Nokia Aktie: Nächster Härtetest am 23. Juli

Nach einer Verdopplung des Aktienwerts seit Jahresbeginn setzt Nokia zur Verschnaufpause an. Gewinnmitnahmen und eine Neubewertung als KI-Infrastrukturplayer prägen das Bild.

Die Kernpunkte:
  • Kursanstieg von über 139 Prozent seit Januar
  • Gewinnmitnahmen nach Rekordrally
  • Neubewertung als KI-Infrastrukturwette
  • Nächste Quartalszahlen am 23. Juli

Nach einem der spektakulärsten Kursanläufe der jüngeren Börsengeschichte tritt Nokia in eine Verschnaufpause ein. Seit Jahresbeginn hat die Aktie ihren Wert mehr als verdoppelt — ein Anstieg von über 139 Prozent, der die Frage aufwirft, wie viel Luft noch nach oben bleibt.

Gewinnmitnahmen nach explosivem Anstieg

Der Auslöser für die jüngste Bewegung liegt in der Vorwoche. Am 23. Mai meldete der finnische Rundfunk Yle, Nokia sei die größte Kursgewinnerin und mit Abstand meistgehandelte Aktie in Helsinki gewesen — an einem Tag, an dem der OMX Helsinki PI erstmals seit Mitte Dezember 2000 die Marke von 14.000 Punkten überschritt. Der Kurs legte an diesem Freitag um fast 10 Prozent auf rund 13,30 Euro zu, der Handelsumsatz erreichte fast 240 Millionen Euro.

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Was folgte, war ein weiterer Schub: Am 26. Mai kletterte die Aktie um knapp 6 Prozent auf 13,84 Euro und markierte mit 14,14 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Das Handelsvolumen stieg parallel von gut 13 Millionen Aktien Mitte der Woche auf fast 25 Millionen am Höhepunkt der Rally.

Seither laufen Gewinnmitnahmen. Am 27. Mai gab der Kurs um 2,64 Prozent nach, am Donnerstag folgte ein weiteres Minus von knapp einem Prozent auf 13,32 Euro — rund 5,8 Prozent unterhalb des Allzeithochs. Das Volumen blieb mit über 26 Millionen Aktien am 27. Mai erhöht, ein klares Zeichen für aktive Umschichtungen.

Nokia als KI-Infrastrukturwette

Der Kursanstieg spiegelt eine veränderte Wahrnehmung wider. Nokia wird von Investoren zunehmend als Profiteur des KI-getriebenen Ausbaus von Rechenzentren und optischen Netzwerken gesehen — nicht mehr nur als klassischer Telekomausrüster. Diese Neubewertung erklärt, warum der Kurs auf Bewegungen im breiteren KI-Narrativ reagiert und nicht mehr ausschließlich auf unternehmensspezifische Meldungen.

Fundamental stützt sich die Einschätzung auf Nokias Quartalsbericht vom 23. April. Das Unternehmen bezeichnete das erste Quartal als soliden Jahresstart mit starkem Wachstum im Segment Optische Netzwerke. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Nokia ein vergleichbares operatives Ergebnis zwischen 2,0 und 2,5 Milliarden Euro. Der Infront-Konsens vom 6. Mai sieht den Nettoerlös 2026 bei durchschnittlich 20,8 Milliarden Euro, das vergleichbare EPS bei 0,33 Euro.

Nächster Katalysator: Quartalszahlen im Juli

Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 9,64 Euro — die Aktie notiert rund 38 Prozent darüber, was die Dimension der Bewegung verdeutlicht. Mit einem RSI von knapp 57 ist die technische Überhitzung zumindest vorerst abgebaut.

Der nächste harte Datenpunkt kommt am 23. Juli: Nokia veröffentlicht dann den Bericht für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026. Ob die neue Bewertung fundamental untermauert ist, wird sich spätestens dann zeigen — und der Markt dürfte entsprechend empfindlich reagieren.

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