Nokia treibt KI-Fabrik-Projekt in Südostasien voran
Nokia baut mit Partnern ein Gigawatt KI-Rechenkapazität auf und verzeichnet starkes Wachstum im KI-Segment, während die Aktie verhalten reagiert.

- Gigawatt-Rechenzentrum mit NVIDIA geplant
- KI-Segment verdoppelt Umsatz
- Aktie trotz guter Zahlen schwach
- Analysten streiten über Kursziele
Nokia hat sich am Donnerstag mit NVIDIA und dem indonesischen Netzbetreiber Indosat Ooredoo Hutchison zu einem gemeinsamen Infrastrukturprojekt zusammengeschlossen. Die drei Partner – unter Führung des Großinvestors Ooredoo Group – wollen mit der Plattform „Zankore“ bis zu ein Gigawatt an Rechenkapazität für künstliche Intelligenz aufbauen. Nokia liefert dabei die Netzwerkinfrastruktur für das Projekt. Bereits in der ersten Ausbauphase soll in der ersten Jahreshälfte 2027 eine Kapazität von rund 200 Megawatt entstehen, gestützt auf die neuen GB300-NVL72-Systeme von NVIDIA.
Für Nokia ist das Projekt ein weiterer Beleg dafür, wie stark sich das Unternehmen inzwischen als Netzwerkausrüster für KI-Rechenzentren positioniert. Das Segment AI & Cloud hatte sich im zweiten Quartal, dessen Zahlen der Konzern vor rund zwei Wochen vorlegte, umsatzseitig mehr als verdoppelt gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragseingang in diesem Bereich erreichte 2,8 Milliarden Euro – eine Größenordnung, die auch die operative Anhebung der Gewinnspanne im Quartal mittrug. Der Nettoumsatz des Konzerns wuchs währungsbereinigt um 9 Prozent, die Bruttomarge kletterte auf 46 Prozent.
Kursreaktion bleibt trotz starker Nachrichtenlage gedämpft
Die Aktie honorierte diese Entwicklungen zuletzt nur verhalten. Seit den Quartalszahlen vor rund zwei Wochen hat das Papier um 5,3 Prozent nachgegeben, auch der Dividendenbeschluss über 0,04 Euro pro Aktie, den der Vorstand im gleichen Zusammenhang traf, konnte den Rücksetzer nicht bremsen. Die Bonitätsanhebung durch S&P vor gut einer Woche brachte immerhin eine Gegenbewegung von 2,3 Prozent. Am Freitag schloss die Aktie bei 8,15 Euro, ein Minus von 1,09 Prozent auf Tagesbasis. Damit notiert das Papier weiterhin knapp über seinem 200-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen dafür, dass der langfristige Aufwärtstrend trotz der jüngsten Schwäche intakt bleibt.
Hintergrund der verhaltenen Kursreaktion dürfte auch die Erklärung des Managements sein, wonach die angehobene Gewinnprognose für 2026 vor allem aus einer buchhalterischen Umgliederung resultiert: Die Sparten Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge wurden als aufgegebene Geschäftsbereiche eingestuft, operativ bleibt der Ausblick für das laufende Jahr unverändert. Für das dritte Quartal rechnet Nokia mit einem Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, während der operative Gewinn wegen der Phasing-Effekte im Softwaregeschäft weitgehend stabil bleiben soll. Größere Ergebnisverbesserungen verschiebt das Management damit tendenziell ins vierte Quartal.
Analysten uneins über das Kursziel
Die Reaktionen der Analysten fielen unterschiedlich aus. Die Deutsche Bank senkte am 27. Juli ihr Kursziel für Nokia von 13,50 auf 11,50 Euro, bekräftigte aber die Kaufempfehlung. Bank of America bewertete die Nachrichtenlage rund um die Quartalszahlen deutlich optimistischer und hob ihr Kursziel bereits am 23. Juli auf 18,50 US-Dollar an. Das Analystenhaus argumentierte, der milliardenschwere Auftragseingang im KI-Geschäft übertreffe die Erwartungen des Marktes „deutlich“, und die fehlende Anhebung der operativen Jahresprognose sei kein Warnsignal – ein Großteil der Aufträge werde ohnehin erst 2027 und teilweise 2028 ausgeliefert, bedingt durch branchenweite Kapazitätsengpässe. Weitere Häuser positionierten sich uneinheitlich zwischen Halten und Kaufen.
Personalrunde und Insidergeschäfte
Neben der strategischen Nachrichtenlage meldete Nokia am Freitag eine reguläre Personalmaßnahme: Der Konzern übertrug 957.142 eigene Aktien unentgeltlich an Teilnehmer seiner aktienbasierten Vergütungsprogramme. Damit hält das Unternehmen noch 87.626.482 eigene Aktien. Bereits am 29. Juli hatte Nokia zudem Pflichtmitteilungen zu Manager-Transaktionen der Führungskräfte Hautala und Pressner veröffentlicht, wie nach EU-Marktmissbrauchsverordnung vorgeschrieben.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Operativ liefert Nokia im KI-Infrastrukturgeschäft spürbare Fortschritte, während die Aktie nach der jüngsten Kursschwäche unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt notiert. Die Volatilität des Papiers bleibt mit knapp 70 Prozent auf 30-Tage-Basis hoch – ein Hinweis darauf, dass der Markt die langfristige Bewertung der KI-Strategie weiterhin auslotet.
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