Nokia Aktie: 29-Prozent-Sturz in einem Monat
Nokia-Aktie fällt auf 200-Tage-Linie, RSI zeigt Überverkauf. Trotz KI-Wachstum belasten Margen und Kosten die Bewertung.

- Kursverlust von 29 Prozent
- RSI signalisiert überverkauften Bereich
- Dividende von 0,04 Euro beschlossen
- KI-Segment wächst, Margen schwächeln
Nokia-Aktionäre erleben gerade eine Achterbahnfahrt. Der Kurs ist binnen eines Monats um fast 29 Prozent eingebrochen und hat damit einen Großteil der KI-getriebenen Rally aus dem Jahr 2026 verbrannt. Am Freitag schloss die Aktie bei 7,93 Euro — praktisch exakt auf dem 200-Tage-Durchschnitt, der nun als mögliche technische Haltelinie gilt.
Der Vergleich mit dem Rivalen zeigt: Das Problem liegt bei Nokia selbst. Während Ericsson in der vergangenen Woche 2,5 Prozent zulegte und der Index OMX Helsinki 25 leicht stieg, verlor Nokia in derselben Zeit 3,2 Prozent. Der Ausverkauf ist also kein Branchenphänomen, sondern hausgemacht.
Technisch gesehen ist die Aktie tief im überverkauften Bereich angekommen. Der 14-Tage-RSI liegt bei 33,3, die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage bei 68,44 Prozent — einer der höchsten Werte des Jahres. Der 50-Tage-Durchschnitt von 11,21 Euro und der 100-Tage-Durchschnitt von 10,17 Euro liegen damit deutlich über dem aktuellen Kurs.
Dividende kommt, Zweifel bleiben
Der Ausverkauf ändert nichts an den Ausschüttungsplänen. Der Nokia-Vorstand hat am 23. Juli 2026 eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie beschlossen. Stichtag war der 28. Juli, ausgezahlt wird am 6. August. Danach bleibt dem Vorstand noch eine Ausschüttungsermächtigung von maximal 0,06 Euro je Aktie.
Die Zahlung fällt in ein Quartal mit zwei Gesichtern. Das KI- und Cloud-Geschäft wuchs um 105 Prozent auf 446 Millionen Euro und lieferte damit rund 62 Prozent des gesamten Umsatzzuwachses. Trotzdem macht dieser Bereich gerade einmal 9 Prozent des Konzernumsatzes aus.
Das eigentliche Schwergewicht bleibt die klassische Mobilfunk-Infrastruktur. Sie steuerte 2,68 Milliarden Euro Umsatz und 310 Millionen Euro operativen Gewinn bei. Der KI-Hype mag die Fantasie treiben — das Fundament liefert weiterhin das alte Geschäft.
Cash statt Wachstum als Prüfstein
Analysten und Ratingagenturen richten den Blick derzeit weniger auf Auftragseingänge als auf die Fähigkeit, daraus tatsächlich Geld zu machen. Die Zahlen dazu sind ernüchternd: Die berichtete operative Marge im zweiten Quartal lag bei minus 1 Prozent, auf vergleichbarer Basis bei 9 Prozent. Die Prognose für die Umwandlung in freien Cashflow bewegt sich in einer breiten Spanne von 55 bis 75 Prozent.
Hinzu kommen geplante Restrukturierungskosten von 700 bis 800 Millionen Euro im laufenden Jahr. Lieferengpässe und steigende Speicherchip-Preise belasten die Margen zusätzlich — ein Problem, das die gesamte Netzwerkausrüster-Branche trifft. Ericsson-Finanzchef Lars Sandström hatte bereits gewarnt, dass der KI-Ausbau die Speicherkosten branchenweit nach oben treibt.
Die Reaktion der Analysten ließ nicht lange auf sich warten. Die Deutsche Bank senkte ihr Kursziel für Nokia am 27. Juli von 13,50 auf 11,50 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“.
Am Donnerstag fließt die Dividende von 0,04 Euro je Aktie an die Aktionäre. Die nächsten Quartalszahlen stehen erst am 22. Oktober an. Bis dahin dürfte sich die Kursdiskussion um eine einzige Frage drehen: Kann Nokia seinen prall gefüllten KI- und Cloud-Auftragsbestand endlich in echten Gewinn und Cashflow verwandeln — oder bleibt es bei Umsatzwachstum ohne Substanz.
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