Nokia Aktie: 5-Prozent-Sprung nach 50-Prozent-Absturz
Nokia-Aktie erholt sich nach starkem Kursverlust, doch Analysten streiten über die Nachhaltigkeit der Erholung angesichts hoher Bewertung und KI-Ambitionen.

- Kurserholung nach 50% Verlust
- Analysten streiten über Trendwende
- KI-Aufträge als Hoffnungsträger
- Charttechnik bleibt angespannt
Fast 50 Prozent Kursverlust in nur zwei Monaten, dann ein Sprung von rund 5 Prozent binnen Stunden. Bei Nokia streiten Analysten gerade darüber, ob das eine echte Wende ist oder nur eine Verschnaufpause in einer harten Korrektur.
Die Aktie schloss am Freitag bei 7,93 Euro. Damit liegt sie zwar 30 Prozent unter dem Niveau von vor einem Monat, seit Jahresbeginn aber immer noch über 40 Prozent im Plus. Der Kurs steht jetzt fast exakt auf dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,93 Euro – ein Signal dafür, dass die Aktie ihren längerfristigen Trend komplett durchlaufen hat.
Vom Rekordhoch in den freien Fall
Anfang Juni markierte Nokia noch ein Rekordhoch von knapp 15 Euro. Was folgte, war ein brutaler Ausverkauf: Die Aktie fiel bis auf etwa 7,40 Euro. Bemerkenswert dabei: Der Kursverfall setzte sich fort, obwohl Nokia stärker als erwartete Quartalszahlen vorlegte.
Das zeigt, worum es Investoren eigentlich geht. Sie zweifeln daran, wie schnell sich das wachsende Engagement in KI- und Cloud-Infrastruktur tatsächlich in nachhaltiges Wachstum übersetzen lässt. Erst zuletzt kam wieder etwas Zuversicht zurück, der Kurs näherte sich vor dem Wochenschluss wieder der Marke von 8 Euro.
Analysten sehen Potenzial, doch die Bewertung bleibt umstritten
23 Analysten kalkulieren im Schnitt mit einem Kursziel von 10,32 Euro. Bei einem Kurs von 8,23 Euro entspricht das einem Aufwärtspotenzial von etwa 25 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten. Die Einschätzungen gehen aber weit auseinander: Die Spanne reicht von 4,65 Euro auf der pessimistischen bis zu 18 Euro auf der optimistischen Seite.
Diese Kluft spiegelt eine grundsätzliche Uneinigkeit wider. Wie schnell kann Nokias KI- und Cloud-Geschäft die Schwäche im klassischen Telekom-Geschäft ausgleichen? Vor den Quartalszahlen handelte die Aktie bereits mit dem 25-Fachen der für 2026 erwarteten Gewinne. Nach der positiven Überraschung könnten Analysten ihre Prognosen zwar anheben – attraktiv wirkt die Bewertung deshalb aber noch lange nicht.
Auch Ratingagenturen mahnen zur Vorsicht. S&P rechnet für 2026 mit sinkenden Margen und schwächerer Cash-Generierung bei Nokia. Für eine weitere Heraufstufung verlangt die Agentur einen freien operativen Cashflow von mehr als 1,3 Milliarden Euro. Damit rückt die Auftragskonversion in den Mittelpunkt: Nokias Nachfrage-Pipeline ist beachtlich, aber Umsatz, Marge und Cash folgen erst mit Verzögerung.
Der Auftragsbestand als Hoffnungsträger
Das zentrale Argument der Optimisten bleibt das Auftragsbuch im KI-Bereich. Im zweiten Quartal verbuchte Nokia KI- und Cloud-Aufträge im Wert von 2,8 Milliarden Euro, während der Umsatz mit diesen Kunden bei 446 Millionen Euro lag. Die Bestellungen entsprechen damit dem 6,3-Fachen des Quartalsumsatzes in diesem Segment.
Das Management rechnet damit, dass etwa die Hälfte davon in den nächsten zwölf Monaten Umsatz generiert. Das wären geschätzt 1,4 Milliarden Euro – 78 Prozent des auf ein Jahr hochgerechneten KI- und Cloud-Umsatzes aus dem zweiten Quartal.
Bei der Profitabilität bleibt der Ausblick vorsichtig positiv. Nokia erwartet für 2026 ein vergleichbares operatives Ergebnis zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro, tendenziell etwas über der Mitte dieser Spanne. Für das dritte Quartal rechnet der Konzern mit einem Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, während der operative Gewinn zunächst stabil bleiben und erst im vierten Quartal spürbar zulegen soll.
Charttechnik bleibt angespannt
Mit einem 14-Tage-RSI von 33,3 nähert sich Nokia der überverkauften Zone. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von rund 68 Prozent zeigt, wie nervös der Handel seit dem Junihoch geworden ist.
Der nächste wichtige Termin ist die Quartalsvorlage am 22. Oktober 2026. Bis dahin dürfte sich die Debatte um eine zentrale Frage drehen: Kann Nokia den prall gefüllten Auftragsbestand in den Cashflow verwandeln, der die auch nach der Korrektur noch immer historisch hohe Bewertung rechtfertigt?
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