Nokia Aktie: 800 Millionen Euro Restrukturierung
Nokia übertrifft Erwartungen dank KI-Infrastruktur, erhöht aber Restrukturierungskosten auf 800 Millionen Euro. Der Aktienkurs bleibt trotz operativer Erfolge unter Druck.

- Umsatzplus von acht Prozent im zweiten Quartal
- KI- und Cloud-Sparte verdoppelt Erlöse
- Restrukturierungskosten auf 800 Millionen Euro erhöht
- Aktienkurs fällt trotz positiver Geschäftsentwicklung
Nokia hat für das zweite Quartal 2026 ein deutliches Umsatzplus gemeldet, das vor allem auf die Nachfrage nach KI-Infrastruktur zurückgeht. Gleichzeitig verschärft der finnische Netzwerkausrüster seinen Sparkurs: Die Restrukturierungskosten für das laufende Jahr steigen von ursprünglich 250 Millionen auf rund 800 Millionen Euro. Trotz der operativen Fortschritte kam die Aktie an der Börse nicht in Fahrt – der Kurs war bereits vor der Zahlenvorlage von einem Hoch bei 14,81 Euro im Juni auf 9,35 Euro gefallen, wie Light Reading berichtete.
Umsatz und Gewinn übertreffen Erwartungen
Nokia meldete für das zweite Quartal einen Nettoumsatz von 4,815 Milliarden Euro, ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr beziehungsweise neun Prozent währungsbereinigt. Der vergleichbare operative Gewinn kletterte um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro und lag damit über der Konsensschätzung von 382 Millionen Euro. Das vergleichbare verwässerte Ergebnis je Aktie stieg auf 0,07 Euro nach 0,04 Euro im Vorjahresquartal. Für das erste Halbjahr 2026 weist Nokia einen vergleichbaren Nettoumsatz von 9,251 Milliarden Euro und einen vergleichbaren operativen Gewinn von 735 Millionen Euro aus, ein Anstieg von 28 Prozent.
Deutlich schwächer fällt das Bild auf reported Basis aus: Der ausgewiesene Nettogewinn brach um 95 Prozent auf lediglich 5 Millionen Euro ein, operativ verzeichnete Nokia sogar einen Verlust von 50 Millionen Euro. Verantwortlich dafür sind die stark gestiegenen Restrukturierungsaufwendungen. Der Verwaltungsrat beschloss dennoch eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie.
KI und Cloud als Wachstumstreiber
Das Segment AI & Cloud entwickelte sich zum zentralen Wachstumsmotor: Die Umsätze verdoppelten sich nahezu auf 446 Millionen Euro, ein Plus von 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragseingang in diesem Bereich sprang auf 2,8 Milliarden Euro, nach lediglich 1 Milliarde Euro im Vorquartal. Auch die klassische Netzwerksparte Network Infrastructure legte um zwölf Prozent zu, angetrieben von Optical Networks mit plus 20 Prozent und dem IP-Geschäft mit plus 16 Prozent. Mobile Infrastructure wuchs um sechs bis sieben Prozent, je nach Berichtsquelle.
CEO Justin Hotard sprach laut Terra (Reuters) von Fortschritten bei der KI-Strategie des Unternehmens und kündigte an, gestiegene Kosten für Speicherchips an Kunden weiterzugeben. Nokia treibt zudem den Ausbau der Halbleiterproduktion in den USA voran: Die Fabrik in San Jose soll ab dem vierten Quartal 2026 in Volumenproduktion gehen, die Kapazität in Pennsylvania wird verzehnfacht. Zusätzlich vereinbarte Nokia die Übernahme des Chandler-Werks von NXP in Arizona. Das neu lancierte AI-RAN-Plattform-Angebot befindet sich in der Pilotphase bis Ende 2026, die kommerzielle Vermarktung ist für 2027 geplant.
Mehr Stellenstreichungen in Europa geplant
Die Erhöhung der Restrukturierungskosten auf rund 800 Millionen Euro setzt sich laut Light Reading aus etwa 200 Millionen Euro für Stellenstreichungen in Europa und rund 350 Millionen Euro für den Umbau des China-Geschäfts zusammen. Hotard kündigte weitere Arbeitsplatzabbau-Maßnahmen in Europa an. Der freie Cashflow rutschte im Quartal auf minus 732 Millionen Euro, die Nettoliquidität lag bei 2,8 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte Nokia die Prognose für den vergleichbaren operativen Gewinn in einer Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro – eine technische Anpassung, die auf die Einstufung von Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge als aufgegebene Geschäftsbereiche zurückgeht. Für das dritte Quartal stellt Nokia ein sequenzielles Umsatzwachstum von drei bis sieben Prozent in Aussicht, der operative Gewinn soll auf ähnlichem Niveau wie im zweiten Quartal liegen.
Am Kapitalmarkt reagierten Analysten unterschiedlich: Bank of America erhöhte ihr Kursziel auf 18,50 US-Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung, die schwedische SEB stufte die Aktie auf Kaufen mit einem Kursziel von 12 Euro hoch.
Kurs bleibt unter Verkaufsdruck
An der Börse setzte sich der Abwärtstrend zuletzt fort. Vorbörslich notierte die Nokia-Aktie bei 8,56 Euro und damit 0,60 Prozent leichter. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 29,39 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen den Titel damit inzwischen 42,81 Prozent. Trotz der jüngsten Schwäche liegt die Aktie seit Jahresbeginn weiterhin deutlich im Plus – die operativen Fortschritte im KI-Geschäft stehen damit in einem auffälligen Kontrast zur kurzfristigen Kursreaktion der Anleger.
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