Nokia Aktie: 33-Prozent-Sturz in 30 Tagen trotz KI-Boom
Trotz Rekordaufträgen im KI-Geschäft fällt die Nokia-Aktie. Grund ist die anhaltende Chipknappheit, die das Wachstum bis 2027 bremsen könnte.

- KI-Sparte verdoppelt Umsatz
- Chipmangel belastet bis 2027
- Aktie verliert trotz Gewinnplus
- Charttechnisch stark überverkauft
Nokia liefert die besten Zahlen seit Jahren. Der Aktienkurs straft den Konzern trotzdem ab. Wie passt das zusammen?
Am Freitag verlor die Nokia-Aktie 6,32 Prozent und schloss bei 8,06 Euro. Binnen einer Woche summierte sich das Minus auf 9,38 Prozent. Wer nur auf diese Zahlen schaut, würde eine Gewinnwarnung oder einen handfesten Skandal vermuten. Beides gab es nicht. Stattdessen steckt Nokia mitten in einem Paradox: Das Unternehmen wird gerade zum Opfer der eigenen KI-Erzählung.
Wachstum trifft auf Chipmangel
Der Auslöser liegt im Quartalsbericht vom 23. Juli. Operativ läuft es rund. Der Umsatz mit KI- und Cloud-Kunden hat sich mit einem Plus von 105 Prozent mehr als verdoppelt. CEO Justin Hotard meldete einen Rekord-Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro in diesem Segment. Die Wette auf Rechenzentren und optische Netzwerke geht auf.
Der Markt hat trotzdem woanders hingeschaut. Auf der Telefonkonferenz warnte Hotard, dass der Mangel an Speicherchips bis 2027 anhalten dürfte. Ausgerechnet der KI-Boom, der Nokia die Aufträge beschert, sorgt für die Knappheit bei den Bauteilen. Diese Warnung überstrahlte einen soliden operativen Gewinn von 434 Millionen Euro, ein Plus von 18 Prozent. Anleger gewichten das Risiko einer angebotsbeschränkten Zukunft offenbar schwerer als das aktuelle Nachfragewachstum.
Ein Monat brutaler Korrektur
Der jüngste Ausverkauf ist Teil einer heftigeren Bewegung. Über die letzten 30 Tage hat die Aktie 33,53 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen Nokia inzwischen 46,16 Prozent. Die Euphorie der ersten KI-Rally ist einer nüchternen Bestandsaufnahme gewichen: Ausführungsrisiken hier, schwächelndes klassisches Telekomgeschäft dort.
Trotzdem bleibt der langfristige Trend intakt. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 44,19 Prozent im Plus, über zwölf Monate sogar mit 116,90 Prozent. Diese Erholung kommt vom 52-Wochen-Tief bei 3,45 Euro im August 2025 — ein Startpunkt, der die Dimension der Rally relativiert. Strategisch bleibt Nokia in Bewegung: Der Konzern hat einen Chip-Fertigungscampus in Arizona übernommen und die 5G-Partnerschaft mit Taiwan Mobile ausgebaut.
Der Chart zeigt Erschöpfung
Charttechnisch nähert sich die Aktie einem kritischen Punkt. Der RSI liegt bei 29,5 und signalisiert überverkauftes Terrain. Solche Erschöpfungssignale gehen häufig einer Stabilisierung voraus, zumal der Kurs nur noch 2,84 Prozent über dem langfristigen 200-Tage-Durchschnitt von 7,84 Euro notiert. Diese Nähe zur historischen Unterstützungslinie dürfte in den kommenden Handelstagen genau beobachtet werden.
Nokia hat parallel die Gewinnprognose für 2026 angehoben, auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro operativem Gewinn. Der Markt honoriert das momentan nicht. Mit einer Marktkapitalisierung von 48,57 Milliarden Euro ist Nokia keine Turnaround-Geschichte mehr, sondern ein etablierter Player im Übergang vom klassischen Netzwerkgeschäft zur margenstarken KI-Infrastruktur.
Die eigentliche Herausforderung hat sich verschoben. Nicht mehr die Kundengewinnung ist das Problem, sondern die Beschaffung der Komponenten, um die Nachfrage überhaupt zu bedienen. Ob sich das bis 2027 entspannt, wie es der Ausblick des Managements unterstellt, bleibt die Variable, an der sich die nächste Kursbewegung entscheiden dürfte.
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