Nokia Aktie: 800 Millionen Restrukturierungskosten
Nokia verzeichnet starkes KI-Wachstum, doch hohe Restrukturierungskosten drücken den Aktienkurs. Analysten zeigen sich uneins über die weitere Entwicklung.

- KI-Aufträge verdoppeln sich
- Restrukturierungskosten steigen auf 800 Mio.
- Analysten uneins über Kursentwicklung
- Dividende von 0,04 Euro beschlossen
Nokia-Aktionäre erleben gerade einen scharfen Kontrast. Die Nachfrage nach KI-Netzwerktechnik boomt, doch der Aktienkurs bricht ein. Innerhalb von 30 Tagen hat die Nokia-Aktie fast ein Drittel ihres Werts verloren und schloss zuletzt bei 7,93 Euro.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, trennen die Aktie mittlerweile 47 Prozent. Der Kurs liegt fast genau auf dem 200-Tage-Durchschnitt, aber fast 30 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,21 Euro. Das zeigt: Der langfristige Aufwärtstrend steht einer heftigen kurzfristigen Korrektur gegenüber.
Restrukturierung wird teurer
Der Auslöser für den Ausverkauf liegt im Quartalsbericht vom 23. Juli. Nokia hat darin die geplanten Restrukturierungskosten für 2026 auf rund 800 Millionen Euro angehoben. Der Konzern begründet den Schritt mit dem Ziel, agiler zu werden und Ressourcen gezielter auf Wachstumsfelder zu verteilen.
Zum Umbau gehört auch ein Portfolio-Verkauf. Nokia hat sich mit Inseego auf den Verkauf des Fixed-Wireless-Access-CPE-Geschäfts geeinigt. Für die Enterprise-Campus-Edge-Sparte hält der Konzern eine ähnliche Einigung für sehr wahrscheinlich. Beide Einheiten waren erst zum 1. Januar 2026 in ein eigenes Portfolio-Segment ausgegliedert worden — Teil der neuen Konzernstruktur mit zwei operativen Hauptsegmenten.
Trotz der steigenden Kosten zeigt sich das Kerngeschäft robust. CEO Justin Hotard berichtete von einem Auftragseingang im Bereich KI und Cloud-Networking von 2,8 Milliarden Euro im zweiten Quartal. Die Verkäufe haben sich damit im Jahresvergleich mehr als verdoppelt, getrieben von langfristigen Aufträgen in den Sparten Optical Networks und IP Networks. Das starke Geschäft mit KI-Infrastruktur kompensiert damit den anhaltenden Druck im klassischen Telekom-Ausrüstungsgeschäft.
Analysten uneins
Nach dem Kursrutsch fallen die Einschätzungen der Banken auseinander. Deutsche Bank senkt ihr Kursziel von 13,50 auf 11,50 Euro, bleibt aber bei „Kaufen“. Barclays hält an seiner „Verkaufen“-Einstufung fest.
UBS bestätigt sein neutrales „Halten“-Rating. Craig-Hallum bleibt hingegen bei „Kaufen“ und zeigt sich von der Kursschwäche unbeeindruckt. Diese Spanne an Meinungen dürfte für Anleger nur wenig Orientierung bringen.
Dividende und Ausblick bleiben stabil
Der Nokia-Vorstand hat am 23. Juli eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie beschlossen. Der Stichtag ist der 28. Juli, ausgezahlt wird am 6. August 2026. Die Zahlung fällt unter die Ermächtigung der Hauptversammlung vom April, die eine Gesamtausschüttung von bis zu 0,14 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 in vier Raten erlaubt.
Am operativen Ausblick für das Gesamtjahr 2026 hält Nokia fest, auch wenn die Präsentation nun ohne die beiden verkauften Portfolio-Einheiten auskommt. Hotard zeigte sich auf der Telefonkonferenz zuversichtlich: Nokia starte mit Schwung in die zweite Jahreshälfte und bleibe auf Kurs, das Margenziel eher am oberen Rand der Prognose zu erreichen.
Der 14-Tage-RSI von 33,3 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt über 68 Prozent — ein Hinweis auf die Nervosität, die seit dem Junihoch in den Handel eingezogen ist. Trotz des Rückschlags steht die Aktie seit Jahresbeginn noch mit knapp 42 Prozent im Plus.
Ob die anstehende Dividendenzahlung am 6. August und Fortschritte beim Inseego-Verkauf die Stimmung stabilisieren können, bleibt offen. Die Spannung zwischen starkem KI-Auftragswachstum und steigenden Restrukturierungskosten dürfte den Kurs vorerst weiter begleiten.
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