allein im KI- und Cloud-Geschäft, ein Wert, der die aktuellen Umsätze deutlich übersteigt und einen prallen Auftragsbestand bis weit in 2027 hinein andeutet.

Warum der Markt trotzdem verkauft

Genau hier liegt das Paradoxe. Trotz dieser Rekordorder rutschte die Aktie ab — ein klassischer „Sell the News“-Effekt, verstärkt durch einen breiteren Ausverkauf im Technologiesektor und Sorgen um kurzfristige Kapazitätsengpässe. Nokia bestätigte zwar seine Jahresprognose für das operative Ergebnis von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro. Anleger reagierten aber nervös auf eine technische Anpassung dieser Guidance, nachdem Nokia bestimmte Altgeschäfte als nicht fortgeführte Aktivitäten neu einstufte.

Hinzu kommt ein Umbauprogramm mit erwarteten Kosten von rund 800 Millionen Euro für 2026. Das Ziel dahinter: die Konzernstruktur enger an das margenstärkere Netzinfrastruktur-Segment anpassen, das im zweiten Quartal um 12 Prozent zulegte — angetrieben von einem Sprung um 20 Prozent bei optischen Netzwerken. Kurzfristig kostet dieser Umbau Geld und Vertrauen. Langfristig soll er genau die Sparten stärken, die heute schon die AI-Aufträge einsammeln.

Überverkauft, aber nicht ungefährlich

Technisch gesehen ist die Aktie inzwischen tief im überverkauften Bereich angekommen. Der 14-Tage-RSI notiert bei 26,1 — ein Niveau, das häufig eine Stabilisierung ankündigt, weil der unmittelbare Verkaufsdruck sich erschöpft. Das ändert nichts daran, dass die Kursschwankungen der letzten 30 Tage mit einer annualisierten Volatilität von über 68 Prozent enorm ausgefallen sind.

Die eigentliche Wette, die Nokia dem Markt gerade anbietet, ist damit klar umrissen. Kann der Auftragsbestand von 2,8 Milliarden Euro im KI-Geschäft die makroökonomische Verunsicherung überwinden, die derzeit auf der Aktie lastet? Mit einer Marktkapitalisierung von 43,7 Milliarden Euro bewertet der Markt Nokia bereits deutlich anders als noch während der frühen, holprigen 5G-Jahre.

Die Antwort dürfte sich nicht in den nächsten Handelstagen zeigen, sondern daran, wie schnell sich das prall gefüllte Auftragsbuch tatsächlich in Umsatz und Marge übersetzt. Bis dahin bleibt die Aktie ein Fall für Anleger mit Nerven — und für alle, die bereit sind, kurzfristige Kursausschläge von der langfristigen Geschäftsentwicklung zu trennen.

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