Nokia Aktie: Schließt China-Aktivitäten bis Jahresende
Nokia reduziert seine China-Präsenz bis Jahresende, während KI- und Cloud-Erlöse wachsen und der Konzern neue Geschäftsfelder erschließt.

- Rund 1.600 Stellen vom Abbau betroffen
- China-Präsenz wird bis Jahresende reduziert
- KI- und Cloud-Erlöse mehr als verdoppelt
- Nokia überträgt eigene Aktien an Mitarbeiter
Nokia treibt seinen Rückzug aus dem chinesischen Festland voran. Medienberichten zufolge will der finnische Netzwerkausrüster nahezu sämtliche Aktivitäten dort bis Jahresende schließen, darunter das Forschungszentrum in Hangzhou. Hintergrund ist eine schwächelnde Nachfrage nach Netzwerktechnik sowie eine zunehmende Bevorzugung heimischer Anbieter durch chinesische Kunden.
Der Schritt betrifft nach Angaben aus Medienberichten rund 1.600 Stellen im Bereich Forschung und Entwicklung sowie Büros in Peking, Chengdu, Qingdao und Shanghai. Übrig bleiben lediglich ein After-Sales-Service und eine reduzierte Präsenz über das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Shanghai Bell.
Der Kurs reagierte am Freitag mit einem Rückgang von 3,3 Prozent auf 8,84 Euro. Damit notiert die Aktie inzwischen 7,3 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 9,54 Euro, bleibt aber mit einem Plus von 58 Prozent seit Jahresbeginn weiterhin deutlich im grünen Bereich.
Strategischer Rückzug trifft auf Wachstum in anderen Bereichen
Der China-Rückzug fällt in eine Phase, in der Nokia anderswo kräftig zulegt. Das Unternehmen meldete zuletzt ein Wachstum der Erlöse im Bereich KI und Cloud von 105 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Am 23. Juli vereinbarte Nokia zudem die Übernahme einer Fertigungsanlage von NXP Semiconductors im US-amerikanischen Chandler, um dort optische Komponenten für KI-Rechenzentren herzustellen. Auch im Verteidigungsbereich zeigte Nokia Präsenz: Bei der US-Militärübung „Silent Swarm“ demonstrierte das Unternehmen Mitte August seine „Banshee Flex“-Funktechnik für widerstandsfähige 5G-Kommunikation.
Parallel dazu bestätigte das Marktforschungsunternehmen Omdia am 19. August zum zweiten Mal in Folge Nokias Spitzenposition bei der Wettbewerbsfähigkeit des Mobilfunkkern-Portfolios, mit Bestnoten unter anderem bei Cloud-nativer Reife und KI/ML-Analytik. Das China-Geschäft schrumpft also, während Nokia sein Standbein in zukunftsträchtigen Segmenten wie KI-Infrastruktur und Verteidigungstechnik ausbaut.
Aktienübertragung an Mitarbeiter und schwindendes Smartphone-Geschäft
Am Donnerstag gab Nokia zudem die unentgeltliche Übertragung von 3.635.260 eigenen Aktien an Teilnehmer seiner aktienbasierten Vergütungsprogramme bekannt. Die Übertragung erfolgt zur Erfüllung von Verpflichtungen aus einem Board-Beschluss von 2025. Nach der Transaktion hält Nokia noch 83.991.222 eigene Aktien.
Auf der Konsumentenseite setzt sich derweil ein Rückzug fort, der die Marke betrifft, nicht den Konzern selbst: HMD Global, Lizenznehmer für Nokia-Mobilgeräte, brachte am Samstag das „Nokia 300 Charge“ auf den Markt – ein Feature-Phone mit integrierter Powerbank-Funktion. Der Schritt unterstreicht die Verlagerung hin zu Nischen- und Retro-Geräten, während die Lizenzvereinbarung für Smartphones Ende 2026 auslaufen soll.
Ausblick auf das dritte Quartal
Nokia hatte im zweiten Quartal vergleichbare Nettoumsätze von 4,815 Milliarden Euro gemeldet, ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie ein vergleichbares Ergebnis je Aktie von 0,08 Euro – über der Konsensschätzung von 0,07 Euro. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern weiterhin mit Restrukturierungskosten von rund 800 Millionen Euro.
Am 22. Oktober wird Nokia seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegen; das Management hatte zuvor ein Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal in Aussicht gestellt. Anleger dürften genau beobachten, ob sich die Kosten des China-Rückzugs bereits in diesen Zahlen niederschlagen.
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