Nokia Aktie: Hangzhou-Zentrum schließt bis Ende 2026
Nokia setzt Aktienvergütung fort, während der Rückzug aus China Kosten verursacht und das Wachstum bei KI sowie Cloud die Belastungen abfedert.

- 3,64 Millionen Aktien an Mitarbeiter übertragen
- China-Umsatz seit 2018 deutlich gesunken
- Restrukturierungskosten von 800 Millionen Euro
- KI- und Cloud-Aufträge legen kräftig zu
Nokia hat am Donnerstag 3.635.260 eigene Aktien ohne Gegenleistung an Teilnehmer eines Aktien-Anreizprogramms übertragen. Damit erfüllt der finnische Netzwerkausrüster Verpflichtungen aus einem laufenden Incentive-Plan für Mitarbeiter, wie aus einer Pflichtmitteilung des Unternehmens hervorgeht. Nach der Übertragung hält Nokia noch 83.991.222 eigene Aktien im Bestand.
Solche Übertragungen sind bei Aktienvergütungsprogrammen üblich und binden Führungskräfte und Schlüsselmitarbeiter über einen längeren Zeitraum an das Unternehmen. Für Anleger ist die Meldung vor allem als Bestätigung zu werten, dass Nokia sein Vergütungsprogramm plangemäß fortführt – ein Signal organisatorischer Kontinuität in einer Phase, in der der Konzern gleichzeitig größere strukturelle Umbauten vorantreibt.
Restrukturierung in China belastet das Bild
Die Kapitalmaßnahme fällt in eine Phase, in der Nokia sein China-Geschäft radikal zurückfährt. Der Konzern hatte Mitte August intern angekündigt, das Radiotechnik-Forschungszentrum in Hangzhou bis Ende 2026 zu schließen und rund 1.600 Stellen zu streichen.
Die Schließung ist Teil eines breiteren Rückzugs, der auch Standorte in Peking, Chengdu, Qingdao und Shanghai betrifft. Der Umsatz in Großchina war von 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 913 Millionen Euro 2025 eingebrochen, der Marktanteil liegt inzwischen unter 3 Prozent.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Nokia mit Restrukturierungskosten von insgesamt 800 Millionen Euro, davon 350 Millionen Euro für die China-Integration und weitere 200 Millionen Euro für zusätzliche Restrukturierung in Europa. Diese Summen hatte Nokia bereits im Rahmen der Zahlen zum zweiten Quartal am 23. Juli genannt, als der Konzern die Belastungen von ursprünglich 250 Millionen Euro deutlich nach oben korrigierte.
Wachstum bei KI und Cloud kompensiert Belastungen
Gegen die China-Schrumpfung stellt Nokia ein kräftiges Wachstum im Bereich Künstliche Intelligenz und Cloud. Im zweiten Quartal stieg der Nettoumsatz um 9 Prozent auf 4,82 Milliarden Euro, der vergleichbare Gewinn je Aktie verdoppelte sich nahezu von 0,04 auf 0,07 Euro.
Der Auftragseingang im Segment AI & Cloud erreichte 2,8 Milliarden Euro, die Umsätze in diesem Bereich haben sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt. Nokia hob daraufhin die Jahresprognose für den vergleichbaren Betriebsgewinn auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an.
Zusätzlichen Rückenwind erhielt die Aktie durch die Nachricht, dass Nvidia laut einer Form-13F-Meldung eine Beteiligung von 2,21 Milliarden Dollar an Nokia hält – ein Vertrauensbeweis für die Bedeutung der Nokia-Netzwerktechnik für KI-Rechenzentren. Zudem rankte das Marktforschungsunternehmen Omdia Nokia im August zum zweiten Mal in Folge als Nummer eins beim Wettbewerbsvergleich für Mobilfunkkern-Portfolios.
Kurs bleibt volatil
Die Aktie schloss am Freitag bei 8,84 Euro und büßte damit 3,3 Prozent ein. Trotz des Rückschlags liegt das Papier auf Wochensicht mit 0,5 Prozent leicht im Plus und hat in den vergangenen 30 Tagen um 20 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von 58 Prozent, gegenüber dem Schlusskurs vor rund zwölf Monaten sogar von 140 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro aus dem Juni fehlen dem Titel derzeit 41 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die China-Belastungen und die schwankungsanfällige Kursentwicklung Anleger trotz der starken operativen Fortschritte im KI-Geschäft weiterhin vorsichtig stimmen.
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