Nokia Aktie: 47 Prozent in 30 Tagen
Nokia profitiert von KI-Rally, hebt Prognose für Netzwerksparte an und erhält wichtige US-Zulassung für Produkte.

- Aktienkurs vervierfacht sich binnen Jahresfrist
- Prognose für Netzwerksparte deutlich angehoben
- KI-Netzwerklabor in Sunnyvale eröffnet
- US-Behörde erteilt bedingte Zulassung
Nokia hat in den vergangenen zwölf Monaten eine der bemerkenswertesten Kursgeschichten in Europa geschrieben. Seit August 2025 hat sich die Aktie mehr als vervierfacht — allein in den letzten 30 Tagen legte sie knapp 47 Prozent zu. Hinter dem Kurssprung steckt eine klare Neupositionierung: vom klassischen Telekomausrüster zum Infrastrukturanbieter für das KI-Zeitalter.
Guidance und Zahlen treiben die Neubewertung
Den unmittelbaren Auslöser für den jüngsten Schub lieferte Nokia selbst. Das Unternehmen erwartet für das zweite Quartal einen Umsatzanstieg von fünf bis neun Prozent gegenüber dem ersten Quartal. CEO Justin Hotard sagte, Nokia liege beim operativen Gewinn „etwas oberhalb“ der Mitte der Jahresprognose von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro.
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Besonders ins Auge fiel die Guidance für das Segment Optical and IP Networks. Nokia hob die Wachstumsprognose dort auf 18 bis 20 Prozent an — zuvor hatte das Unternehmen nur 10 bis 12 Prozent in Aussicht gestellt. Diese Revision hat die Neubewertung der Aktie maßgeblich befeuert.
Sunnyvale-Lab und FCC-Zulassung als Katalysatoren
Am 21. Mai eröffnete Nokia ein KI-Netzwerklabor im kalifornischen Sunnyvale. Partner sind AMD, Keysight, Lenovo und Supermicro. Das Labor entwickelt Netzwerke speziell für KI-Rechenzentren — mit eigenen Protokollen, Switching-Chips und kompletten Hardware-Plattformen für die extremen Bandbreiten- und Latenzanforderungen moderner KI-Modelle. Marktbeobachter werten das als konkreten Schritt weg vom Telekomzulieferer hin zum KI-Infrastrukturunternehmen.
Regulatorisch kommt Nokia ebenfalls Rückenwind zugute. Die US-Behörde FCC erteilte eine bedingte Zulassung für Nokias Beacons- und ONT-Geräte. Das befreit diese Produkte — einschließlich künftiger Varianten — von den Beschränkungen der FCC Covered List für ausländische Consumer-WLAN-Router. Das Verteidigungsministerium und das Heimatschutzministerium stellten fest, dass Nokias Produkte keine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA darstellen. Nokia verpflichtete sich außerdem, seine nächste WLAN-8-Gateway-Generation in den USA zu fertigen.
Patentsieg und Portfoliobereinigung
Mitte Mai gewann Nokia vor dem britischen Court of Appeal einen wichtigen Patentstreit. Das Gericht blockierte dauerhaft Klagen von Acer und Asus in London wegen Videokodierungspatenten. Ein für Juni und Juli geplanter Prozess findet damit nicht statt. Nokia hatte zuvor bereits in den USA, Deutschland, Indien und Brasilien eigene Patentklagen eingereicht.
Parallel dazu verschlankt Nokia sein Portfolio. Das Unternehmen wird mit rund elf Prozent an Inseego beteiligt — als Teil eines Deals, der Nokias Fokus auf KI-Infrastruktur schärfen soll. Die Transaktion soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden und ist finanziell nicht wesentlich für Nokia.
Knappe Positionierung in Europa
Nokia profitiert von einem strukturellen Vorteil: Im europäischen KI-Hype dominierten bislang Rechenleistung, Energie und Elektronikkomponenten. Unternehmen, die direkt in Konnektivität und Netzwerkinfrastruktur tätig sind, sind rar. Als westlicher Anbieter kritischer Netzinfrastruktur besetzt Nokia eine Nische, die Investoren zunehmend als strategisch wertvoll einschätzen.
Die nächste harte Bewährungsprobe kommt am 23. Juli: Dann veröffentlicht Nokia Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Bestätigt sich das vom CEO angedeutete Tempo beim KI-Auftragseingang, dürfte die Rallye eine neue Grundlage bekommen.
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