Nokia Aktie: 434 Millionen Euro Gewinn

Nokia übertrifft mit KI-getriebenem Gewinnwachstum die Erwartungen und hebt die Prognose an.

Die Kernpunkte:
  • KI-Nachfrage treibt Gewinnsprung
  • Netzwerksparte mit starkem Wachstum
  • Restrukturierung belastet ausgewiesenen Gewinn
  • Jahresprognose durch Bilanzumstellung erhöht

Nokia liefert Zahlen, die selbst gestandene Analysten überraschen. Der finnische Netzwerkausrüster meldet für das zweite Quartal einen Gewinnsprung, der klar über den Erwartungen liegt — angetrieben von einer Nachfragewelle aus dem KI- und Cloud-Geschäft. Die Aktie springt am Donnerstag um 6,30 Prozent auf 9,65 Euro und baut damit einen Wochengewinn von 5,86 Prozent weiter aus.

Vom Rekordhoch bei 14,97 Euro aus dem Juni bleibt der Kurs dennoch 35,52 Prozent entfernt. Der Kontrast zeigt: Anleger reagieren hier nicht auf eine allgemeine Kurserholung, sondern auf konkrete operative Fortschritte.

Gewinn und Umsatz übertreffen Erwartungen deutlich

Der vergleichbare operative Gewinn kletterte im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt nur 382 Millionen Euro erwartet. Der Nettoumsatz wuchs um 8 Prozent auf 4,815 Milliarden Euro, währungsbereinigt sogar um 9 Prozent.

Treiber war vor allem die Sparte Netzwerkinfrastruktur, die um 12 Prozent zulegte — besonders stark liefen optische Netzwerke und IP-Netzwerke. Noch auffälliger: Der Umsatz mit KI- und Cloud-Kunden verdoppelte sich auf 446 Millionen Euro. Nokia bucht in diesem Segment neue Aufträge im Wert von 2,8 Milliarden Euro.

CEO Justin Hotard betont die Breite dieser Entwicklung. Nokia habe langfristige Verträge sowohl im Bereich optische Netzwerke als auch bei IP-Netzwerken gesichert. Das Unternehmen rechnet damit, rund die Hälfte dieser Aufträge innerhalb der nächsten zwölf Monate in Umsatz umzuwandeln. Die Nachfrage bleibt laut Hotard hoch, während die Lieferkette weiterhin der limitierende Faktor der Branche ist — viele Kunden sichern sich deshalb langfristige Bestellungen.

Die Margen entwickeln sich parallel positiv. Die vergleichbare Bruttomarge stieg auf 46,0 Prozent, die vergleichbare operative Marge auf 9,0 Prozent.

Restrukturierung drückt den ausgewiesenen Gewinn

Der Blick auf die Headline-Zahlen zeigt ein anderes Bild. Nokias ausgewiesener Gewinn brach im Quartal um 95 Prozent ein, von 96 Millionen auf nur noch 5 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie lag bei null, nach 0,02 Euro im Vorjahr.

Der Grund: Die ausgewiesene operative Marge fiel um 430 Basispunkte auf minus 1,0 Prozent. Nokia beschleunigt seine Restrukturierung deutlich stärker als geplant. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern nun mit Restrukturierungskosten von 800 Millionen Euro. Hinzu kommen 350 Millionen Euro für die China-Integration, die Nokia innerhalb von zwei Jahren abschließen will.

Der Aufsichtsrat beschließt trotz des schwachen Berichtsgewinns eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie.

Höhere Prognose durch Bilanztechnik

Nokia hebt die Jahresprognose für den vergleichbaren operativen Gewinn an — auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro, zuvor 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro. Wichtig für die Einordnung: Diese Anhebung ist keine operative Verbesserung, sondern eine Bilanzumstellung.

Nokia stuft sein Geschäft mit Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge nun als aufgegebene Geschäftsbereiche ein. Das Unternehmen hat bereits eine Vereinbarung zum Verkauf der CPE-Sparte an Inseego getroffen. Für den Bereich Enterprise Campus Edge hält Nokia einen Verkauf für sehr wahrscheinlich.

Das Management zeigt sich für das zweite Halbjahr zuversichtlich. Man sehe sich mit Schwung ins zweite Halbjahr starten und bleibe auf Kurs, etwas oberhalb der Mitte der Gewinnprognose zu landen.

Chipkosten belasten die ganze Branche

Der Bericht kommt zu einer Zeit, in der steigende Speicherchip-Preise die gesamte Branche unter Druck setzen. KI-Unternehmen kaufen den Markt für Speicherchips leer — mit Folgen für Telekomausrüster weltweit.

Der schwedische Rivale Ericsson warnte erst vergangene Woche vor genau diesem Kostendruck. Die Warnung schickte die Ericsson-Aktie auf Talfahrt und schürte Sorgen um Margen in der gesamten Branche. Dass Nokia trotz dieser Belastung seine Margen ausbauen kann, dürfte am Donnerstag ein wesentlicher Grund für die positive Kursreaktion sein.

Ausbau der US-Fertigung läuft weiter

Nokia bestätigt zudem weitere Investitionen in seine US-Fertigung für das optische Geschäft. Die neue Fabrik in San Jose soll wie geplant im vierten Quartal 2026 die Produktion hochfahren. Ab dem dritten Quartal will Nokia außerdem die Kapazität für fortgeschrittene Test- und Verpackungstechnik in Pennsylvania verzehnfachen.

Der Kurssprung vom Donnerstag dürfte einen Teil der Profitabilitätssorgen ausräumen, die die Aktie zuletzt belastet haben. Wie stark die zweite Jahreshälfte tatsächlich ausfällt, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob Nokia die Hälfte der 2,8 Milliarden Euro an neuen KI- und Cloud-Aufträgen wie geplant in Umsatz verwandelt.

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