Nordic Mining Aktie: 51,37-Prozent-Sturz in sieben Tagen

Nordic Mining erhält Zahlungsaufschub von Anleihegläubigern, doch Liquidität reicht nur bis September. Technische Probleme am Engebø-Projekt und fehlende Rechtssicherheit belasten das Unternehmen zusätzlich.

Die Kernpunkte:
  • Zahlungsaufschub bis September vereinbart
  • Zinslast steigt auf 15 Prozent
  • Engebø-Produktion hinter Zeitplan
  • Kapitalspritze von bis zu 15 Millionen Dollar nötig

Eine akute Liquiditätskrise und technische Probleme beim Vorzeigeprojekt Engebø haben Nordic Mining an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht. Das Unternehmen konnte am Freitag einen vorübergehenden Aufschub mit seinen Anleihegläubigern erwirken, um einen unmittelbaren Zahlungsausfall zu verhindern.

Trotz einer leichten Erholung am heutigen Dienstag, bei der die Aktie um 8,54 Prozent auf 2,67 NOK zulegte, verdeutlicht der Kurssturz der letzten sieben Tage um 51,37 Prozent das schwindende Vertrauen der Anleger.

Teurer Aufschub durch Anleihegläubiger

Kern der aktuellen Krise ist eine Kuponzahlung in Höhe von 46,2 Millionen NOK, die ursprünglich am vergangenen Sonntag fällig war. Nordic Mining einigte sich mit den Gläubigern darauf, diese Zahlung bis zum 4. September 2026 aufzuschieben. Dieser Zeitgewinn ist jedoch mit hohen Kosten verbunden: Der Zinssatz für die vorrangig besicherten Anleihen steigt um 250 Basispunkte von 12,50 Prozent auf 15,00 Prozent pro Jahr.

Zudem wurde eine Zustimmungsgebühr in Höhe von 3,1 Millionen US-Dollar fällig. Sowohl die Zinserhöhung als auch die Gebühr werden als Sachleistung (Paid-in-Kind) verrechnet, was die langfristige Schuldenlast des Unternehmens weiter erhöht.

Ohne zusätzliche Kapitalmaßnahmen wird die vorhandene Liquidität laut Unternehmensangaben voraussichtlich nicht über den 4. September hinaus ausreichen. Auch für das Jahr 2027 zeichnet sich bereits jetzt eine Finanzierungslücke ab, wenn weitere Anleihen fällig werden.

Technische Hürden bremsen Engebø-Projekt

Die finanzielle Schieflage ist eng mit operativen Rückschlägen am Standort Engebø verknüpft. Der Hochlauf der Produktion bei der Tochtergesellschaft Engebø Rutile and Garnet AS (ERG) bleibt hinter dem Zeitplan zurück. Medienberichten zufolge verursachen technische Schwierigkeiten bei der Rutil-Trennung und Probleme mit Granat-Feinteilen Verzögerungen, die eine Abwärtskorrektur der Produktionsprognosen erforderlich machten.

Um den Betrieb bis November 2026 abzusichern, strebt Nordic Mining eine Liquiditätsspritze in Höhe von 10 bis 15 Millionen US-Dollar an. Diese soll über eine Aufstockung der bestehenden Anleihen realisiert werden. Voraussetzung für diese Finanzierung ist jedoch eine unabhängige technische Prüfung durch das Beratungsunternehmen SRK Consulting, deren Ergebnisse bis zum 4. September vorliegen müssen.

Juristische Unsicherheit und Zeitdruck

Zusätzliche Belastung entstand durch eine Entscheidung des obersten Gerichtshofs in Norwegen. Das Gericht bestätigte ein vorangegangenes Urteil, wonach die Genehmigungen für die Entsorgung von Abraum im Førdefjord aufgrund unzureichender Verfahrensbegründungen ungültig sind.

Obwohl die Regierung mitteilte, dass der Betrieb unter den bestehenden Bedingungen bis zu einer erneuten Bewertung fortgesetzt werden darf, bleibt die langfristige Rechtssicherheit für das Projekt gefährdet.

Anleger warten nun gespannt auf den 18. August, wenn Nordic Mining den Zwischenbericht für das zweite Quartal 2026 vorlegen wird. Dieser Bericht dürfte weitere Details zum Ausmaß der operativen Probleme und zum Fortschritt der Verhandlungen über die dringend benötigte Kapitalerhöhung enthalten. Angesichts der aktuellen Volatilität und der knappen Zeitvorgaben bis Anfang September bleibt die Lage für das Unternehmen äußerst prekär.

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